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Ein Bauzaun ist an die Fassade angelehnt, das Gebäude steht leer: Wann im Flüchtlingsheim in Alt-Oberliederbach wieder Menschen einziehen werden, ist offen.

Flüchtlingswohnheim

Zähe Verhandlungen mit Versicherer verzögern Sanierung

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Im Februar 2017 musste es schnell gehen: Nach einem Feuer musste die Asylbewerber-Unterkunft geräumt werden. Seither steht sie leer. Wie geht es dort weiter? Was hat die Liederbacher Bürgermeisterin vor?

In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung des Jahres 2018 überraschte Bürgermeisterin Eva Söllner (CDU) damit, dass sie eine Vorlage zurückzog. Es geht um den Bebauungsplan „Park Oberliederbach“ aus dem Jahr 1997, für den eine zweite Änderung auf den Weg gebracht werden sollte. Gründe für den Rückzug nannte die Rathauschefin in der Sitzung nicht.

Irreführender Name

Eigentlich ist schon der Titel des Planes ein wenig irreführend. Denn das Papier umfasst nicht den Siesmayer-Park in Oberliederbach, sondern vielmehr das ehemalige Hoechst-Wohnheim samt der Grünfläche drumherum. Die Bezeichnung sei aber dem groben Maßstab des Flächennutzungsplanes als Grundlage für die Bebauungspläne geschuldet, heißt es in der Vorlage.

Das Ensemble gehört inzwischen dem Main-Taunus-Kreis, der dort einige Zeit Flüchtlinge untergebracht hat. Bis zu jenem Tag im Februar 2017, als ein Brand im Flachbau Teile des Gebäudes unbewohnbar machte. Noch am selben Tag wurden die Geflüchteten in der zweiten Liederbacher Unterkunft an der Höchster Straße, heute mit fast 100 Plätzen belegt, sowie einem neuen Gebäude an der Frankfurter Straße in Kelkheim untergebracht.

Seitdem hat sich im Anwesen Alt-Oberliederbach nicht allzu viel getan. Menschen sind dort fast zwei Jahre nach dem Feuer noch nicht wieder eingezogen. Zwar liefen schon Teile der Sanierung, doch der Kreis liegt noch im Streit mit der Versicherung. „Derzeit verhindert die Abarbeitung von Sanierungsmängeln eine Wiederbelegung mit Flüchtlingen im Hochbau“, teilt Sprecherin Katrin Förster mit und informiert weiter: „Für den Brandschaden im Flachbau steht der Kreis noch immer in Verhandlungen mit dem Versicherer. Hier werden die Umbau- und Sanierungsarbeiten planerisch vorbereitet. Sobald es hier zu einer Einigung kommt, können auch hier die Arbeiten weitergehen.“

Gespräche laufen

In Absprache mit der Gemeinde wurde beschlossen, dass der Flachbau in kleine Appartements mit Bad und Küche umgebaut werden soll, damit dort auch anerkannte Flüchtlinge eine Bleibe finden können. Denn für sie ist wiederum die Kommune zuständig – und in Liederbach gibt es wie andernorts zu wenig bezahlbaren Wohnraum.

Die Gemeinde will dann die neuen kleinen Wohnungen vom Kreis anmieten. Sie hätte dafür „nur“ den Bebauungsplan ändern müssen – von einem Sondergebiet mit der Zweckbindung als „Ausbildungszentrum“ (noch ein Relikt vom alten Hoechst-Wohnheim) zu einem Wohngebiet. Das alles wäre Formsache gewesen. Doch jetzt könnte es möglicherweise neue Entwicklungen geben, weshalb Eva Söllner die Vorlage zunächst zurückzog. Ins Detail könne sie noch nicht gehen, sagte sie dem Kreisblatt. Sie weiß aber, dass es Gerüchte im Ort gebe, der Kreis sei nicht mehr zuständig. Das sei falsch. Richtig sei, dass es durchaus Gespräche zur weiteren Verwendung des Gebäudes und Grundstücks gebe. Denn der Bedarf an Flüchtlingsunterkünften ist derzeit im MTK nicht mehr so groß. Einige Häuser werden oder wurden schon geschlossen. „Wir müssen erst mal abwarten, was passiert“, sagt Eva Söllner dem Kreisblatt. Sie weiß allerdings, dass der linke Teil, der Hochbau, eigentlich schon hätte belegt werden sollen. Nun heißt es warten, welche Entwicklung das markante Areal in Alt-Oberliederbach noch nimmt.

(wein)

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