Ein Selfie mit dem alten und neuen CDU-Bundestagsabgeordneten: Bad Sodens Bürgermeister Frank Blasch (rechts) fotografiert sich mit Norbert Altenkamp
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Ein Selfie mit dem alten und neuen CDU-Bundestagsabgeordneten: Bad Sodens Bürgermeister Frank Blasch (rechts) fotografiert sich mit Norbert Altenkamp

Bundestagswahl

Main-Taunus: Altenkamp verteidigt das Direktmandat

  • Andreas Schick
    VonAndreas Schick
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Der Bad Sodener CDU-Abgeordnete erleidet aber starke Stimmverluste und erhält Zuspruch von einem Grünen.

Main-Taunus. Noch steht ihm die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Gut eineinhalb Stunden nach Schließung der Wahllokale sitzt Norbert Altenkamp (CDU) mit hochrotem Kopf in der Pressekonferenz und kommentiert im Hofheimer Kreishaus den Ausgang der gestrigen Bundestagswahl. Als die Zeitungsleute das Feld räumen, schnappt sich der CDU-Fraktionschef im MTK-Kreistag, Frank Blasch, seinen Parteikollegen und umarmt ihn innig. Die Geste tut Altenkamp gut: Er lacht, die Verkrampfung löst sich. Geschafft! Der 49 Jahre alte Bundestagsabgeordnete aus Bad Soden hat das Direktmandat im Wahlkreis 181 (Main-Taunus plus Steinbach, Kronberg, Königstein) verteidigt.

Das ist ein Routineerfolg in dieser stark bürgerlich-konservativ geprägten Gegend. Alles andere als Platz 1 in der Riege der acht Bewerber wäre eine Sensation gewesen. Aber Altenkamp büßte an Zuspruch ein. Bei seinem Premierensieg 2017 vereinigte der Christdemokrat 41,9 Prozent der Erststimmen auf sich. Bei der Titelverteidigung sackte der Diplom-Volkswirt auf 33,3 Prozent ab, ohne dass die Konkurrenz ihm bedrohlich nahe gekommen wäre. Die Zweitplatzierte Ilja-Kristin Seewald (SPD), die schon 2017 kandidierte, legte um einen Punkt auf 22,8 Prozent zu.

"Gewisser Gegenwind aus Berlin"

Das größte Plus erzielte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche (Eschborn), die über Rang 3 der Landesliste abgesichert war. Sie steigerte sich von 9,1 Prozent (2017) auf 16,9 Prozent. Die Spitzenkandidatin der hessischen FDP, Bettina Stark-Watzinger, erreichte 13 Prozent (plus 2,15 Prozentpunkte).

In seiner Analyse haderte Norbert Altenkamp mit "einem gewissen Gegenwind" aus Berlin. Die Union habe "keinen einheitlichen Eindruck" hinterlassen, beklagte der CDU-Kreisvorsitzende Axel Wintermeyer. Es sei nicht seine Sache, sich einen schlanken Fuß zu machen, ergänzte Altenkamp und räumte ein, ihm habe im Wahlkampf eine Liturgie gefehlt. Coronabedingt seien viele jener Veranstaltungen ausgefallen, bei denen "wir unsere Klientel" finden, etwa Vereins- und Feuerwehrfeste.

Kordula Schulz-Asche verbesserte ihr Erststimmen-Resultat deutlich, freute sich aber auch darüber, dass das Bundesergebnis der Grünen "weit über den neun Prozent von 2017" liegt. Die 64-Jährige sagte, sie hätte sich noch "ein bisschen mehr versprochen". Doch als es zu Beginn des Jahres diesen Hype um ihre Partei gegeben habe, sei sie sehr vorsichtig gewesen. Im weiteren Verlauf des Jahres ging den Grünen immer mehr die Puste aus. Kann es sein, dass ihre Sympathisanten teilweise taktisch wählten und zur SPD abwanderten, als sie merkten, dass es für Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und ihre Partei nicht zu Platz 1 reicht? "Das kann gut sein", entgegnete Schulz-Asche. Es sei vorstellbar, dass sie Olaf Scholz (SPD) vor Armin Laschet (CDU) sehen wollen. Die Grünen bekämen nun eine deutlich größere Fraktion, wodurch sich die Aufgaben besser verteilen ließen, erklärte Schulz-Asche. Sie kündigte an, sich "weiter auf die Pflege-Politik" zu konzentrieren.

Wegen der Pandemie fiel die große Sause im Kreishaus am Sonntag aus. Die Parteien schickten lediglich kleinere Delegationen, die sich austauschten und der Presse Rede und Antwort standen. Bettina Stark-Watzinger weilte am Wahlsonntag in Berlin. Am Telefon sagte die FDP-Bundestagsabgeordnete, sie sei zufrieden mit ihrem Wahlkreis-Ergebnis. War die Anspannung für sie geringer, weil ihre Rückkehr als Nummer 1 der FDP-Landesliste außer Frage stand? "Wahlkämpfe sind immer anstrengend", antwortete die 53 Jahre alte Diplom-Volkswirtin und fokussierte sich auf den Bund. Es sei gut, dass die politischen Ränder bei dieser Wahl geschwächt wurden. "Ohne die Freien Demokraten ist keine Koalition möglich", betonte die Abgeordnete. Klar - eine Neuauflage von Schwarz-Rot ist rechnerisch locker möglich, aber dies halte sie für unwahrscheinlich. Politisch ist eine große Koalition nicht gewollt.

Viel deutet darauf hin, dass ein Dreier-Bündnis zustande kommt. Vielleicht eine Jamaika-Koalition, wie sie zwischen CDU, Grünen und FDP im Main-Taunus-Kreis besteht? "Man kann uns gerne fragen, wie das klappt", sagte Frank Blasch. Bettina Stark-Watzinger meinte: "Die Grünen werden nun zeigen müssen, ob sie eine bürgerliche Partei sein wollen." Realistische Optionen seien Jamaika oder eine Ampel mit SPD, Grünen und FDP, sagte SPD-Unterbezirkschef Michael Antenbrink. Er war "Fan der sozialliberalen Koalition", die es einst auf Bundesebene gab. Eine Ampel würde ein solches Bündnis "in Ansätzen möglich" machen. Antenbrink: "Ich hätte kein Problem damit." Es wären halt auch selbstbewusste Grüne an Bord.

Ilja-Kristin Seewald (SPD) schafft es nicht

Eine Zitterpartie wurde der Abend für die Sozialdemokratin Ilja-Kristin Seewald. Noch gegen 22 Uhr war unklar, ob ihr zwölfter Platz auf der SPD-Landesliste dazu reicht, ein Mandat zu ergattern. "Ich muss abwarten", sagte sie. Am Ende aber stand fest: Seewald zieht nicht in den neuen Bundestag ein.

Norbert Altenkamp blickt derweil mit gemischten Gefühlen auf die mageren Wahlkreisergebnisse. Die CDU verbuchte überall herbe Verluste, ist aber nach wie vor stärkste Kraft. Altenkamp selbst holte mit fast 11 Punkten Vorsprung vor Seewald das Direktmandat. Kelkheims grüner Bürgermeister Albrecht Kündiger rief dem Wahlkreis-Besten zu: "Das war ein überzeugender Sieg. Lassen Sie sich das nicht schlecht reden."

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