Ilja-Kristin Seewald im Königsteiner Kurpark. Auf er Veranda der Villa Borgnis hat sie unsere Reporterin getroffen. In Königstein lebt die Sozialdemokratin seit 2007.
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Ilja-Kristin Seewald im Königsteiner Kurpark. Auf er Veranda der Villa Borgnis hat sie unsere Reporterin getroffen. In Königstein lebt die Sozialdemokratin seit 2007.

Bundestagswahl

Main-Taunus: Auf Politik hat sie schon lange Lust

  • VonBarbara Schmidt
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Drei Frauen und fünf Männer bewerben sich um das Direktmandat im Wahlkreis 181, zu dem neben dem Main-Taunus-Kreis noch die Hochtaunus-Kommunen Königstein, Kronberg und Steinbach zählen. Das Kreisblatt stellt sie vor. Heute die Kandidatin der SPD, Dr. Ilja-Kristin Seewald.

Main-Taunus. -Dr. Ilja-Kristin Seewald würde eigentlich gern mal den Film sehen, der ihre Eltern zu ihrem ungewöhnlichen ersten Vornamen inspiriert hat. "Ilja hieß die Hauptdarstellerin", weiß Seewald und obendrein habe auch eine Freundin ihrer Mutter so geheißen. Auf dem Standesamt in Celle, Seewalds Geburtsort, hat der Vorname allerdings zu einem Missverständnis geführt, von dem die Direktkandidatin der SPD im Bundestagswahlkreis 181 heute mit Schmunzeln erzählen kann. Denn nach der Nennung des Vornamens wurde der Vater gar nicht mehr nach dem Geschlecht des Kindes gefragt, der Standesbeamte kreuzte direkt "männlich" an. Entdeckt hat Ilja-Kristin Seewald das erst, als die Urkunde von der Uni in Paris benötigt wurde - und sich dann nicht nur um die Korrektur bemüht, sondern auch um eine eindeutige Ergänzung. "Für 300 Mark", wie sie sich noch gut erinnert, ist sie zu ihrem Doppelnamen gekommen.

Immerhin: Der ungewöhnliche Vorname macht unverwechselbar und taugt zum Markenzeichen, wie die Fachfrau für Kommunikation, die ihn trägt, sicher wissen dürfte. In Marburg hat die Sozialdemokratin ihr Studium in Politikwissenschaften und Jura begonnen, denn auf ihre Frage: "Wie komme ich in den Journalismus?", habe es bei der Hannoverschen Neuen Presse, wo sie nach dem Abitur ein Jahrespraktikum absolvierte, geheißen: "Studier, wozu du Lust hast."

Auf Politik hatte sie schon damals Lust. Seit 30 Jahren ist die 52-Jährige in der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, deren Stipendiatin sie war, vor 25 Jahren trat sie der SPD bei, weil "Gerechtigkeit mich doch umtreibt" und ihr wichtig sei, "mich einzubringen." Doch beruflich war es die Wirtschaft, in der sie nach zwei Studienabschlüssen in Paris und Hamburg und der Promotion in Frankfurt landete. Bei der Allianz in München hat Seewald in der Öffentlichkeitsarbeit angeheuert, nach zehn Jahren dort lockte die DZ-Bank sie mit dem Angebot, die Kommunikationsabteilung in Frankfurt aufbauen zu können.

Familiäre Bande sorgten dafür, dass das Ehepaar Seewald 2007 nach Königstein zog - auch wenn beide seit einigen Jahren immer mal wieder einen Zug nach Paris besteigen, wo er ganz und sie zum Teil einen Arbeitsplatz hat. Dass Pendeln zu ihrem Leben gehöre, seien sie gewohnt, sagt Ilja-Kristin Seewald. Und sie hätte dabei gern bald ein weiteres Ziel: Das Reichstags-Gebäude in Berlin.

