Leiter Raphael Jung vor der "Bibliothek der Dinge" in den Räumen der Bücherei. Er probiert ein Wurfspiel aus.
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Leiter Raphael Jung vor der "Bibliothek der Dinge" in den Räumen der Bücherei. Er probiert ein Wurfspiel aus.

Freizeit:

Liederbach: In der Bücherei kann nun nicht nur Lesefutter ausgeliehen werden

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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"Liederbacher Allerleih": Team möchte gemeinsame Aktivitäten vor allem durch ein Angebot an Sport- und Spielgeräten fördern.

Liederbach. Raphael Jung probiert das Ring-Wurfspiel fürs Foto kurz aus. Das sei eine kurzweilige Geschichte auch mal für drinnen, findet der Leiter der Bücherei. Dann stellt er das Spielgerät zurück - gleich neben ein Set, mit dem jede Wiese, jeder größere Keller schnell zum Volleyball-Feld umgewidmet werden kann. Die Kombination aus Ball und Netz hatte er unverpackt zu Hause und sie der Bücherei gespendet.

Nützliches für die Freizeitgestaltung

Ganz gleich, ob Ringe werfen oder Bälle baggern - in der Liederbacher Einrichtung gibt es jetzt ein Angebot, das seinesgleichen in der Region noch suchen dürfte. Denn das Team um Leiter Jung und seine Stellvertreterin Sylvia Lauffer hat eine "Bibliothek des Dinge" eingerichtet und ihr den Namen "Liederbacher Allerleih" gegeben. Künftig geben die Mitarbeiter in den Räumen im Kohlruß nicht nur Bücher, CDs, Hörbücher und Spiele heraus, sondern auch andere nützliche Sachen für die Freizeitgestaltung.

Sie hätten beide diese Idee schon vor wenigen Jahren gehabt, erzählen Lauffer und Jung. Als der neue Leiter im Sommer 2020 dann in der Gemeinde anfing, da hätten sie diese Gedanken zusammengeführt und an der Umsetzung gearbeitet. Die Stadtteilbücherei in Frankfurt-Sachsenhausen sei ihnen knapp zuvorgekommen, sagen sie schmunzelnd. Dort gibt es unter dem Titel "Zeusch für eusch" eine "Bibliothek der Dinge". Küchengeräte, Werkzeug, Technik, Outdoor-Artikel und Musikinstrumente können dort neben dem Lesefutter inzwischen ausgeliehen werden.

Die Liederbacher verfolgen aber eine etwas andere Philosophie. Große technische oder elektronische Sachen, mit Ausnahme eines Energiespar-Messgeräts, gibt es bei ihnen nicht. Sie schwören auf Dinge, mit denen jenseits von Handy, PC, Spielkonsole und Co. die Freizeit sinnvoll gestaltet werden kann. Die Palette mit derzeit knapp 20 Sachen reicht von A wie einem American Football über B wie Badminton-Set und Boule, D wie Dosen-Wurfspiel, F wie Fallschirm-Schwungtuch L wie Leiter-Golf bis R wie Riesenseifenblasen-Set, T wie Tischtennis-Set und U wie Umzugshelfer-Tragegurte. Weitere Ergänzungen wie das beliebte Wikinger-Schach, ein klappbarer Bollerwagen, eine Treppen-Sackkarre, ein Pavillon und ein Forscher-Set sind in Planung.

Das Projekt sei "nachhaltig", es müsse ja nicht jeder alles haben, findet Lauffer. Für Jung ist auch die Förderung der "sozialen Kompetenz" ein wichtiger Grund für die neue "Bibliothek der Dinge". Diese Ausleihe unterstütze Aktivitäten im Freundes- und Familienkreis und sei somit eine gute Ergänzung zu den Büchern und vor allem dem zuletzt deutlich erweiterten Spiele-Sortiment, betont der Leiter. Letztlich seien durch die Corona-Zwangspausen sportliche Aktivitäten wichtiger geworden. Das Angebot gelte auch für Kindergärten oder die Jugendbetreuung im Ort, sollte etwas gebraucht werden. Selbst die spontane Ausleihe für ein kleines Spielchen direkt gegenüber auf dem Marktplatz könnte eine Alternative zur Langeweile sein.

Das Prozedere ist einfach. Wer bereits einen Bibliotheksausweis hat, zahlt nicht extra fürs "Liederbacher Allerleih". Eine Woche kann das Ding dann ausgeliehen werden. Maximal zwei Sachen können gleichzeitig genommen werden. Sind sie nicht reserviert, ist eine Verlängerung um eine Woche möglich. Es gibt eine spezielle Nutzungsordnung dafür, die unterschrieben werden muss. Sie legt vor allem fest, dass die Sachen pfleglich behandelt sowie ordentlich und sauber zurückgegeben werden können. Präsentiert wird die "Bibliothek der Dinge" bestens sichtbar in einem Regal mitten in den Räumen.

Leser überraschen, Idee für Weihnachten

Jung und Lauffer wollen die Leser mit der Aktion überraschen, einen neuen Akzent setzen. Die erste Reaktion war gut, das Seifenblasen-Set wurde von einer Familie gleich spontan eingepackt. Auch zu Weihnachten kann sich das engagierte Duo spezielle Dinge zum Ausleihen vorstellen. wein

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