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Nischen und Höhlen sind das bevorzugte Winterdomizil von Fledermäusen. Durch den Abriss alter Gebäude und den Verschluss von Ritzen finden die Tiere kaum noch geeignete Schlafplätze.

Hessische Umweltlotterie

Neues Heim für Fledermäuse: Lotterie-Gewinn ermöglicht Umwidmung des Liederbacher Wasserwerks 

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Fledermäuse halten ihren Winterschlaf am liebsten in frostfreien Höhlen. Solche Stellen gibt es kaum noch. Alternativen sind gefragt, um den geschützten kleinen Säugetieren zu helfen. In Liederbach findet sich nun ein Plätzchen. Bei der Gestaltung kommt es auf viele Details an.

Es wird ein neues Quartier für Fledermäuse: Bereits Anfang 2018 haben die Gemeinde und der Naturschutzbund (Nabu) Main-Taunus die Weichen gestellt, um das Gebäude des alten Wasserwerks, das seit vielen Jahren nicht mehr genutzt wird, für den Fledermausschutz umzuwidmen. Es wurde ein Winterquartier für Fledermäuse, diese geschützten, aber akut so gefährdeten kleinen Säugetiere, eingerichtet.

Nun kam auch noch die Glücksgöttin Fortuna zu Hilfe: Das Projekt gewann 5000 Euro bei der Hessischen Umweltlotterie „GENAU“, so dass der Plan nun bald umgesetzt werden kann. „Wir freuen uns riesig, dass wir durch den Gewinn schon zur nächsten Wintersaison ein artgerechtes Quartier für unsere Fledermäuse zur Verfügung stellen können“, freut sich Klemens Fischer, Projektverantwortlicher im Nabu-Kreisverband Main-Taunus.

„Von Oktober bis Ende März finden die nachtaktiven Jäger keine Nahrung mehr und sind darauf angewiesen, in frostfreien Höhlen Winterschlaf halten zu können. Doch die sind heutzutage Mangelware“, wissen die Fachleute des Nabu.

Die Grundidee für die Umwidmung des Liederbacher Wasserwerkes entstand aus den Erfahrungen im benachbarten Bad Soden: 1998 hatten Naturschützer dort ein ähnliches Gebäude umgebaut – seitdem überwintern in den alten Kavernen viele Tiere.

Damit die Fledermäuse in der neuen Heimat im Winter ungestört bleiben, wird eine neue Tür mit Einflugschlitz eingebaut, und die Fenster werden mit ausreichendem Einflugabstand vergittert. Damit die Fledermäuse nicht austrocknen, benötigt das frostfreie Gebäude eine ebenso gleichmäßige wie hohe Luftfeuchtigkeit, weshalb Regenwasser gesammelt und eingeleitet werden muss.

Da die Wände mit Kacheln verkleidet sind, finden die Fledermäuse keine Risse und Spalten, um sich festkrallen oder verstecken zu können. Aus diesem Grund wird der Nabu Hohlblocksteine und Hochlochziegel anbringen. „Darüber hinaus sollen Bretterverschalungen im Dachbereich geeignete Sommer-Quartiere schaffen, damit die Weibchen dort ihre Jungen zur Welt bringen können“, berichten die Naturschützer.

Wenn all diese Arbeiten erledigt sind, können die Fledermäuse im nächsten Winter einziehen. Dann wird der Nabu auch Führungen anbieten, um vor allem Kindern die spannende Lebensweise der fliegenden Säugetiere zu erläutern und hautnah erleben zu lassen. Dabei soll auch eine Infotafel helfen, kündigt die Gruppe an. Die erforderlichen Arbeiten werden vom Nabu durchgeführt. Die Gemeinde Liederbach unterstützt ihn – falls notwendig – mit Geräten. Die Kosten der Umbaumaßnahmen werden vom Gewinn aus der Umweltlotterie getragen.

Im November 2018 hatte Fischer sein Projekt bei der Umweltlotterie „GENAU“ für den Zusatzgewinn angemeldet. Der Gewinn sei ebenso ein Glücksfall wie die Tatsache, dass die Gemeinde das ehemalige Wasserwerk nicht abriss, sondern für Naturschutzzwecke unentgeltlich zur Verfügung stellte.

Zum inzwischen dritten Mal seit Einführung der Lotterie „GENAU“ jubelt der Main-Taunus-Kreis über Lottoglück für die Umwelt. Bislang gab es Zusatzgewinne in Höhe von insgesamt 15 000 Euro für Umweltprojekte.

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