Das Abgeordneten-Mandat blieb 2017, als sie mit einem engagierten Wahlkampf auffiel und beachtliche 21,8 Prozent im "schwarzen" Wahlkreis 181 holte, Wunsch. Diesmal könnte es aufgrund eines deutlich besseren Listenplatzes damit klappen. "Das wird noch spannend genug", weiß Seewald, die in Paris an einer privaten Hochschule Dozentin ist und zudem selbstständig als Kommunikationsberaterin arbeitet. "Wie hart es ist für Selbstständige" wisse sie gut, sagt Seewald. Corona war nicht nur für ihren ständigen Begleiter, Irish-Terrier Thimmy, eine harte Zeit, weil er die Kontakte vermisste, die er so mag. Die Solo-Selbstständigen habe die Politik in der Krise schlicht vergessen, meint die Königsteinerin, die auch Stadtverordnete und Ortsvereinschefin ist und sich die Villa Borgnis im Königsteiner Kurpark als Treffpunkt ausgesucht hat. Dass in der Politik manches anders und langsamer voran geht als in der Wirtschaft, hat sie in der Kommunalpolitik längst gelernt. Und ist überzeugt, dass die "gewaltigen" Herausforderungen, mit denen es das Bundesparlament in der neuen Wahlperiode zu tun haben wird, nur im Zusammenspiel mit den Kommunen zu meistern sein werden.

Das wichtigste Projekt ist dabei in ihren Augen der "Green deal", den die Europäische Kommission als Ziel formuliert hat. Bis 2050 soll der Ausstoß von Kohlendioxid in der EU auf Null gefahren werden. "Der erste klimaneutrale Kontinent zu werden - das geht nicht ohne Einbeziehung der Wirtschaft", sagt Seewald, die sich selbst als Pragmatikerin sieht und genau diese Eigenschaft auch an Olaf Scholz, dem Kanzlerkandidaten ihrer Partei, schätzt. "Er macht das, was er macht, auch wirklich gut", meint Seewald.

Sie selbst würde sich besonders gern in Sachen Europa einbringen im Bundestag, so sie denn den Sprung schaffen sollte. Zudem läge ihr daran, das Leben "da, wo's geht, weniger bürokratisch" zu gestalten.

Für den Wahlkreis, ist sie überzeugt, lasse sich in Berlin "sehr, sehr viel" tun, allein schon mit Blick auf die vielen Förderprogramme, von denen sie erwartet, dass es im Kampf gegen die Klimaveränderungen noch deutlich mehr werden. Besonders achten würde eine Abgeordnete Seewald darauf, "dass es bei den Kommunen vor Ort ankommt, dieses Zusammenspiel auch wirklich genutzt wird". Gerade in Sachen Infrastruktur und sozialer Nachhaltigkeit sieht sie da Nachholbedarf. Dazu zählt sie unter anderem die Frage, wie auf dem Wohnungsmarkt auch die zum Zuge kommen können, die über keine großen Einkommen und Vermögen verfügen. "Sich Wohnraum leisten zu können, dort, wo man arbeitet", das gehört für die Sozialdemokratin zu einem guten Leben.

Was ihr eine Sünde wert wäre, diese Frage führt bei der ansonsten um keine Antwort verlegene Direktkandidatin - wie bei ihren Mitbewerbern auch - zu kurzer Stille. Doch, sagt sie dann, wenn der nächste Bretagne-Krimi von Jean-Luc Bannalec erscheine, dann werde sie ihn "sofort lesen" und sich dafür auch eine Nacht um die Ohren schlagen. Spannend mag es Ilja-Kristin Seewald offenbar. Und kommt es am 26. September zu einem Wahl-Krimi, dürfte sie auch dafür wohl ihren Schlaf opfern.

Extra: So will Ilja-Kristin Seewald Wahlkampf machen

Ilja-Kristin Seewald wird in Wochen vor der Bundestagswahl immer einen treuen Begleiter haben. "Mein Wahlkämpfer", deutet sie mit Schmunzeln auf ihren Hund "Thimmy". Dass so ein Tier hilft, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, diese Erfahrung hat nicht nur Sozialdemokratin Seewald schon häufiger gemacht. An den Info-Ständen der SPD will sie Präsenz zeigen, aber auch digital ansprechbar sein. "Ich werde versuchen, die Fragen, die mir gestellt werden, auch zu beantworten", verspricht Seewald. Den eigenen Youtube-Kanal nutzt sie zudem, um sich auch per Video mitzuteilen. Alle Termine mit der Kandidatin finden sich auf der Webseite www.iljaseewald.de. Darunter ist zum Beispiel ein Waldspaziergang mit dem Revierförster am Samstag, 28. August. Treffpunkt ist um 15 Uhr der Parkplatz am Waldschwimmbad in Kronberg. Am Dienstag. 7. September, will die Kandidatin nach der Vorführung des Films "Wer wir waren" im Sodener Kino (Start 19.30 Uhr) mit den Zuschauern ins Gespräch kommen. babs

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