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Friedrich und Renate Backes im Gastraum der Liederbachhalle. Ende Juni läuft ihr Pachtvertrag aus.

Gemeinde will Planungssicherheit

"Kein Kündigungsgrund": Besitzer der Gastronomie Liederbachhalle  müssen gehen

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Renate und Friedrich Backes haben in der Liederbachhalle viele Jahre gewirkt. Zunächst auch noch mit Reinigungs- und Hausmeistertätigkeiten, zuletzt dann einzig als Gastronomen. Doch auch hier gab es unzufriedene Gesichter, weshalb die Gemeinde aus ihrer Sicht die Reißleine zog. Sie wollte den Vertrag aber ohnehin auf neue Füße stellen.

Liederbach - „Von der Gebäudereinigung zur Gastronomie“: Unter diesem Titel hat das Kreisblatt Mitte September 2018 die kleine Firma von Renate und Friedrich Backes vorgestellt. Die seit gut 25 Jahren besteht, zunächst in der Reinigungsbranche begann, dort bis zu 260 Mitarbeiter hatte und nun mit der Gastronomie in der Liederbachhalle ihr Herzstück hat. 

Allerdings nur bis zum 30. Juni, denn dann sagt das Ehepaar Backes in Liederbach „Tschüss“. Nicht freiwillig: Nur gut zwei Wochen nach dem Zeitungsartikel flatterte ihnen die Kündigung ins Haus. Ursprünglich schon für Ende 2018, doch in Gesprächen mit der Gemeinde wurde ein halbes Jahr Verlängerung vereinbart.

Keine persönliche Kündigung

Ziemlich verärgert sind Renate und Friedrich Backes immer noch, als das Kreisblatt sie besucht. Offen erzählen sie ihre Version der Dinge. „Ich habe gesagt, ich möchte in der Liederbachhalle in Rente gehen“, so die 53-Jährige. Ihr Mann ist das mit 67 vom Alter her schon. Nach dem Kündigungsschreiben habe es nicht wirklich ein offenes Gespräch mit dem Gemeindevorstand und Bürgermeisterin Eva Söllner an der Spitze gegeben. Diese fehlende Kommunikation kritisieren sie besonders, auch die Kündigung sei eben nur eingeworfen, nicht persönlich übergeben worden.

Beraterfirma im Boot der Gemeinde

Den letzten Sachverhalt bestätigt Eva Söllner. Sie betont aber, es habe in den Jahren zuvor immer wieder Gespräche gegeben. Sie habe die Unzufriedenheit von Bürgern und letztlich auch der Gemeinde oft kommuniziert, aber der Familie Backes „immer eine Tür offen gelassen“. Zuletzt habe sie bei einem Treffen angeboten, auch die Familie Backes könne sich auf die neue Ausschreibung bewerben – was so zunächst vor ihr auch angekündigt worden sei. Klar ist für die Bürgermeisterin aber: Der alte Vertrag sei einfach mal zu überdenken und „auf gute, neue Füße“ zu stellen. 

Daher hat sich die Gemeinde eine auf diesem Gebiet spezialisierte Beratungsfirma mit ins Boot genommen. Es seien auch „Teile des Vertrags nicht gelebt worden“, so Söllner: „Wenn es nicht läuft, muss ich reagieren.“ Die Liederbachhalle sei das „Wohnzimmer“ der Gemeinde, da könne sie Probleme nicht einfach wegdiskutieren.

Keine Planungssicherheit für die Gemeinde

Was nicht lief, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Die Öffnungszeiten sollen nicht passend gewesen sein. „Wir haben sie so angepasst, wie es für eine Gaststätte rentabel ist“, sagt Renate Backes. Unter der Woche morgens für zwei Cappuccino aufzumachen, sei ebenso schwierig wie Samstagmittag für gut 30 Euro Umsatz. Den Mittagstisch habe das Team getestet – „gekommen ist fast keiner“. 

Planungssicherheit sei das nicht. Die brauche aber die Gemeinde, entgegnet Söllner. Wenn die Halle gebucht sei, dann müsse auch die Gastronomie öffnen – so stehe es im Vertrag, macht sie deutlich. Dass bei einer CDU-Veranstaltung mal das Essen kalt gewesen sein soll, will die Familie Backes gar nicht groß kommentieren. Auf die Palme bringt sie aber Kritik, dass die Gastronomen unfreundlich gewesen seien. „Das trifft einen ganz schön“, sagt Renate Backes. Kündigungsgründe sehen sie darin nicht.

Die Krux mit der FWG

Dass die Gemeinde den Vertrag von 2006 auf einen neuen Stand bringen wolle, können sie wiederum nachvollziehen. Denn Betreiber werden mal „betriebsblind“, räumt Friedrich Backes ein. Die Gemeinde wolle die Halle besser vermarkten, „da brauchen wir Zuverlässigkeit“, sagt Söllner. Die Familie hat angekündigt, sich nicht mehr zu bewerben. Die Stellenausschreibung sei ihnen zu dünn, sagen beide. Sie haben ein Ferienhaus im Harz, das sie zu einem Lokal umbauen wollen.

Und dann ist da noch die Mitgliedschaft von Friedrich Backes in der Liederbacher FWG, die sicher auch ein Scherflein beigetragen hat zur verfahrenen Situation. Als „nicht besonders klug“ bezeichnet Eva Söllner das. Bei der Kündigung habe das aber „gar keine Rolle gespielt“, stellt sie klar. „Die Leistung, die im Vertrag steht, spielt eine Rolle.“ Laut Backes hingegen sei das FWG-Thema für viele kein großes Problem gewesen. Für ihn auch nicht: Er habe das gemacht, um „Hintergrundinformationen“ über das politische Geschehen in der Gemeinde zu bekommen.

Unter dem Strich habe der Gemeindevorstand beschlossen, „einen klaren Schnitt“ zu machen, sagt Söllner. Das Ehepaar Backes bereitet daher den Abschied vor und kündigt schon mal ein „Dankeschönfest“ für alle Gäste an. Renate Backes betont: „Wir gehen dann mit einem Lächeln.“

In Frankfurt musste das "Canvas" in der Freßgass' ebenfalls schließen.

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