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Nachfolger auf Cola-Areal klar: Rechenzentrums-Riese kommt in den Taunus

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Der Nachfolger auf dem Cola-Areal in Liederbach ist bekannt. Das US-Unternehmen Stack Infrastructure plant den ersten Campus in Deutschland im Taunus.

Liederbach – Stack“ ist das englische Wort für „Stapel“. Da passt der Name des US-Konzerns „Stack Infrastructure“ ins Bild, denn der „stapelt“ nichts anderes als Daten in riesigen Rechenzentren. Ein solcher Campus, die erste Deutschland-Niederlassung des weltweit expandierenden Unternehmens, soll nun in Liederbach gebaut werden. Schon einige Wochen bekannt war, dass für die ehemalige Fläche von Coca-Cola ein Betreiber von Rechenzentren den Zuschlag bekommen hat. Nur den Namen durfte Bürgermeisterin Eva Söllner noch nicht nennen. Nun ist sie ebenso froh, dass einige Zeit des Rätselratens vorbei ist und hat gestern Abend auch gleich die Gemeindevertretung informiert (Text unten).

Entstehen soll am Sindlinger Weg auf der rund 70 000 Quadratmeter großen Fläche ein Rechenzentrum mit einer Kapazität von 80 Megawatt in vier Gebäuden. Es dürfte in einer Rangliste der größten Zentren in Deutschland einen guten Platz einnehmen, dort sind E-Shelter in Hattersheim mit rund 65 000 und Equinix in Frankfurt-Griesheim mit rund 44 000 Quadratmetern Serverfläche derzeit vorne dabei. Stack hat seinen US-Firmensitz in Denver, in Europa in London, wo aber nur die Verwaltung sitzt. Rechenzentren in Europa gibt es in Kopenhagen, Oslo, Stockholm, Mailand, Genf, Avenches (Schweiz) und Zürich. Liederbach wäre die Nummer acht im Bunde. Eine Expansion in Deutschland sei theoretisch eine Option, berichtet ein Pressesprecher. In der Mitteilung ist von einem „wachsenden Portfolio“ in Europa die Rede. Allerdings werde eine hohe Investition wie in Liederbach nicht alle Tage getätigt. Wie hoch sie ist, das gibt das Unternehmen ebenso wenig bekannt wie einen Bau-Zeitplan. Allein nach dem Bodenrichtwert müsste nur das Grundstück aber schon knapp 26 Millionen Euro kosten.

So stellt sich der Konzern Stack Infrastructure seinen Rechenzentrum-Campus auch mit begrünten Fassaden am Sindlinger Weg vor. Stack
So stellt sich der Konzern Stack Infrastructure seinen Rechenzentrum-Campus auch mit begrünten Fassaden am Sindlinger Weg vor. Stack © Stack

Taunus: US-Tech-Unternehmen will Daten-Knotenpunt am Standort Frankfurt aufbauen

In Liederbach/Frankfurt steige Stack in den wichtigen Markt der „FLAP“-Rechenzentren ein und baue eine „skalierbare Präsenz“ in der Region auf, heißt es. „FLAP“ steht für die vier wichtigsten Daten-Knotenpunkte in Europa: Frankfurt, London, Amsterdam und Paris. Stack bezeichnet sich als „global führenden Entwickler und Betreiber von Rechenzentren“. Der neue Standort werde es ermöglichen, „strategische Kundenanforderungen zu erfüllen und wichtige Kapazitäten auf dem begrenzten Markt für Rechenzentren bereitzustellen“.

BEBAUUNGSPLAN FOLGT

Bürgermeisterin Eva Söllner hat mit angeschoben, dass der neue Eigentümers der Coca-Cola-Fläche die Katze nun aus dem Sack gelassen hat. Sie hatte der Firma Stack gegenüber angekündigt, dass sie in der gestrigen Gemeindevertretung nach gut drei Wochen einer schwebenden Pressemitteilung den Verkauf bekanntgeben wolle. Das alles habe schon sehr lange gedauert, macht sie deutlich.

