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Flugtest mit der Puppe, die gleich auf dem Luftkissen aufkommt: Die Liederbacher bekamen einen neuen ?Sprungretter?.

Feuerwehr

Riesige Luftkissen sind die letzten Rettungshilfen für die Feuerwehr

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Für Sprünge aus maximal 16 Meter Höhe können die modernen „Sprungretter“ eingesetzt werden. Liederbach hat jetzt einen „Kameraden“, der sich manchmal ganz schön aufbläst.

Wenn’s in alten Hollywood-Filmen mal lichterloh brannte, kamen nicht selten Sprungtücher zum Einsatz. Spektakulär ist es eben, wenn sich ein Mensch in Not aus vielen Metern in die Tiefe stürzt und dort von Rettern aufgefangen wird. Die Realität sieht heute aber ganz anders aus: Natürlich retteten Sprungtücher so manches Leben, doch bergen sie auch eine Gefahr – für Helfer und Hilfesuchende. Längst gibt es die Tücher daher nicht mehr. Sie wurden von riesigen Luftkissen abgelöst – mit glanzvollen Namen wie „Sprungretter SB 16“.

Die Feuerwehr Liederbach hat jetzt einen solchen neuen, aufblasbaren „Kameraden“ begrüßt. Das Vorgängermodell war gut 15 Jahre alt und hatte seine Ablegereife erreicht, wie es heißt. „Wir haben das nur spazieren gefahren, da bin ich auch froh drum“, sagt Gemeindebrandinspektor Dirk Schäfer. „Wenn du das brauchst, wird es blöd.“ Denn Sprungpolster sollten nur im absoluten Notfall eingesetzt werden, wenn Leitern nicht mehr helfen. Die Zahl „16“ in der Bezeichnung steht für die maximale Höhe, für die solche Kissen verwendet werden dürfen. Darüber hinaus kommt die Drehleiter bis zu einer Höhe von etwa 23 Metern zum Einsatz – das entspricht dem siebten Stock in einem Hochhaus. Brennt es noch weiter oben, müssen sich die Helfer zu Fuß vorarbeiten – wie etwa im New Yorker World Trade Center nach dem Anschlag im Jahr 2001.

Dirk Schäfer hat in Liederbach einen Einsatz mit Sprungtuch oder -polster bisher nicht erlebt. Heimo Schmid von der Alters- und Ehrenabteilung, der beim Dienstabend zur Einweisung des „Sprungretters“ genau hinschaut, aber sehr wohl. Es sei in den 80er-Jahren gewesen, ein Brand im Parkhaus „Am Wehr“. Der Rauch sei durch das Hochhaus nach oben gewandert – und auf einer Seite seien die Helfer nicht mit der Drehleiter rangekommen. Also Sprungtuch raus, mit gut zwölf Mann festgehalten – und eine Person auf diese Weise gerettet, erinnert sich Schmid. „Trotzdem ist er uns durchgerutscht“, sagt er noch. Die Person war mit dem Po auf dem Boden aufgekommen, wurde aber nicht ernster verletzt. Damit auch in Zukunft im Notfall jeder sicher per Sprung gerettet werden kann, müssen die Helfer eingewiesen werden. Gerätewart Ümit Barak übernimmt das in Liederbach. In nur 30 Sekunden ist der „Sprungretter“ mit Pressluft aufgeblasen und einsatzbereit. Dann kann er von zwei bis vier Mann in Position gebracht werden. Alexander Wieczorek lässt eine Puppe vom Dach des Feuerwehrhauses segeln – nicht ganz mittig auf das 3,50 mal 3,50 Meter große Kissen – doch die Rettung ist erfolgreich verlaufen.

Julia Protzmann und Ralf Heil verfolgen das Geschehen. Die 17-Jährige ist erst seit einem Dreivierteljahr in der Einsatzabteilung und beeindruckt. Sie weiß aber: Eine Rettung per „Sprungretter“ als letzten Ausweg wolle sie möglichst nie erleben. Für Heil, als Ordnungspolizist in der Gemeinde im Einsatz, käme das nur tagsüber in Frage: Dann fährt er bei Einsätzen mit. In seiner Heimat Hahnstätten komme ein solches Hilfsmittel gar nicht zum Einsatz – das werde mit den Drehleitern abgefangen, weiß er.

Dennoch: Die Brandschützer müssen das Polster laut Dirk Schäfer immer auf dem ersten Auto mitführen. Sollte es zum Einsatz kommen, kann er Tipps zum richtigen Vorgehen geben:

  Zunächst gelte für beide Seiten „Ruhe und Besonnenheit“, denn die Rahmenbedingungen seien schon hektisch genug.

  Dann sei eine persönliche Ansprache der Personen mit Blickkontakt wichtig. „Man muss die Person führen, sie sollte nur auf Anweisung handeln.“

  Der „Sprungretter“ sollte außerhalb des Gefahrenbereichs aufgebaut und dann in Position gebracht werden, erklärt Schäfer.

  Die Person sollte nach Möglichkeit mit dem Po zuerst springen, die Wehrleute müssen ausreichend Abstand halten.

All das wird in Liederbach bei der Einweisung thematisiert. Kurios dabei, dass die Wehrleute das Kissen aufgrund der Unfallverhütungsvorschriften nicht selbst testen dürfen. Es sei ohnehin nur „das letzte Rettungsmittel“, betont Schäfer noch einmal. Es nach einem Einsatz wieder einzupacken, erfordert letztlich mehr Aufwand – auch das haben die Brandschützer beim Test nun live miterlebt.

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