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Die Immobilie Alt Oberliederbach vom Park aus gesehen.

Alt Oberliederbach 10:

Liederbach: Verkauf des früheren Flüchtlingsheims: Kreis will Lösung bis Ende November

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Verhandlungen mit Cronstetten-Stiftung ziehen sich.

Liederbach. In regelmäßigen Abständen erkundigt sich diese Zeitung beim zuständigen Main-Taunus-Kreis, wie es um die Zukunft der markanten Immobilie Alt Oberliederbach 10 bestellt ist. Der Kreis ist Eigentümer und hat dort bis vor knapp vier Jahren eine Flüchtlingsunterkunft betrieben. Dann gab es einen größeren Brand, das Haus war seitdem nicht mehr nutzbar. Als der MTK im Streit mit der Versicherung endlich am Punkt einer Sanierung angekommen war, tauchte ein neuer Mitspieler auf: Die in Frankfurt ansässige Cronstetten-Stiftung zeigt großes Interesse an dem Grundstück direkt am Oberliederbacher Park. Sie möchte das alte Gebäude und ehemalige Wohnheim der Hoechst AG abreißen und ein modernes Haus für Menschen mit und ohne Behinderung einrichten.

Die Ausschreibung ist gelaufen, seit mehreren Monaten sind nun der Kreis und die Cronstetten-Stiftung in Gesprächen. "Die Verhandlungen laufen in der Tat noch. Mit Rücksicht auf die laufenden Verhandlungen bitten wir um Verständnis, dass wir nähere Details dazu noch nicht sagen können", teilt nun Kreishaus-Sprecher Johannes Latsch auf aktuelle Anfrage mit.

So weit - so gut. Nichts Neues also, sollte der Beobachter meinen. Doch dann lässt der Nachsatz des MTK-Sprechers aufhorchen: "Landrat Cyriax stellt aber klar: Der Kreis wünscht, dass der Vertrag Ende November steht. Sonst müssen die Verhandlungen mit dem derzeitigen Gesprächspartner beendet werden."

Da drängen sich Gedanken und Fragen auf: Es gibt offensichtlich noch Knackpunkte bei den Verhandlungen, die wohl auch der Grund für die Verzögerungen sind. Ist das Vorzeige-Projekt am Ende noch gefährdet? Wo hakt es genau? Vom Kreis gibt es dazu aus den genannten Gründen keine Auskunft.

Bürgermeisterin Eva Söllner findet klare Worte: "In den nächsten vier Wochen muss Butter bei die Fische", fordert auch sie. Es gebe noch einen Mietvertrag für eine Antenne, der die Nutzung des Grundstücks eventuell einschränkt. Weitere Details kann sie nicht nennen.

Mit positivem Gefühl aus Treffen

Sie macht aber deutlich: Es sei ihr auch nicht begreiflich, "dass man da noch nicht zu einer Lösung gekommen ist". Die Gemeinde werde alles dafür beitragen, dass die Kurve noch zu kriegen ist. Es sei im Interesse der Kommune, hier "schnell und pragmatisch" zu einem Abschluss zu kommen. Zwar habe der Kreis viele andere Projekte zu stemmen und sehe hier vielleicht nicht diese Priorität wie die Gemeinde, überlegt Söllner, die aber optimistisch in die nächsten Gespräche blickt: "Ich glaube, wir werden das schon schaukeln können." Erst vor wenigen Wochen habe es ein Treffen zwischen Kreis, Gemeinde und Cronstetten-Stiftung gegeben, aus dem sie eigentlich mit einem "guten Gefühl" gegangen sei, berichtet Eva Söllner.

Ein gutes Gefühl hatte auch die Liederbacher Politik, als sie für dieses Projekt vor gut einem Jahr den Bebauungsplan änderte. In der Tat hat das, was dort entstehen soll, Pilot-Charakter und würde der kleinen Gemeinde nach dem angekündigten Aus der Weltfirma Coca-Cola als Vorzeigeobjekt gut zu Gesicht stehen. Zwei Gebäude in moderner Bauweise, verbunden durch ein Glaselement, das den Blick von der Straße auf den Siesmayer-Park wieder freigibt: Es ist ein architektonisch besonderes Projekt, das auf dem Anwesen entstehen soll. Das Konzept des inklusiven Wohnens von Menschen mit und ohne Behinderung gibt es laut Söllner so im Main-Taunus-Kreis noch nicht.

Bauherr für das "Wohnen am Park" soll die Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung sein. Sie gehört in Frankfurt zu den größeren wohltätigen Stiftungen und ist dort seit gut 250 Jahren tätig. Laut einer architektonischen Konzeptstudie plant sie einen Komplex mit rund 55 Wohnungen zwischen 50 und 100 Quadratmetern. Gerade junge Erwachsene mit Behinderung sollen hier ein Netzwerk vorfinden. Es soll rund um die Uhr einen Concierge-Service, zudem eine Hausrufbereitschaft, Hilfen bei Technik und Hauswirtschaft sowie zum Teil öffentliche Gemeinschaftsräume für Veranstaltungen und Kurse geben. Gedacht ist an Car-Sharing und einen Bereich für gemeinsam nutzbare Arbeitsplätze. Auch ein Pflegedienst soll ein Domizil bekommen, der von allen Liederbachern genutzt werden könnte. Die Wohnungen werden vermietet. Frank Weiner

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