Wie ist die Jugend für Politik zu begeistern? Die drei jüngsten Gemeindevertreter Lena van den Wyenbergh, Franziska Törber und Adrian Bellingen (von links) diskutieren an der Skatebahn.
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Wie ist die Jugend für Politik zu begeistern? Die drei jüngsten Gemeindevertreter Lena van den Wyenbergh, Franziska Törber und Adrian Bellingen (von links) diskutieren an der Skatebahn.

Politik:

Liederbach: "Du kannst Dinge direkt vor Ort beeinflussen"

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Wie die "Jugend" der Gemeindevertretung andere junge Leute für die Mitarbeit interessieren will

Liederbach. "Mit Vernunft für Liederbach": Unter diesem Titel hat das neue Bündnis aus CDU und SPD seine gemeinsame Vereinbarung für die kommenden fünf Jahre vorgestellt. Einen eigenen Themenschwerpunkt bekommt das Projekt "Einbindung von jungen Menschen in die Kommunalpolitik". Die Kooperationspartner wollen künftig das "Engagement und Interesse bei jungen Menschen wecken, sie für kommunalpolitische Themen und Prozesse begeistern und anregen, hieran teilzunehmen - punktuell, spontan, aber vor allem langfristig", heißt es. "Bei geeigneten Projekten soll für eine frühzeitige Teilnahme geworben und ein entsprechendes Forum geboten werden", nehmen sich die Partner fest vor.

Junges Trio mit jungem Treffpunkt

Wer kann dieses Thema besser beurteilen als die jungen Leute in den Fraktionen selbst. Da haben CDU und SPD die Nase vorn. Sie stellen die drei jüngsten Abgeordneten in der Gemeindevertretung. Grund genug für diese Zeitung, sich mit Adrian Bellingen (25, SPD), Franziska Törber (27, CDU) und Lena van den Wyenbergh (27, CDU) zu treffen und über den Nachwuchs in der Politik zu reden. Als passender Ort ist schnell die Skatebahn ausgemacht, der Platz in Liederbach für die jungen Leute. Auch wenn immer mal wieder Boards und Roller rund ums Interview brausen, so ist es doch eine spannende Runde, in der deutlich wird: Einmischen und Mitmachen ist dem Trio wichtig. Schwer sei es allerdings tatsächlich, andere junge Menschen dafür zu begeistern.

"Sie haben Vertrauen in mich gesetzt"

Bei Franziska Törber lag das Engagement nahe, ihre Mutter Eva Söllner ist seit mehr als zwölf Jahren im Ort Bürgermeisterin. "Du wächst damit auf", sagt sie zur Politik. Allerdings sei sie nie zum Engagement überredet worden, Drängen aus der Familie, das sei ja eher "uncool", so Törber, die bald Nachwuchs erwartet. Sie sei vielmehr über Freunde zur Jungen Union gekommen. "Das hat Spaß gemacht, da engagierst du dich gerne." Törber war Vorsitzende der JU Liederbach, Stellvertreterin im Kreis, arbeitet als Anwältin in einer Kanzlei in Wiesbaden und spielt gerne Tennis.

Lena van den Wyenbergh mag Radfahren, Wandern und hat einen Hund. Sie ist als Volontärin im Museum Wiesbaden beschäftigt, bekannt sind auch hier die Eltern: ihr Vater Bodo als Arzt und ehemaliger CDU-Gemeindevertreter, ihre Mutter Susanne über die Landfrauen. Da sie Franziska Törber seit dem Kindergarten kennt, sei sie von ihr auf einen Platz auf der Liste angesprochen worden. "Das kam zum richtigen Zeitpunkt. Ich habe überlegt: Was kannst du machen? Wie willst du dich einbringen?" So schoss sie auf der Liste auch durch die Bekanntheit der Familie von 15 auf 5 hoch und hatte ein Mandat. Bei Törber war das vor fünf Jahren ähnlich. "Das ist nicht infrage gekommen, es abzulehnen. Gewählt ist gewählt", betont sie. Ihre Freundin Lena ist beeindruckt von ihrem eigenen Ergebnis: "Die Leute haben Vertrauen in mich gesetzt, mir einen Vertrauensvorschuss gegeben."

Adrian Bellingen hat erst Staatswissenschaften in Passau studiert, jetzt macht er den Master in Politik in Frankfurt. Und kehrte zu den Liederbacher Wurzeln zurück. Sein Vater Achim saß für die SPD kurz in der Gemeindevertretung. Er habe sich schon früh für Politik, sein Lieblingsfach, interessiert und sich letztlich selbst motiviert, den Sozialdemokraten beizutreten. Was ihn fasziniert? "Weil man in der realen Welt etwas bewegen kann. Du kannst Rahmenbedingungen schaffen, Dinge direkt vor Ort beeinflussen." Selbst Klimaschutz fange schon in Liederbach an.

Das sehen die beiden CDU-Frauen genauso. "Wenn die Leute nicht wählen gehen, dürfen sie auch nicht meckern. Man sollte es wertschätzen, dass man es darf und kann", sagt Törber. Als Mandatsträgerin "siehst du die Auswirkungen, was du entscheidest" direkt an Ort und Stelle. Andere junge Menschen zögerten. "Viele haben es nicht auf dem Schirm, dass du etwas bewegen kannst, es um die Sache geht." Sie jedenfalls habe das Klima in ihrer ersten Wahlzeit als gut empfunden. Natürlich gebe es Dispute, "aber davon lebt ein politisches Gremium, dass es streitbar ist". Wichtig ist für Törber, "in der Diskussion das zu finden, was das Beste ist".

Für die junge CDU-Politikerin ist das in der Gemeinde als Beispielprojekt der neue Rewe-Supermarkt. Der bisherige Laden sei "eine Katastrophe", so dass sie manchmal lieber nach Bad Soden fahre. "Ich freue mich auf den Tag, wenn wir einen modernen Supermarkt haben." Adrian Bellinger wiederum wünscht sich, den Marktplatz zu verschönern, ihn anders zu gestalten, damit er mehr ein Treffpunkt wird. Lena van den Wyenbergh hat nicht das Herzensprojekt, sie möchte aber mit gutem Beispiel vorangehen, das Auto stehen lassen und vieles auf das Fahrrad verlagern.

Vielleicht müsse Politik digitaler werden

Und wie wollen sie nun andere junge Leute begeistern? Gemeinsam mit der Parteivorsitzenden Nicole Dittmar denkt er an ein Format unter dem Titel "Jugend trifft Politik", so Bellingen. Dort können sie Fragen stellen, Wünsche äußern. "Das muss viel über Themen kommen", stellt sich Törber vor. Ein Beispiel: die Neugestaltung des Spielplatzes in der "Grünen Mitte". Bei solchen Projekten seien jüngere Menschen, Familien "eingeladen, sich zu beteiligen". Vielleicht könne eine verjüngte Gemeindevertretung helfen, den "Nachwuchs" anzubinden. Und van den Wyenbergh überlegt, ob Politik nicht noch digitaler werden müsse. Das sei im Wahlkampf ja schon passiert. "Das sind Pfade, die man ausbauen und nutzen muss."

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