Diskussion um Skaterpark

Liederbach: Skaten und performen auf einem Pulverfass

  • vonManfred Becht
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Anwohner sind genervt von dem Lärm auf dem Skaterpark in Liederbach - manche haben schon Anwälte eingeschaltet. Wie geht es nun weiter?

Liederbach -Der Winter und die Corona-Pandemie haben die Diskussion um den Skaterpark "Im Kohlruß" zwar ein wenig beruhigt. Zeitweilig war das Gelände wegen der geltenden Kontaktbeschränkungen sogar ganz geschlossen, und wenn es kalt und nass ist, wird auch weniger geskatet. Aber die Zeit rückt näher, in der auf der Anlage wieder mehr Betrieb sein wird. 2019 sanierte die Gemeinde das Areal. Das Projekt war auch in Kooperation mit jungen Liederbachern und Nachwuchsskatern entstanden, die Tipps und Empfehlungen gaben.

Nun wird es auf der Bahn wieder lauter, sehr zum Missvergnügen mancher Nachbarn. Denn es knallt nun einmal ordentlich, wenn die Skater sich an den verschiedenen Elementen auf dem Platz austoben. Das war im vergangenen Jahr so - und es geht weiter. "Es gibt nach wie vor Beschwerden", sagt Bürgermeisterin Eva Söllner.

Das kann aber nicht im Sinne der Gemeinde sein. Deshalb wurde schon im vergangenen Jahr die Nutzungszeit eingeschränkt - abends soll um 22 Uhr Schluss sein, an Sonn- und Feiertagen noch früher. Dass dies manchem Skater zu früh ist, ist klar, vor allem im Sommer. Aber die Bürgermeisterin wirbt auch um Verständnis für die Anwohner.

Subjektive Empfindungen sind das eine, objektive Belastungen das andere. Die Gemeinde will noch einmal ein Lärmgutachten zu dem Thema einholen. "Wenn es vorliegt, werden wir schauen, ob wir in Sachen Lärmschutz noch nachbessern müssen", sagt die Rathauschefin. Fest steht für sie schon jetzt, dass die Nachbarn über die Ergebnisse des Gutachtens informiert werden. Nur wann das Papier vorliegt, ist noch unklar.

Für 120 000 Euro

Anlage saniert

Eine Einigung aber ist aus Söllners Sicht zwingend. Nachbarn führen Lärmtagebuch, haben Anwälte beauftragt, erwägen gar gerichtliche Schritte. Dass die Gemeinde die Anlage auf einen Gerichtsbeschluss hin etwa stilllegen muss, das will Söllner auf jeden Fall verhindern. Immerhin wurden rund 120 000 Euro investiert, um die Skatebahn zu sanieren. Die Folge: Nun kommen auch viele Auswärtige nach Liederbach zum Skaten. "Das ist der Fluch der guten Tat", meint Söllner. Denn an einen solchen Andrang habe man nicht gedacht. Die Begeisterung für den Skaterpark hat auch schon dazu geführt, dass in der Umgebung Einfahrten zugeparkt wurden - das nervt die Anlieger natürlich zusätzlich. Bereits im vergangenen Jahr haben die kommunalen Ordnungspolizisten in den betroffenen Straßen nach dem Rechten gesehen - aber klar ist, dass auch sie nur Stichproben machen können.

Und dann sind da noch Nutzungskonflikte auf der Bahn selbst. Dort sind sogar schon Kindergeburtstage gefeiert worden, wie diese Zeitung früher schon berichtet hat. Andere Eltern hatten dort ihre Kinder mit dem Laufrad üben lassen. Man kann aber kaum richtig skaten, wenn kleinere Kinder auf dem Gelände toben. Nach Söllners Informationen ist unlängst ein Skater bei einem Zusammenstoß mit einem Kind gestürzt.

Deshalb wurde das Mindestalter für die Benutzer inzwischen auf acht Jahre festgelegt, was immer noch ziemlich niedrig ist. Denn der Natur der Sache nach ist die Skaterbahn ein Angebot für Jugendliche. "Für die kleineren Kinder gibt es in der Gemeinde ja auch andere Spielplätze", betont Söllner.

Sie will auf jeden Fall versuchen, den Ärger um die Skaterbahn in den nächsten Monaten in den Griff zu bekommen. "Unser Ziel ist es, das nicht auf dem juristischen Weg zu klären." bt

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