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Liederbach: Das alte Hoechst-Azubi-Wohnheim ist Bauschutt

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Von: Frank Weiner

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Ganze Arbeit: Bagger füttert Schredder, der aus Beton Brösel macht.
Ganze Arbeit: Bagger füttert Schredder, der aus Beton Brösel macht. © wein

Abriss in Alt Oberliederbach fast abgeschlossen / Cronstetten-Stiftung baut inklusiven Wohn-Komplex

Liederbach. Das Gebäude war sicher keine Schönheit. Aber es hat zur Gemeinde dazu gehört, war durchaus prägend für das Quartier zwischen dem Ortskern Alt Oberliederbach, dem Siesmayer-Park und der Kirche. Nun aber ist vom Ex-Lehrlingswohnheim der früheren Hoechst AG und der späteren Flüchtlingsunterkunft des Main-Taunus-Kreises nichts mehr übrig. Binnen nur weniger Tage haben mehrere große Bagger und eine riesige Schreddermaschine aus genau 60 Jahren Gebäudegeschichte Bauschutt und zerbröselte Steinreste gemacht. Der Abriss ist fast beendet, eine neue Ära kann auf dem Grundstück Alt Oberliederbach 10 beginnen.

Anfang 2025 soll alles fertig sein

Neuer Eigentümer der Fläche ist die Frankfurter Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung. Sie wird hier einen Gebäudekomplex zum inklusiven Wohnen vor allem für Menschen mit Handicap mit 42 Einheiten und gläsernem Mittelteil für den Blick in den Park errichten. Der Abriss des alten Wohnheims sollte im Vorjahr erfolgt sein, doch eine Mobilfunk-Antenne bereitete Kopfzerbrechen und sorgte für eine Verzögerung. Anfang Dezember sei sie abgebaut worden, berichtet Bernolph von Gemmingen-Guttenberg, der Geschäftsführende Administrator der Stiftung. Ganz schnell konnte es danach nicht gehen, da große Bagger für den Abriss so kurzfristig nicht zu bekommen waren. Doch Anfang Januar rollte der Sondertransport an, bald darauf konnte es losgehen. Und binnen einer guten Woche ist nun fast nichts mehr von dem Flachbau rechts und dem höheren Gebäudeteil links zu sehen. Die Substanz war allerdings auch 2022 schon in Kleinstarbeit entkernt worden, so dass nur noch die Hülle mit der roten Klinkerfassade stand.

Auf der Baustelle ist dennoch einiger Betrieb. Das Material wird von einer großen Maschine geschreddert und pulverisiert, während ein Arbeiter die Steine bewässert, um massive Staubbildung zu vermeiden. Ein Teil der zerkleinerten Bausubstanz werde dann als Grund unter der Tiefgarage wieder verbaut, berichtet von Gemmingen. Zudem sei die Stiftung jetzt in Gesprächen mit Tief- und Massivbauern. Sie werden in den ersten Schritten die Tiefgarage und die Aufzugskerne errichten. Zu einem überwiegenden Teil soll der Gebäudekomplex dann aus Holz sein, die Stiftung habe sich für die Firma Gumpp und Maier aus der Nähe von Augsburg entschieden und diese auch vorher besichtigt, wie der Administrator berichtet. Wichtig sei dann die Koordination mit dem Betonbau, damit die angelieferten Häuser-Fertigteile genau in die Rahmen passen.

An den Planungen insgesamt habe sich nichts viel geändert, höchstens Details. Ziel sei es weiterhin, das „Haus Hynsperg“, so sein Name, im ersten Quartal 2025 zu eröffnen. Das Interesse an dem betreuten Wohnen dort ist weiter groß. Um die 70 Adressen von möglichen Mietern gebe es, so von Gemmingen. Es wisse aber auch vom Bau des ähnlichen Cronstetten-Hauses in Frankfurt, dass es hier noch zu Veränderungen kommen kann.

Ein wechselvolle Geschichte der Immobilie ist mit dem Abriss nun beendet. Die Hoechst AG hatte sie gebaut, um dort ihre Lehrlinge unterzubringen. Später diente das Haus auch als Unterkunft für Nachwuchs-Volleyballer vom Internat Höchst. Anfang der 2000er-Jahre stand es leer. Der Main-Taunus-Kreis kündigte an, hier bis zu 90 Spätaussiedler unterzubringen. Die Gemeinde legte Einspruch ein, weil sie nicht beteiligt worden sei - doch das Regierungspräsidium lehnte ab. Seitdem diente der Großteil als Unterkunft für Geflüchtete, der Main-Taunus erwarb das Anwesen später auch. Ende Februar 2017 kam es zum Brand im Flachbau-Teil, das Gebäude wurde evakuiert. Die Flüchtlinge kehrten nie zurück. Erst hatte der Kreis Streit mit der Versicherung. Und in dieser Phase der Verzögerung einer Sanierung meldete die Cronstetten-Stiftung nach einem Tipp aus der Gemeinde Interesse an dem Haus an. Der Verkauf ging vor gut zwei Jahren über die Bühne.

Der rote Doppel-Bau mit Kirche rechts aus der Vogelperspektive.
Der rote Doppel-Bau mit Kirche rechts aus der Vogelperspektive. © wein
So stellen sich die Stiftungs-Planer das neue „Haus Hynsperg“ vor.
So stellen sich die Stiftungs-Planer das neue „Haus Hynsperg“ vor. © cronstetten-stiftung

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