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Auch in Deutschland wird die Ketamin-Therapie langsam bekannter. Foto: Julian Stratenschulte

Krankheit

"Nein" zur Angst: "Selbsthilfegruppe Depression für Frauen" gegründet

Stress bei der Arbeit, Ärger mit dem Partner oder der Familie: Es gibt viele Faktoren, die eine Depression auslösen können. Anne Sabine Wilkens ist selbst betroffen und hat eine Selbsthilfegruppe gegründet.

„Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie eine Depression haben“, beginnt Anne Sabine Wilkens das Gespräch. Doch sie weiß, wovon sie spricht. Schließlich habe auch sie eine „böse Zeit“ hinter sich. Dabei macht die Liederbacherin einen starken und zielstrebigen Eindruck. Dass sei aber nicht immer so gewesen, erzählt sie im Gespräch mit dem Kreisblatt. Mittlerweile könne sie aber offen und selbstbewusst über ihre Krankheit sprechen.

Denn wer gelernt hat, mit einer Depression umzugehen, der wisse, worauf es im Leben ankommt. „Das kann auf lange Sicht zu einer besseren Lebensqualität führen“, ist der 54-Jährigen heute bewusst. Dafür müsse man jedoch zuerst die wichtigste Hürde überwinden: Die Einsicht, an einer Depression zu leiden. Und zweitens, sich im nächsten Schritt Hilfe zu holen. Als Auslöser für eine Depression sieht die Betroffene bei Bekannten oft den arbeitsbedingten Druck oder aber auch familieninterne Probleme als Trigger. „Das sind häufig Potenzialträger.“ Sabine Wilkens möchte aus ihren Erfahrungswerten schöpfen und diese an andere weitergeben. Denn auch wenn sie heute immer noch mit „Episoden“ zu kämpfen habe, kann sie auf ihre vielen positiven Erfahrungen zurückgreifen.

Aus diesem Grund habe sie sich an das Gesundheitsamt des Kreises gewandt. „Wir sind offen für alle, die eine Selbsthilfegruppe gründen wollen“, sagt Julia Hemming, Ansprechpartnerin des Gesundheitsamtes (Rufnummer: 0 61 92/201- 11 07). Schnell standen Zeitrahmen und Örtlichkeiten fest: Seit 17. September besteht nun die kreisweite „Selbsthilfegruppe Depression für Frauen“. Meistens fühle man sich innerhalb des eigenen Geschlechts sicherer, weiß Wilkens, „vor allem, wenn der Auslöser männlich ist.“ Daher sei die Gruppe speziell nur für Frauen.

Zusammen kommt die Gruppe im 14-Tage-Rhythmus jeweils von 18 bis 19.30 Uhr in der Katholischen Kirche St. Marien in Liederbach. „Eine Selbsthilfegruppe ersetzt allerdings keine Therapie“, betont Wilkens. Die Gruppe sei daher gedacht, therapiebegleitend oder im Nachhinein als Stütze zu fungieren, mit dem langfristigen Ziel, die Treffen wöchentlich abzuhalten.

Momentan besteht die Frauengruppe aus knapp einer Handvoll Personen. Die Treffen starten mit einer Befindlichkeitsrunde, in der jede erzählen kann, wie es ihr gehe. Dabei halten sich alle Anwesenden an die internen Gruppenregeln: Besonders wichtig sei, dass nichts nach außen getragen und stets die Anonymität gewahrt werde. Der Sinn dahinter: „Wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können, schließlich sitzen wir alle im selben Boot. Wir bringen Verständnis füreinander mit. Manchmal auch ohne Worte.“ Am Ende komme es darauf an, sich selbst zu akzeptieren und das eigene Selbstwertgefühl neu zu entdecken, festzuhalten und zu stärken. Täglich. „Man muss ,Nein’ zur Angst sagen.“

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