Unter dem Strich ist sie „stolz“ und freue sich, den ersten Rechenzentrums-Campus von Stack in Deutschland zu bekommen. Auch wenn der Konzern „Frankfurt“ als Platz mit nennen wird. Wichtig sei es, dass Stack seine Deutschland-Zentrale am Sindlinger Weg führen und von dort expandieren wolle. Das spielt bei der Anrechnung der Gewerbesteuer eine wichtige Rolle. Das Projekt trage einen Schritt zu einer „weiter vernetzten Welt“ bei, so Söllner, die offiziell zitiert wird: „Wir sind zuversichtlich, dass Stack unserer Gemeinde und der Region kurzfristige sowie langfristige Vorteile als auch neue Perspektiven einbringen wird, daher heißen wir das Unternehmen herzlich willkommen und hoffen darauf, sein Wachstum unterstützen zu können.“ Nächste Woche ist wieder ein Gespräch mit Stack. Die Gemeinde will den von der Politik angestoßenen vorhabenbezogenen Bebauungsplan auf den Weg bringen und ihre Wünsche umsetzen - Parkhaus und neuer Wertstoffhof. Zudem muss wohl Platz für ein Ausweichgleis beim Ausbau des Bahn-Taktes freigehalten werden. Der Konzern kenne die Pläne, sagt Söllner. wein

Verkäufer der Fläche war die Coca-Cola European Partners Deutschland GmbH (CCEP DE), die dort mehr als 50 Jahre Abfüll- und Vertriebsanlagen betrieben hatte. Das Unternehmen hatte Ende 2020 seinen Abschied auch wegen fehlender Entwicklungsperspektiven bekannt gegeben und die letzten Umzüge in diesem Sommer vollzogen. Die Bieterfrist für den Verkauf des Areals war am 30. September 2021 beendet. Das Projekt sei „auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit“ ausgerichtet. Die vier Gebäude „werden zu einer Kreislaufwirtschaft beitragen, etwa durch den Einsatz innovativer grüner Technologien, darunter die Regenwassernutzung und die Bereitstellung von Überschusswärme für die Planung des Ausbaus eines Wohngebiets vor Ort“, teilt Stack mit.

Liederbach/Frankfurt: Stack Infrastructure will Mitarbeiter für viele Bereiche einstellen

John Eland, Chef des Europa-Geschäfts, erklärt: „Wir wissen, dass es in Frankfurt eine überwältigende Nachfrage nach einer schnellen, flexiblen, belastbaren und effizienten Rechenzentrums-Infrastruktur gibt. Deshalb sind wir dem Ruf gefolgt, genau das zu liefern, was unsere Kunden erwarten.“ Nicht zuletzt seien „hochqualifizierte Arbeitskräfte, wie beispielsweise Ingenieure“, hier verfügbar, so Eland. Wie viele Mitarbeiter Stack weltweit und in Liederbach beschäftigt, war auf Nachfrage nicht zu erfahren.

Chef Eland sagt zum Personal: „Wir schaffen Arbeitsplätze, vermitteln diese jedoch nicht direkt. Viele Leute neigen dazu zu denken, dass es bei einem Rechenzentrum nur um Maschinen und wenige IT-Jobs geht, aber das ist nicht wahr. Dieses Rechenzentrum wird Arbeitnehmer unterschiedlicher Art einstellen können: Dazu gehören die Bereiche Technik, Bau, Anlagebetrieb und Sicherheit, wobei Schüler und Studenten durch Ausbildung und Lehre miteingebunden werden.“ Stack bietet Rechenzentren in aller Welt. 22 Standorte werden genannt, darunter 10 in den USA, 3 in Australien, je einer in Singapur und Tokio und bisher 7 in Europa. (red)

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