So stellt sich die Cronstetten-Stiftung in Alt-Oberliederbach die Gebäude mit Glas-Eingang und Park-Blick vor.
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So stellt sich die Cronstetten-Stiftung in Alt-Oberliederbach die Gebäude mit Glas-Eingang und Park-Blick vor.

Bauen in Liederbach

Neubau-Projekt: 40 Wohnungen, zwei Häuser, ein Blick in den Park

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Cronstetten-Stiftung plant mit "Haus Hynsperg" nachhaltigen Holzbau schwedischer Architekten.

Liederbach -Mitte Januar hat sich diese Zeitung mit Bernolph Freiherr von Gemmingen-Guttenberg, Geschäftsführender Administrator der Frankfurter Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung, vor der Immobilie Alt-Oberliederbach 10 getroffen. Es lag noch Schnee und Eis, war lausig kalt. Das Gebäude, um das es ging, ist allerdings selbst bei gutem Wetter kein schöner Anblick. Ziemlich heruntergekommen ist das ehemalige Flüchtlingsheim, das der Main-Taunus-Kreis nach einem Brand Anfang 2017 nicht mehr genutzt und Ende 2020 an die Cronstetten-Stiftung verkauft hat.

Von Gemmingen-Guttenberg konnte beim Treffen zwar einiges berichten - wie das Gebäude, das den Osten der Gemeinde künftig mitprägen wird, einmal aussehen soll, dazu gab es im Januar indes noch keine Visualisierungen. Nun lüftet die Stiftung gegenüber dieser Zeitung das "Geheimnis", das für viele Liederbacher von Interesse sein dürfte. Animationen zeigen, wie das Projekt umgesetzt werden soll.

Einen Namen hat es schon bekommen: "Haus Hynsperg", nach einem Teil des Stiftungstitels. Justina Steffan v. Cronstetten (1677 - 1766), die Stiftungsgründerin, blieb unverheiratet. Ihre Geschwister starben schon als Kleinkinder. Sie lebte sehr zurückgezogen in ihrem Elternhaus, dem Kranichshof. Dort übte sie Wohltätigkeit aus, nahm Kinder auf und bot pflegebedürftigen Damen eine Bleibe. Das Erlöschen der Familie Steffan von Cronstetten war abzusehen. Justina wollte unter dem Namen "Steffan v. Cronstett- und Hynspergische Adelige Evangelische Stiftung" Sozialprojekte fördern. Damit sollten zudem die Namen der Familien, denen sie entsprossen, erhalten werden.

Eröffnung in weniger als drei Jahren

Deshalb taucht jetzt die Familie von Hynsperg im Liederbacher Projekt auf. In einer langen, virtuellen Sitzung hat das Führungsgremium inzwischen die Entwurfsplanung des schwedischen Architekturbüros "White Arkitekter" diskutiert "und ohne Gegenstimme verabschiedet", teilte von Gemmingen-Guttenberg mit. Nun sei der Weg frei, einen Bauantrag für die nachhaltige Bebauung der Liegenschaft Alt-Oberliederbach 10 in Liederbach auf den Weg zu bringen.

Beim ersten Treffen mit dieser Zeitung war geplant, 2022 mit dem Bau zu beginnen. Von Gemmingen-Guttenberg nannte eine Investitionssumme von rund 20 Millionen Euro. "Die Cronstetten-Stiftung freut sich sehr auf ihr neues Projekt am Taunus, dessen Eröffnung in weniger als drei Jahren erfolgen soll", teilte der Administrator nun mit.

Anstelle des leerstehenden ehemaligen Auszubildendenwohnheims der Hoechst AG, das zuletzt dem Main-Taunus-Kreis als Flüchtlingswohnheim diente, soll ein energiesparender, moderner Holzbau entstehen. Auf rund 4400 Quadratmeter Bruttogeschossfläche sind etwa 40 geräumige Wohnungen sowie verschiedene Gemeinschaftsräume geplant. Eine zusätzliche Tiefgarage soll viel Platz auch für moderne Mobilitätskonzepte bieten.

"In herrlicher und einzigartiger Lage - zwischen dem alten Dorfkern Liederbachs und dem von Heinrich Siesmayer gestalteten Oberliederbacher Park - soll ein helles, modernes und freundliches Wohn- und Lebenskonzept für Wohnen mit Service entstehen, welches Park und Ortskern bestmöglich verbindet", nennt von Gemmingen-Guttenberg die Zielsetzung.

Er hatte sich auf Vermittlung des Liederbachers Oliver Pitsch von den Johannitern, mit denen die Stiftung zusammenarbeitet, in der Gemeinde eigentlich im "Quartier Mixte" umgesehen. Durch Zufall stieß der Administrator jedoch auf das alte Flüchtlingsheim - das Projekt war geboren.

Geplant sei in erster Linie ein Angebot für ältere Menschen, erläutert er und ergänzt: "Es soll aber auch jüngere Menschen, insbesondere mit erworbener körperlicher Behinderung, sowie Singles mit Kindern gleichermaßen ansprechen."

Frankfurter betreten Neuland

Mit dem Projekt betritt die vor gut 250 Jahren gegründete Stiftung nun nicht nur regionales, sondern auch architektonisches Neuland. Mit den schwedischen Holzbauspezialisten von "White Arkitekter", den im Holzbau erfahrenen österreichischen Tragwerksplanern von Merz Kley & Partner sowie regionalen Fachplanern, hat die Stiftung ein internationales Expertenteam zusammengestellt. Es arbeitet aktuell hauptsächlich über Videokonferenzen bereits "intensiv und euphorisch" zusammen, freut sich von Gemmingen-Guttenberg.

So soll das Haus der Cronstetten-Stiftung mal aussehen.
Der Bestand: das Ex-Flüchtlingsheim. Rechts die evangelische Kirche.

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