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Das leerstehende Flüchtlingshaus soll abgerissen werden. Der neue Bau soll laut Politik keinesfalls höher und wuchtiger werden.

Bauausschuss

Projekt "Wohnen am Park" nimmt erste Hürde

Bis zu 55 Wohnungen mit Glas-BrückeDie Frankfurter Cronstetten-Stiftung will erstmals außerhalb der Großstadt bauen. Für ein inklusives Projekt ist Liederbach auserkoren.

Liederbach - Zwei Gebäude in moderner Bauweise, verbunden durch ein Glaselement, das den Blick von der Straße auf den Siesmayer-Park wieder freigibt: Es ist ein architektonisch besonderes Projekt, das auf dem Anwesen Alt-Oberliederbach 10 entstehen soll. Und das Konzept des inklusiven Wohnens von Menschen mit und ohne Behinderung gibt es laut Bürgermeisterin Eva Söllner (CDU) so im Main-Taunus-Kreis noch nicht. Nun hat sich der Bauausschuss zu diesem einzigen Tagesordnungspunkt seiner Sitzung sehr positiv geäußert. Einstimmig gab er dem Parlament die Empfehlung ab, den Bebauungsplan so zu ändern, dass dieses Bauprojekt umgesetzt werden kann. Bis zur Parlamentssitzung am 27. Juni sollen noch offene Fragen beantwortet werden. Im Zweifel könne sich die Politik etwas Bedenkzeit bis nach den Sommerferien nehmen, hieß es.

Die Gemeinde hat eigentlich nur beim Bebauungsplan ihre Einflussmöglichkeit, denn das Gebäude gehört dem Main-Taunus-Kreis. Bis zu einem Brand vor gut zweieinhalb Jahren waren dort Flüchtlinge untergebracht, lange stritt sich der Kreis danach mit der Versicherung, das Haus steht seitdem leer. Nun sollten im Hochbau wieder Geflüchtete einziehen und im Flachbau nach einer Sanierung kleine Appartements für anerkannte Flüchtlinge entstehen. Bis die Anfrage der Cronstetten-Stiftung kam, das Haus abreißen und etwas Neues bauen zu wollen. Die Gemeinde müsste den Bebauungsplan mit dem eigentümlichen Titel "Park Oberliederbach" ohnehin ändern - von einem Sondergebiet mit der Zweckbindung "Ausbildungszentrum" (ein Relikt vom früheren Hoechst-Jugendwohnheim dort) zu einem Wohngebiet.

"Leuchtturmprojekt"

Die Rede im Ausschuss war von einem "Leuchtturmprojekt", von einem "Prestigeprojekt", von einem "Gewinn für die Gemeinde". Bauherr für das "Wohnen am Park" soll die Cronstett- und Hynspergische evangelische Stiftung sein. Sie gehört in Frankfurt zu den größeren wohltätigen Stiftungen und ist dort seit gut 250 Jahren tätig. Laut einer ersten architektonischen Konzeptstudie plant sie einen Komplex mit rund 55 Wohnungen zwischen 50 und 100 Quadratmetern. Etwa ein Drittel soll Menschen mit Behinderung ein passendes Umfeld bieten. Gedacht ist in erster Linie an junge Erwachsene, die ein Netzwerk vorfinden sollen. Es soll rund um die Uhr einen Concierge-Service, zudem eine Hausrufbereitschaft, Hilfen bei Technik und Hauswirtschaft sowie zum Teil öffentliche Gemeinschaftsräume für Veranstaltungen und Kurse geben. Gedacht ist an Car-Sharing und einen Bereich für gemeinsam nutzbare Arbeitsplätze ("Shared Workspace"). Auch ein Pflegedienst soll ein Domizil bekommen, der von allen Liederbachern genutzt werden könnte. Die Wohnungen werden vermietet. Sozialwohnungen sind laut Söllner vorerst nicht vorgesehen.

Obwohl das Konzept alle überzeugt, wollte es der Ausschuss nicht ohne Fragen durchwinken. Diskutiert wurde etwa darüber, ob die Stellplatzsatzung in jedem Fall eingehalten werden müsse. Über eine Tiefgarage sollen die Parkflächen für Bewohner und Besucher geschaffen werden. Car-Sharing-Plätze sollten möglichst oben am Haus öffentlich zugänglich sein, regte Andreas Müller (Grüne) an. Er verwies zudem auf einen Weg rechts am Gebäude, der im B-Plan vom Park in Richtung Kirche führe und geöffnet werden sollte. Und er erklärte, dass auf Hochwasserschutz genau geachtet werden müsse.

Ganz wichtig ist es dem Ausschuss, bei der Höhe des Gebäudes Vorgaben zu machen. Das bisherige Baufenster soll eingehalten werden. Der derzeitige Wohnturm links sei "nicht schön" hieß es immer wieder. So hoch hinaus soll das neue Haus nicht gehen. In den Konzepten sind bis zu fünf Etagen plus Staffelgeschoss erwähnt. Doch das seien erste Projektskizzen, betonten Söllner und Bauamtsleiter Oliver Bauch. Er regte an, die Sache über eine im B-Plan festgelegte Traufhöhe zu regeln; dem Vorschlag konnten alle folgen. Klar ist für die Mehrheit auch, dass die Stiftung die Stellplätze beim Bauantrag ja ohnehin nachweisen müsse, hier also kein expliziter Hinweis notwendig sei.

"Keine Ketten anlegen"

Unter dem Strich machten die Fraktionen deutlich, dass sie das Projekt begrüßen. "Wir wollen keine Ketten anlegen", so Ausschuss-Chef Julio Martinez de Una (SPD). Er wolle aber, "dass es auf keinen Fall klobiger wird als bisher". Die Bürgermeisterin ist überzeugt, dass der Bau den Park dahinter aufwerte und sicher nicht deutlich mehr Verkehr zu erwarten sei. Letztlich wollen die Partner das Projekt zügig realisieren. Wenn die Gemeinde also grünes Licht für den B-Plan gibt, liegt es an Kreis und Stiftung, sich zeitnah zu einigen.

Der Ursprung geht auf Justina Catharina Steffan von Cronstetten zurück. Sie vermachte 1753 ihr Vermögen der von ihr gegründeten Stiftung. Heute gibt es viele Projekte: mobiler Hilfs- und Pflegedienst, mobile Kinderkrankenpflege, ein Altenpflegeheim und aktuell das Cronstetten-Haus mit Wohnen für Senioren. wein

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