Vertreter des neuen und alten Vorstands zufrieden beisammen (v. l.): Ulrich Merget, Lars Schmitt, der ehemalige Vorsitzende Volker Götte, Stephan Vogt, Wilma Hoogerbrugge, Astrid und Wolfgang Foerster (neuer Vorsitzender), Karin Götte, Hartmann Hausherr und Christiane Papadimitroiou.
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Vertreter des neuen und alten Vorstands zufrieden beisammen (v. l.): Ulrich Merget, Lars Schmitt, der ehemalige Vorsitzende Volker Götte, Stephan Vogt, Wilma Hoogerbrugge, Astrid und Wolfgang Foerster (neuer Vorsitzender), Karin Götte, Hartmann Hausherr und Christiane Papadimitroiou.

Kultur:

Liederbach: Der renommierte Jazzclub ist gerettet

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Ein neuer Vorstand ist gefunden - die Familie Foerster löst die Familie Götte ab.

Liederbach. Ob er so ein bisschen der "Retter des Jazzclubs" sei? "Ja, scheint so", sagt Wolfgang Foerster, um aber gleich das Team zu nennen. Kein Wunder: Als erfahrener Personal-Coach hat er seine Neuenhainer Firma "Team Erfolge" genannt. Und mit einer solchen Mannschaft möchte der 55-Jährige nun den renommierten Liederbacher Jazzclub leiten. "Wir freuen uns auf die Aufgabe, den Jazzclub weiterzuführen", sagt der neue Vorsitzende und schließt da seine Frau Astrid mit ein, die Schriftführerin ist.

Auflösung Thema in Versammlungen

Wichtig ist dem Duo aus Neuenhain, dass die erfahrenen Kräfte noch ein halbes Jahr Stimmrecht im Vorstand haben und der neue Kurs zunächst gemeinsam angegangen wird. Der Vorsitzende Volker Götte und seine Frau Karin als Kassiererin haben fast alle der gut 35 Jahre des Clubs mit rund 100 Mitgliedern in führenden Positionen begleitet. Doch vor Monaten haben sie angekündigt: Ende 2020 soll Schluss sein. Da sich anfangs niemand für das Team fand, war die Auflösung Thema in einer ersten Mitgliederversammlung. Auch dort sah es nicht gut aus, die Sitzung wurde wegen Formalitäten vertagt. Nun am Freitag war nach der Corona-Zwangspause die Fortsetzung.

Zuvor zeigte sich ein Licht am Ende des Tunnels. Wie gut, dass der Jazzclub Werbe-Mails an seine Konzert-Besucher schickt. Denn eine erreichte die Foersters. Im Anhang war die wahrscheinliche Auflösung des Vereins thematisiert. Astrid, ebenfalls Personal-Coach, und Wolfgang Foerster seien aus ihren jeweiligen Arbeitszimmern gekommen, hätten sich in der Küche getroffen und beide betroffen auf die Nachricht reagiert, erzählt der Unternehmer, der zunächst eine Hotelfachschule in Lausanne besucht hatte. Sie riefen Musiker Engelbert Wrobel an, dann den Vorsitzenden Volker Götte. "Das darf doch nicht wahr sein, der Jazzclub darf nicht untergehen", so die Gedanken. Nach einigen Gesprächen war klar: Die Foersters wollen den Vorstand verstärken und somit dem Club das Weitermachen ermöglichen.

Nach Klärung einiger formeller Dinge wurde der Vorstand am Freitag gewählt. Foerster ist Vorsitzender, seine Frau Schriftführerin. Stephan Vogt bleibt Stellvertretender Clubchef, um die Kasse kümmert sich Wilma Hoogebrugge mit Unterstützung von Christiane Papadimitroiou. Ulrich Mergert bleibt Beisitzer, Lars Schmitt wird sich dem Bereich Internet widmen. Ganz wichtig ist dem Team aber, dass die Göttes bis Jahresende ihr Stimmrecht behalten und Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Eine Art "Doppelspitze" für die nächsten sechs Monate, "das war mir wichtig", sagt Foerster. Er schätzt die Arbeit der Göttes sehr, hätte sie am liebsten gleich am Freitag zu Ehrenmitgliedern mit freiem Eintritt zu Konzerten auf Lebenszeit gemacht und sagt: "Ihr Gesicht ist die Eintrittskarte." Das soll bald nachgeholt werden.

Macher haben "gutes Gefühl" bei Wechsel

Auch Karin und Volker Götte freuen sich über diesen Übergang an die beiden Jazzfans aus der Nachbarstadt, die in Liederbach einige Konzerte besucht haben. "Für uns ist es eine Erleichterung, dass es weitergeht", sagt der 80-Jährige. Darüber sei er einfach nur froh. Wichtig sei es auch, den vielen befreundeten Musikern zu signalisieren: "Hallo, es geht weiter." Auch nach dem halben Jahr Einarbeitung wollen Götte und seine Frau weiter "beratend zur Seite stehen". Der langjährige Chef betont: "Wir waren daran interessiert, dass es gut weitergeht und nicht vor sich her dümpelt." Da habe er bei den Foers-ters ein "gutes Gefühl".

Kein Wunder: Der Mann vom Bodensee und das "Neuenhainer Mädche" mögen den Jazz, haben selbst Kontakte zu Musikern. Sie hat früher Klavier lernen müssen, höre "aber lieber zu" und wolle mit dem Engagement "einen guten Beitrag für die Gemeinschaft leisten". Er erinnert sich an den Vater, der mal eine Jazzband hatte, und möchte nun vor allem "den freischaffenden Musikern nach wie vor eine Plattform geben". Die Heimat des Clubs soll in der Liederbacher Kulturscheune bleiben. Aber es dürfte auch Veränderungen geben, zum Beispiel beim Internetauftritt, beim Kartenverkauf oder beim Catering zu den Konzerten.

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