Volles Haus in der Liederbachhalle: Die Informationen zum Glasfaser-Projekt interessierten sehr viele Bürger.
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Volles Haus in der Liederbachhalle: Die Informationen zum Glasfaser-Projekt interessierten sehr viele Bürger.

Wirtschaft:

Liederbach: Riesiges Interesse am zweiten Anlauf zur Glasfaser-Offensive

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Nach einem ersten Reinfall wirbt nun Teranet um die 40 Prozent Abschlussquote.

Liederbach. Das System hake noch. Claudia Pelzl bittet am Mittwochabend in der mit gut 220 Bürgern voll besetzten Liederbachhalle um Geduld, bis die nächste Folie ihrer Präsentation auf der Leinwand erscheint. "Das ist noch kein Glasfaser", ruft ein Liederbacher. Gelächter im Saal. Denn gerade für die neuen, schnellen Glasfaserleitungen in der Gemeinde will die Projektleiterin der Firma GVG Glasfaser aus Kiel an diesem Abend ja werben. Doch in der Folge läuft alles glatt, auch die drei bunten Werbefilme ruckeln nicht. Pelzl ist rundum begeistert, vor allem von der Resonanz: "Das zeigt, Glasfaser ist hier ein Riesenthema."

Das ist es in der Tat, viele interessierte Bürger müssen sogar draußen bleiben, können sich dort aber bei den Beratern der Firma informieren. Bürgermeisterin Eva Söllner ist "total begeistert". Sie habe befürchtet, "dass alle von Titan abgeschreckt wurden". Titan Networks heißt das Unternehmen aus Wallau, das vor zwei Jahren in Liederbach eine Glasfaser-Offensive angekündigt, viele Verträge abgeschlossen und sich danach nicht mehr gemeldet hatte. "Ich freue mich sehr, dass wir diese zweite Chance erhalten haben", sagt Söllner. Versprechungen, Liederbach werde ein "Pilotprojekt", werde nun keiner mehr machen. Und doch hofft die Bürgermeisterin, dass die notwendige Abschluss-Quote von 40 Prozent der rund 4600 Wohneinheiten in Liederbach erreicht werde. Sie wünsche sich eigentlich, dass in bis zu zwei Jahren der ganze Ort "verglasfasert" sei.

173 Orte verkabelt, Investor aus Frankfurt

Projektleiterin Pelzl geht bei dem großen Interesse an dem Infoabend "ganz stark" davon aus, dass die Quote erreicht werden kann. Bis zum 31. März 2022 läuft nun die Werbung der GVG, die hier in der Mitte des Landes mit ihrer Marke Teranet auftritt. Pelzl kündigt eine weitere Informationsveranstaltung an, zudem seien Termine in kleiner Runde zu Hause jederzeit möglich.

Viele Liederbacher verlassen die Halle jetzt nicht euphorisch, aber doch gut informiert und zufrieden. Ihre Fragen zum Abschluss drehen sich vor allem um ganz konkrete Dinge wie die Anzahl von Rufnummern und die Mitnahme von einem anderen Anbieter ebenso wie bei der E-Mail-Adresse. Sollte die Quote nicht erreicht werden, seien die Verträge mit Teranet "null und nichtig", betont Pelzl. Bei den Projekten in Norddeutschland seien aber bereits 80 bis 100 Prozent erreicht worden. Die Projektleiterin nennt für die GVG Zahlen wie 330 Mitarbeiter, 73 000 Kunden in 173 Kommunen. Im Rhein-Main-Gebiet sind sie in Bad Homburg-Dornholzhausen und Heusenstamm gestartet. Auch in den weiteren Main-Taunus-Kreis habe die GVG ihre Fühler ausgestreckt, weiß Pelzl, kann aber Details noch nicht verraten. Hinter dem Unternehmen aus Kiel steckt Investor Palladio-Partners auf Frankfurt, an dem unter anderem Pensionsfonds, Versicherungen und die Kirche beteiligt sind.

Die 40-Prozent-Quote werde dennoch benötigt, da es keine Fördermittel gebe und ja wirtschaftlich gearbeitet werden müsse, betont Pelzl. Sollte Liederbach komplett angeschlossen werden, müssten 61 Kilometer Kabel verlegt und zwei größere Technik-Standorte geschaffen werden. Der Bedarf an hoher Bandbreite wachse jedes Jahr erheblich, Teranet könne über die neuen Leitungen bis zu 1000 Megabit pro Sekunde garantieren, wirbt sie. Zudem verbrauche Glasfaser bis zu 17 Mal weniger Strom als die herkömmlichen Kupferleitungen, vergleicht die Projektchefin.

Zwei kleine Löcher an den Häusern seien notwendig, per Erdrakete oder Spülbohrer könnten die Leerrohre dann in fast allen Fällen von der Straße ans Gebäude geschlossen werden. "Sie müssen keine Angst haben, dass wir Ihren ganzen Garten umgraben werden", stellt Pelzl klar. Bis auf einen Strecke von 15 Metern von der Grundstücksgrenze sei der Hausanschluss bis zum 31. März kostenlos. Sollte die Quote erreicht werden, kann eine regionale Baufirma gut drei Monate später mit den Arbeiten loslegen. Mit einem Jahr Bauzeit wird insgesamt gerechnet. Sind Bereiche verkabelt, gingen diese dann bereits an Netz, kündigt Pelzl an. Das Ganze hat natürlich auch einen Preis. Knapp 50 Euro im Monat sind es im ersten Jahr für die verfügbaren Geschwindigkeiten 300, 600 und 1000. Der Router ist mit dabei. Für 600 und 1000 MBit pro Sekunde werde es nach dem ersten Jahr teurer, auf knapp 60 und 75 Euro. Eine Einrichtungsgebühr von 69 Euro ist immer fällig. Im ehemaligen Blumenladen, Im Kohlruß 5, richtet die Firma ab 15. November ein Infobüro in der Gemeinde ein.

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