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Liederbach: Die Post schließt nicht vor Weihnachten

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Von: Frank Weiner

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Die Poststelle am Villebon-Platz ist klein. Nun soll sie Ende Mai 2023 schließen. Eine neue Lösung wird gesucht.
Die Poststelle am Villebon-Platz ist klein. Nun soll sie Ende Mai 2023 schließen. Eine neue Lösung wird gesucht. © wein

Aber ein neuer Betreiber ist ab Juni 2023 nötig.

Liederbach. Vergangenen Mittwoch, da sei sie richtig sauer geworden, förmlich „ausgerastet“, beschreibt Bürgermeisterin Eva Söllner offen eine Emotion, die sonst von ihr nicht bekannt ist. Grund für ihren großen Ärger war ein Anruf. Die Politikbeauftragte der Deutschen Post AG habe sich bei ihr gemeldet und mehr oder weniger kurz mitgeteilt, dass die Liederbacher Poststelle im Wohn- und Geschäftshaus am Villebon-Platz bereits zum 1. Dezember schließen wird. „Das geht überhaupt nicht“, habe sie der Dame deutlich entgegnet. Kurz vor dem Weihnachtsgeschäft so aus heiterem Himmel diese wichtige Anlaufstelle dicht zu machen - das wäre ein Ärgernis gewesen.

Der Konjunktiv kann gewählt werden, weil die Filiale nun doch nicht sofort dicht gemacht wird. Schon am Wochenende habe sie von mehreren Personen erfahren, dass die Angaben nicht richtig seien - und die Politikbeauftragte habe ihr das dann bestätigt, das Durcheinander mit „vertraglichen Schwierigkeiten“ begründet. Im Bauausschuss ruderte Söllner somit zurück, nachdem sie im Haupt- und Finanzausschuss am Donnerstag zuvor schon das Aus für die Liederbacher Post verkündet hatte. Allerdings ist es nur ein Abschied auf Zeit. Nun soll diese Liederbacher Poststelle Ende Mai 2023 schließen.

„Wirtschaftliche“ Gründe für Aus

Post-Sprecher Heinz-Jürgen Thomeczek bestätigt den Sachverhalt auf Anfrage dieser Zeitung. Die Pächterin, deren angefragte Stellungnahme gestern ausblieb, habe „aus wirtschaftlichen Gründen“ gekündigt. Die Kündigungsfrist betrage stets sechs Monate, damit der Konzern auch ausreichend Zeit habe, um eine Nachfolge zu regeln. Der zuständige Vertriebsmanager für Liederbach sei aber „sehr zuversichtlich“, in der Gemeinde einen neuen Post-Betreiber zu finden, berichtet Thomeczek. Und nach den Erfahrungen betont er: Es lohne sich eben meist nur, wenn die Post zusammen mit einem anderen Geschäft geführt werde - sonst würde das Unternehmen seine Filialen ja auch selbst betreiben. In Liederbach sei die Post außerdem nicht auf den bisherigen Standort festgelegt. Es werde immer nach einem Partner Ausschau gehalten, „der zu uns passt“, sagt der Sprecher.

So haben die Post und auch die Gemeinde etwas mehr Zeit, um sich nach einer Nachfolgeregelung umzuschauen. Söllner könnte sich zum Beispiel eine Variante wie in Kelkheim vorstellen. Dort hat jetzt die neue Post in der ehemaligen Buchhandlung Pabst aufgemacht. Es gibt zwar keine Bücher mehr, dafür aber weiterhin Schreibwaren, Grußkarten und Zeitschriften. „Pabst Post & Paper“ heißt das Geschäft. Betreiber ist der Altenhainer André Begemann, der zudem die Post in Königstein in einem ähnlichen Laden führt. In Liederbach ist er ebenfalls bekannt, hatte bis gestern das Corona-Testzentrum in der Liederbachhalle geöffnet. Sie habe bereits mit ihm Kontakt aufgenommen, er wolle sich die Post-Sache in der Gemeinde einmal anschauen, sagt Söllner.

Möglich sei natürlich eine Nachfolge in den bisherigen Räumen, in denen nur die Post zu Hause ist. Die aber auch sehr klein seien, weiß die Bürgermeisterin. Und die wohl kaum noch Platz für ein weiteres Geschäftsfeld bieten. Vielleicht finde sich ja ein anderes Liederbacher Unternehmen, in dem der Service Unterschlupf finden kann. Möglicherweise am Marktplatz, was diesen sicher beleben könnte, überlegt Söllner. Vielleicht ja auch in den Räumen der ehemaligen Volksbank um die Ecke. Diese gehören zwar jetzt auch Bodo van den Wyenbergh mit seiner Praxis für Strahlentherapie, die er zum Teil dorthin noch erweitert hat. Er sei aber für Gespräche offen, sagt der Liederbacher.

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