Kelkheimer Verein „Taunus-Express“

Das sind die pfiffigen Tipps vom Rad-Experten

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Morgen treten beim Radrennen am 1. Mai nicht nur die Sportler in die Pedale. Damit alles glatt rollt, hat der Liederbacher Jürgen Huß einige Ratschläge parat.

Mit dem Fahrrad von Kriftel nach Liederbach – über die Feldwege kein Problem. Auch der kurze Regenschauer kann die Freude kaum trüben. Das Ziel: Jürgen Huß, Vorstandsmitglied im Kelkheimer Radsportverein „Taunus-Express“ und Fachmann für zwei Räder. Er wird Tipps geben, wie das Rad fit für den Frühling gemacht werden kann. Denn die vergangenen Sonnentage haben ja regelrecht zum Tritt in die Pedale aufgefordert.

Doch beim Eintreffen in seiner Garage, in der reihenweise Räder stehen und hängen – von der edlen Rennmaschine bis zum Bonanza-Rad, folgt die kleine Ernüchterung: „So richtig sauber sieht das Rad ja nicht aus“, sagt der Liederbacher, während der Fotograf schmunzelt. Huß hebt den Drahtesel auf seinen Montageständer und ächzt: So ein schweres Rad habe er schon lange nicht mehr in der Hand gehabt. Ein bisschen Foppen gehört dazu. Umso wertvoller sind seine Tipps.

Zunächst kommt die Reinigung dran, damit eventuelle Mängel besser zu sehen sind. Ein normaler Haushaltsreiniger tut es da schon. Etwas einwirken lassen, dann mit dem Lappen abwischen. Für Ecken empfiehlt der Fachmann eine alte Zahnbürste. Dann der Check:

  Die Lichtanlage müsse funktionieren. Wenn nicht, ist vielleicht eine Birne defekt oder etwas an der Leitung. Auch die Kontakte genau prüfen. Die kabellosen Anlagen müssen der Straßenverkehrsordnung entsprechen. Kleine helle Leuchten sähen „cool“ aus, seien aber oft nicht erlaubt, mahnt Huß.

  Der Lenker muss fest sitzen und gerade sein. Der Sattel ebenso, soll zudem in der Waagerechten sein. Das überprüft Huß am Reporter-Rad mit der Wasserwaage – und prompt muss nachgebessert werden. Die richtige Sattelhöhe kann mit dem Fersentest ermittelt werden: Einfach die Ferse auf die Pedale, dann in Stellung ganz unten bringen – und nun muss das Bein durchgestreckt sein.

  „Lebenswichtig“, so der 69-Jährige, seien die Bremsen. Bei Felgenbremsen seien die Kontrolle und der Austausch oder das Nachstellen recht einfach, bei Scheibenbremsen etwas schwieriger. Hier gelte: Das Rad nie auf den Kopf stellen, weil sonst Luft in die Leitungen kommen und der Bremsdruck sinken könnte. Wenn die Bremse quietscht, sind die Beläge wohl verdreckt. Sie dann entweder selbst ausbauen, abschmirgeln oder am besten zum Fachmann radeln. Das gilt auch, wenn eine Entlüftung der Scheibenbremse nötig ist.

  Die Reifen sollten genug Profil haben, die Tiefe kann mit dem Fingernagel getestet werden. Bei Rennrädern gibt es eine Markierung. Ist sie verschwunden, muss ein neuer Mantel her. Hat das Rad eine „Acht“, hilft der Fachmann. Jedermann kann es versuchen mit einem Speichenspanner und Gefühl.

  Die Kette ist ein Herzstück des Rades und sollte daher besonders gut gepflegt werden. Mit einem Lappen wird sie grob gesäubert, dann gibt es einen speziellen Kettenreiniger. Ist das Teil sauber, sollte Ketten-Öl oder –Fett drauf. Eine Kettenlehre wiederum zeigt an, ob das Exemplar noch genug Spannung hat. Das Reporter-Rad fällt mal wieder durch – deutlich zu locker. Es könnte ein Glied ausgetauscht und mit einem Kettennieter zusammengesetzt werden. Aber auch hier rät Huß den Laien eher zum Fahrradladen. Sein weiterer Tipp: Bei der Tour möglichst ein Kettenschloss dabei haben, falls die Kette mal reißt. Das passiere zwar kaum, sei dann aber besonders ärgerlich.

  Der alte Hase hat noch zwei pfiffige Anregungen: Am häufigsten ist doch der Platten. Sollte das passieren, das Loch gefunden, aber kein Flickzeug oder Ersatzschlauch dabei sein: Den Schlauch an der Loch-Stelle zusammenknoten und langsam fahren. Ist das Loch nicht in Sicht, den Mantel mit Gras, Moos oder Stroh fest ausstopfen.

  Die Ausrüstung muss passen. Luftpumpe, Ersatzschlauch, Reifenheber, Flickzeug und Werkzeug gehören dazu, dann Personalausweis, Geld, Handy und eine Rufnummer der Angehörigen bei Unfall. Sehen und gesehen werden: Hell und leuchtend sollte die Kleidung sein, ein Helm ist Pflicht.

(wein)

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