Mitarbeiter des Liederbacher Werks legten Arbeit nieder

Warnstreik bei Coca-Cola

Unterstützt wurde die Liederbacher Belegschaft bei ihrem Streik von Kollegen aus den Coca-Cola-Standorten in Ramstein, Kenn und dem spanischen Madrid. Die Angestellten fordern mehr Lohn in der laufenden Tarifrunde.

Gestern ist die komplette Frühschicht des zweitgrößten Coca-Cola Werks in der Region Südwest von 6 bis 14 Uhr vor den Werkstoren in den Ausstand getreten. Insgesamt sind 150 Mitarbeiter in den Warnstreik eingetreten. Neben den Arbeitern aus der Produktion beteiligten sich erstmals auch Angestellte aus der Verwaltung des Werks am Streik. Verstärkung bekam die streikende Liederbacher Belegschaft von je rund 40 Coca-Cola-Beschäftigten aus den Standorten in Ramstein und dem Moselort Kenn, die mit Bussen angereist waren. Außerdem waren sogar einige Vertreter aus dem spanischen Werk in Madrid per Flugzeug angereist, um die deutschen Kollegen in der kleinen Vortaunus-Gemeinde zu unterstützen.

Hintergrund für den Warnstreik ist die laufende Tarifrunde zwischen der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und der Coca-Cola European Partners Deutschland GmbH (CCEP DE), die das größte Getränkeunternehmen in Deutschland ist. Die Konzerntochter ist für die Abfüllung, den Verkauf und Vertrieb von Coca-Cola-Produkten verantwortlich.

Am 25. Januar hatte die NGG die Tarifverhandlung bereits in der ersten Runde abgebrochen, da die Arbeitgeberseite nach Ansicht der Gewerkschaft nur ein „Magerangebot“ von 1,3 Prozent vorgelegt habe. Die Beschäftigten zeigten deshalb am Donnerstag auch in Liederbach deutlich ihre Verärgerung. Die Gewerkschaft fordert in der laufenden Tarifrunde eine Erhöhung aller Entgelte um monatlich 160 Euro sowie eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 100 Euro.

Durch die europaweite Umstrukturierung bei Coca-Cola und dem damit verbundenen Arbeitsplatzabbau in Deutschland sei die Arbeitsbelastung für die verbleibenden Beschäftigten stark angestiegen, zumal der Volumenausstoß weiterhin stetig steige, so Gewerkschaftssekretär Hendrik Hallier. „Vor diesem Hintergrund ist das Angebot der Arbeitgeberseite ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten. Es kann nicht sein, dass sie für die Fehler des Managements doppelt bezahlen sollen.“

In den letzten Jahren ist die Zahl der Beschäftigten von Coca-Cola in Europa drastisch reduziert worden. In Deutschland sank die Zahl von insgesamt rund 12 000 Beschäftigten in 2007 auf etwa 8000 Ende 2016. So wurde beispielsweise der Standort in Kaiserslautern aufgelöst und in Ramstein neu aufgebaut, allerdings nur der Logistikbereich. Im Werk in Liederbach, das neben dem in Mannheim der einzige Produktionsbetrieb in der Verkaufsregion Südwest ist und ausschließlich Einwegflaschen abfüllt, fiel der Stellenabbau etwas moderater aus. Allerdings ist hier nach Gewerkschaftsangaben aber auch die Belegschaft innerhalb von drei Jahre von 480 auf 440 Mitarbeiter reduziert worden.

Das letzte Mal wurde in Liederbach 2013 gestreikt. Im März 2015 konnte die Gewerkschaft NGG ein Tarifvertragspaket durchsetzen, das den Arbeitsplatzabbau für die Dauer von fünf Jahren sozialverträglich regelt. „Allerdings habe ich hier seit einem Monat keine Geschäftsführung mehr“, beklagte Betriebsratsvorsitzender Imdat Erkan im Hinblick auf den Wechsel der Chefin Nina Hermanns in einen anderen Bereich des Konzerns. Aber die Entscheidungen über das Unternehmen würden eh längst von London aus gefällt, betonte NGG-Landesvorsitzender Uwe Hildebrandt. Wenigstens sei der Standort im Besitz von Coca Cola im Gegensatz zu Mannheim.

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