Anonyme Anzeigen

Mächtig Ärger um den Sindlinger Betrieb "Glückwiese"

Anonyme Anzeigen beeinträchtigen den Betrieb auf der Sindlinger „Glückswiese“. Inhaberin Isabell Müller-Germann setzt sich gegen die Angriffe zur Wehr.

„Pünktchen“ geht es wieder gut. Der Schimmel war im Mai 2016 angefahren worden, nachdem Unbekannte ihn und weitere Pferde eines Nachts von der Koppel der „Glückswiese“ auf die Straße getrieben hatten (wir berichteten). Der Fall war der Höhepunkt einer Reihe von Zwischenfällen, die der Gründerin und Inhaberin des Gnadenhofs für Tiere am Sindlinger Ortsrand, Isabell Müller-Germann, damals das Leben schwermachten. Zwei Autos wurden beschädigt, die Polizei versuchte mit großem Einsatz, die Pferde davon abzuhalten, auf die nahe B 40 zu laufen. „Pünktchen“ kam in eine Tierklinik. Ein Schuldiger wurde nie ermittelt. „Ich bin auf den ganzen Kosten in fünfstelliger Höhe sitzen geblieben. Vor kurzem habe ich erst den Hubschraubereinsatz bezahlt“, sagt Isabell Müller-Germann.

Doch sie gab nicht auf, denn die „Glückswiese“ ist ihr Herzenssache. „Hier dürfen Tiere einfach sein“, sagt sie. Gänse, Schweine, Ziegen, Kühe, Pferde und Ponys verbringen dort ihren Lebensabend. Finanziert wird der Betrieb durch Angebote wie „Pferdezeit“, „Bauernhof als Klassenzimmer“ oder geführte Ausritte. Viele Menschen kommen dafür regelmäßig aus der Großstadt Frankfurt und aus der Umgebung. „Wir haben über 1000 ,Likes‘ auf Facebook und nur positive Bewertungen“, sagt Isabell Müller-Germann. In den Monaten nach der Schreckensnacht erfuhr sie entsprechend viel Sympathie: Bei Sommerfesten wurden Spenden gesammelt. Danach gab es auch keine Versuche mehr, dem Betrieb zu schaden.

Doch nun sieht sich die Biologin und Betreiberin der „Glückswiese“ erneut Angriffen ausgesetzt. „Seit zwei, drei Monaten erhalte ich ständig anonyme Anzeigen. Dauernd stehen hier Ämter auf der Matte“, sagt sie. Vor allem die Vorwürfe, die erhoben werden, verletzen sie: „Die Tiere würden erbärmlich gehalten, misshandelt, müssten stundenlang arbeiten, seien unterernährt, krank, ihre Hufe würden nicht gepflegt“, zitiert sie. Richtig sei, dass acht Pferde, die sie in den vergangenen zwei Monaten von Schlachtern freigekauft habe, an Rotznasen litten. Das sei nicht die behauptete schlimme Krankheit. Die Tiere stünden in Quarantäne, würden mit Antibiotika behandelt und seien schon auf dem Weg der Besserung. Der Tierarzt sei regelmäßig zu Besuch, ebenso die Hufpflegerin. Von „stundenlanger Arbeit“ könne auch keine Rede sein. Gesundheitsamt und Veterinäramt jedenfalls hätten keine Beanstandungen gehabt, keine Auflagen erlassen, sagt die Betreiberin.

Doch damit war es nicht getan. Nun hieß es, auf der Glückswiese werde das Kindeswohl gefährdet. Das Jugendamt schaltete sich sowie den Dachverband „Deutsche Reiterliche Vereinigung“ ein. „In der anonymen Anzeige wurde behauptet, dass dreijährige Kinder schlafend unter Pferden liegen würden und dass es keinen Verbandskasten gäbe, obwohl hier drei herumstehen“, ärgert sie sich über die unhaltbaren Vorwürfe. Zwischenzeitlich seien auch Jugendamt und Dachverband auf dem Gelände gewesen, hätten sich umgesehen und alles für gut befunden.

Aber es geht immer weiter. Nicht einmal, sondern mehrmals im Jahr erfolgen Betriebsprüfungen. „Die kosten viel Zeit und Nerven“, sagt Isabell Müller-Germann. „Das Kurioseste war ein Schreiben vom Gewerbeamt, weil es keinen Briefkasten am Gelände gibt.“ Sie hat die ständigen Anwürfe satt. „Immer, wenn man denkt, so, das ist überstanden, kommt etwas Neues“, ärgert sie sich. Deshalb hat sie nun einen Anwalt eingeschaltet, Verleumdungsklage erhoben und Akteneinsicht beantragt. Sie will wissen, wer ihr das Leben schwermacht. Vor allem aber wünscht sie sich eines: „Dass das endlich aufhört.“

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