Wohnen und Gewerbe: So soll es aussehen, das Baugebiet "Westlich Sindlinger Weg".
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Wohnen und Gewerbe: So soll es aussehen, das Baugebiet "Westlich Sindlinger Weg".

Politik:

Liederbach: Opposition will Baugebiet auf Eis legen

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Plan für "Urbanes Gebiet" soll ausgesetzt werden.

Liederbach. Der Gegenwind zum geplanten Baugebiet "Westlich Sindlinger Weg", auch bekannt als "Urbanes Gebiet", wird rauer. Nachdem sich schon eine Bürgerinitiative gebildet hat (siehe Leserbrief links), die zumindest eine Veränderung der Pläne fordert, bläst nun auch die Politik offiziell und aktuell gegen das Projekt: Die Opposition mit FWG, Grünen und FDP hat für die Gemeindevertretung am Donnerstag, 1. Juli, um 19.30 Uhr in der Liederbachhalle (Anmeldung für Bürger an sitzungen@liederbach-taunus.de) einen Antrag zum Bebauungsplan "Westlich Sindlinger Weg" eingebracht. Das Trio fordert, den Beschluss zum B-Plan auszusetzen. Es gibt bisher einen Aufstellungsbeschluss dafür.

Keine Möglichkeiten voreilig verbauen

Positiv ins Thema steigt FDP-Fraktionschef Ralph Solveen ein. Bürgermeisterin Eva Söllner (CDU) habe zuletzt mitgeteilt, dass die Gemeinde auf der großen Coca-Cola-Fläche im Verkaufs-Bieterverfahren angemeldet sei. Das habe die FDP in einem Antrag bereits gefordert. "Ob die Gemeinde am Ende den Zuschlag erhält oder nicht, ist dabei nicht entscheidend. Viel wichtiger ist, dass die Gemeinde bei dieser für ihre weitere Entwicklung äußerst wichtigen Weichenstellung möglichst eng eingebunden ist, um möglichst frühzeitig die Weichen in die richtige Richtung zu stellen", findet sein Fraktionskollege Dietrich Janssen. Um hier aber das beste Ergebnis zu erzielen, sollten die Planungen aus Sicht der FDP-Fraktion möglichst wenigen Beschränkungen unterworfen sein. Da das Baugebiet "Westlich Sindlinger Weg" quasi direkt auf der anderen Straßenseite liegt, halten es die Liberalen laut Solveen für "unvernünftig und unnötig", dort mit dem Bau von Wohnhäusern und Gewerberaum bereits Fakten zu schaffen. "Uns fehlt da einfach ein Gesamtkonzept, ein Gesamtplan." Möglicherweise beraube sich die Kommune "ihrer Handlungsmöglichkeiten". Auch sei eine Wohnbebauung in unmittelbarer Nähe eines großen Gewerbegebiets kritisch zu sehen, so Solveen, der anfügt: "Dass der Investor nicht begeistert sein wird, ist auch klar. Aber da sind wir im Interesse der Gemeinde unterwegs." Eine große Chance gehe jedenfalls nicht verloren.

Da die Liberalen mit der FWG und den Grünen nun die Opposition bilden, hätten sie sich immer mal wieder ausgetauscht, berichtet FWG-Fraktionschef Thomas Kandziorowsky. So habe sich der gemeinsame Antrag ergeben, denn das Trio sieht das "Urbane Gebiet" allesamt kritisch. Vor allem in Kombination mit der Cola-Fläche. "Wir können nicht mal schnell hoppladihop auf der einen Seite etwas machen und sind dann auf der anderen Seite nicht handlungsfähig", so der FWG-Chef. Das Gebiet von Coca-Cola habe mit rund 70 000 gegenüber den beplanten 20 000 Quadratmetern eine Priorität. Was, wenn ein Großinvestor weitere Fläche im "Urbanen Gebiet" braucht, zumal noch ein zweites Gleis für die Bahnlinie entstehen soll? Das fragt sich Kandziorowsky. Er weiß von einigen großen Firmen, die Interesse an diesem Liederbacher Areal hatten. "Wir brauchen die Gewerbesteuer." Wenn dann dort "Nine-to-five-Jobs" entstehen, vertrage sich das möglicherweise auch mit dem angrenzenden Wohngebiet. Die Bebauung im "Urbanen Gebiet" mit rund 60 Prozent Wohnen und dem Rest Gewerbe sei jedenfalls "nicht alternativlos", macht der FWG-Mann deutlich.

"Den Boden Boden sein lassen"

Geht es nach den Grünen, sollte die Gemeinde sogar darüber nachdenken, ganz auf das Baugebiet zu verzichten. Die Fläche von Coca-Cola, zudem Optionen im Westen der Gemeinde mit dem Antrag von CDU/SPD auf ein "interkommunales Gewerbegebiet". Da findet Fraktionschef Andreas Müller eher: "So viele Gewerbegebiete braucht man gar nicht." Für die Grünen stelle sich dann vielmehr die Frage: Wo ist eine neue Gewerbefläche umweltverträglicher umzusetzen? Wenn das Quartier Coca-Cola neu entwickelt werde, dann sieht Müller direkt gegenüber nicht noch ein weiteres Firmengebäude. Und für die Wohnbebauung dort seien "immense Lärmschutzmaßnahmen" notwendig. Unter dem Strich soll das Gebiet zwar erst einmal auf Eis, doch Müller findet, "hier den Boden Boden sein zu lassen".

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