+
Der Lorsbacher Kiosk ist ein Treffpunkt für manchen Lorsbacher. Und vor allem neben der Bäckerei der einzige Laden, in dem es noch Lebensmittel gibt. Doch weil Besitzer Cemal Demir (rechts) die Postagentur gekündigt hat, sorgt sich der Ortsbeirat um die Zukunft des Geschäfts.

In Sachen Post sind nur Notlösungen in Sicht – Stadt kündigt Variante bei Lebensmittelladen an

  • schließen

In Lorsbach gibt es immer noch keine Lösung für die Post. Aber Gerüchte. Der Ortsbeirat sorgt sich und diskutiert die Alternativen.

Ortsvorsteher Dieter Kugelmann (CDU) hat nicht nur die Post im Blick. „Wenn der Kiosk zumacht, dann ist auch die Apotheke weg“, sagt er und appelliert an die Lorsbacher, fortan bei dem Kiosk den einen oder anderen Einkauf mehr zu tätigen. Denn diese Anlaufstelle ist, von einer Bäckerei abgesehen, die einzige Möglichkeit, im Ort noch Lebensmittel zu kaufen. Da der Betreiber den Vertrag mit der Post gekündigt hat, fällt ein Teil seines Umsatzes aus. Von weiter gehenden Konsequenzen war bislang allerdings nicht die Rede.

Noch mal verhandeln

Für die Kündigung hat auch der Ortsbeirat Verständnis, denn der Vertrag erlaubt es dem Kioskbesitzer nicht, zum Zwecke eines Urlaubs zu schließen. Deshalb hat das Gremium auch beschlossen, dass die Stadt erneut mit der Post verhandeln soll. Sowohl Carsten Zeitz (CDU) als auch Bernd Hausmann (Linke) haben von anderen Partnerfilialen gehört, in denen eine Urlaubsschließung durchaus möglich sei.

Freilich ist das ungewiss, nicht nur, weil konkrete Beispiele nicht genannt werden können. Post-Pressesprecher Heinz-Jürgen Thomeczek wiederholte dem Kreisblatt gegenüber, dass die Post verpflichtet sei, tägliche Öffnungszeiten zu garantieren, und daher solche Urlaubsregelungen in den Verträgen nicht zulassen könne. So ganz festlegen will er sich aber auch nicht – dass unter den 18 000 Partnerfilialen welche sind, für die früher Sonderregelungen vereinbart wurden, das könne er nicht ausschließen.

Explizit widersprach der Sprecher aber der Befürchtung der Linken, es sei als Dauerlösung gedacht, dass die Lorsbacher sich Pakete und Einschreiben in der Partnerfiliale an der Hofheimer Ubierstraße abholen müssen. Die Post suche weiter einen neuen Partner in Lorsbach. Und noch im Februar, spätestens Anfang März werde es in Lorsbach eine Notlösung für eine Übergangszeit geben, notfalls in Form eines Containers. Ein Standort könne noch nicht mitgeteilt werden, aber es stehe fest, dass es stark reduzierte, aber tägliche Öffnungszeiten geben werde, berichtete Thomeczek.

Umstrittener Ausweichort

Dass die Lorsbacher so lange ihre Pakete an der Ubierstraße abholen müssen, wird in Lorsbach unterschiedlich beurteilt. Die Linken würden die Post an der Wilhelmstraße bevorzugen – etwa, weil sie besser zu erreichen sei. Dagegen argumentierte Monika Altenhofen vom Seniorenbeirat, an der Ubierstraße gebe es mehr Parkplätze, und kostenlos seien sie auch. Post-Sprecher Thomeczek begründete die Entscheidung für den Ausweichort damit, dass dort mehr Platz für Pakete sei. Von einer Schließung der Filiale an der Wilhelmstraße könne entgegen anderslautender Gerüchte keine Rede sein. Zwar ist die Postbank Betreiber dieser Filiale, die Deutsche Post lediglich Mieter. Aber auch die Postbank teilte auf Anfrage mit, dass es keine Überlegungen gebe, an der Wilhelmstraße irgendwelche Änderungen vorzunehmen.

Die Post ist bekanntlich nicht nur das einzige Versorgungsproblem in Lorsbach, es gibt auch kein vollwertiges Lebensmittelgeschäft mehr. Bürgermeisterin Gisela Stang (SPD) hatte unlängst angekündigt, dass die Stadt an einer Lösung arbeite, mehr könne dazu aber noch nicht gesagt werden. Es gehe um einen kleinen Laden an anderer Stelle im Ort, so Stang.

Fläche am Bahnhof raus

Aufgegeben hat die Stadt dagegen die Bemühungen, einen neuen Pächter für das Gebäude des früheren „Nahkauf“-Marktes zu finden. Nicht nur haben angesprochene Lebensmittelketten abgewunken, sondern auch die Kommunikation mit dem Eigentümer des Gebäudes sei schwierig, sagte Stang. Als wenig aussichtsreich schätzt der Magistrat dessen Bemühungen ein, einen neuen Pächter zu finden.

Tatsächlich wird das Gebäude am Bahnübergang auf einem Immobilienportal im Internet angeboten. Dass kein Bild gezeigt wird, überrascht nicht, die Spuren des Brandes vor der Schließung sind unübersehbar. Kryptisch ist auch der Hinweis „nach Vereinbarung“ zum Zustand des Objektes – man muss sich also noch über Sanierungs- oder Renovierungsarbeiten verständigen. Ganz klar formuliert sind dagegen die Mietforderungen – für 800 Quadratmeter Nutzfläche, davon 458 Quadratmeter Verkaufsfläche, werden 3 000 Euro monatlich verlangt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare