Joachim Mühl, Gemeindereferentin Gabriele Rohrbach und Irmgard Selt (von links) hängen die Postkarten in der Kirche auf.
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Joachim Mühl, Gemeindereferentin Gabriele Rohrbach und Irmgard Selt (von links) hängen die Postkarten in der Kirche auf.

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Liederbach: Tausende Karten für ein Wir-Symbol

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Gemeinden wünschen sich rund um dem Ökumenischen Kirchentag ganz viele Botschaften per Post.

Liederbach. Ein bisschen sieht es so aus wie in der Waschküche. Doch an den Schnüren in der Kirche St. Marien hängen keine Wäschestücke, sondern Hunderte kleiner Postkarten. Joachim Mühl vom Verwaltungsrat der katholischen Kirchengemeinde steht gerade auf der Leiter und setzt weiteres Papier hinzu. Ebenso wie Gabriele Rohrbach. Noch sind die Karten leer. Doch die Gemeindereferentin der Pfarrei St. Franziskus wünscht sich, dass viele Kärtchen mit Texten hinzukommen.

Im Idealfall könnten es weit mehr als 4000 sein. Jeweils rund 2000 Katholiken und Protestanten gibt es in Liederbach, die Kirchensteuer zahlen. Zudem viele weitere Christen, sagt Rohrbach. An sie richtet sich ihre Aktion ebenso. Rund um den Ökumenischen Kirchentag, der digital vom 13. bis 16. Mai abläuft, hat sich die Gemeindereferentin etwas ausgedacht. Das Motto "schaut hin" setzt sie mit Postkarten um: "Wir wollen deutlich machen, wie viele wir überhaupt sind." Die Christen in der Gemeinde können darauf kleine Botschaften schreiben zu Fragen wie "Was macht das Leben kostbar und wertvoll? Was wird für die Ökumene in Liederbach gewünscht?" Sie treffe die Kommunionskinder oft, "die erleben ja im Moment keine Gemeinde". Auch ihnen will Rohrbach zeigen: "Ihr gehört dazu, aber mit Euch sind viele andere Christen." Das solle die Gemeinschaft stärken. "Das sind Menschen, denen der Glaube wichtig ist, vielleicht nicht immer die Amtskirche." So formuliert es zum Beispiel Mühl auf seiner Karte, wo es heißt: "Gottes Liebe ist grenzenlos. Liebe - jeglicher Form - darf nicht diskriminiert werden. Auch nicht von den Mächtigen der katholischen Kirche." Eine andere Person schreibt: "Die Freiheit des Einzelnen dort da auf, wo die Freiheit des Anderen beginnt." Mit Blick auf die Ökumene wird gewünscht, dass sie sich "weiter entwickelt zur Einheit, Schulterschluss üben, ist nicht genug". Das hätte Rohrbach mit den Protestanten direkt gemacht und die Leinen mit den Karten von Kirche zu Kirche gespannt - wegen des Regens musste das ausfallen.

Gemeinsam gestalten sie aber den Wortgottesdienst am Samstag, 15. Mai, um 19 Uhr - in St. Marien, wo Rohrbach mit den evangelischen Pfarrerinnen Barbara Helling und Eva Reiß und dem musikalischen Leiter Philipp Raatz in Aktion ist. Zuhören geht auch bei der Videoschalte in der evangelischen Kirche und unter https://sublan.tv/#/events/upcoming zu Hause. Rohrbachs Botschaft wird dabei zum Motto "schaut hin" auch sein: "Wenn wir richtig schauen, sehen wir mehr, als wir denken und sind Gott näher." Wichtig sei es, "mit dem Herzen schauen zu lernen, den Kopf in den Sand stecken, gilt nicht". wein

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