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Das Logo der Commerzbank-Filiale wird in den kommenden Jahren wohl vielerorts verschwinden. Foto: Frank Rumpenhorst /dpa

Wirtschaft

Main-Taunus: Commerzbank will bundesweit 200 ihrer 1000 Filialen schließen

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Die Corona-Krise beschleunigt die Digitalisierung. Immer mehr Kunden tätigen ihre Bankgeschäfte online.

Main-Taunus -Schon der in der vergangenen Woche bekannt gegebene Anstieg der Arbeitslosenquote im Kreis von 3,4 auf 3,9 Prozent bestätigte die Vermutung, dass auch im Main-Taunus-Kreis viele Firmen unter der Corona-Krise leiden. Dies wird auch untermauert durch Auskünfte der Commerzbank. Demnach fragen zurzeit viele Firmen nach Unterstützungskrediten nach.

Auch viele Konsumenten wollen die Möglichkeit nutzen, bei Ratenkrediten drei Monate eine Zahlungspause einlegen zu können. Die Commerzbank gewährt diese Möglichkeit, wenn die Kreditnehmer in Kurzarbeit gegangen sind. Demgegenüber haben bisher nur wenige das Angebot beantragt, bei Baufinanzierungen die Tilgung für drei Monate auszusetzen.

Vor allem die vielen Anfragen von Unternehmen haben den Mitarbeitern der Commerzbank viel Arbeit eingebracht. "Wir sprechen nicht von Kurzarbeit, wir könnten eher zusätzliche Mitarbeiter gebrauchen", sagt Anja Dittmar, die neuerdings das Geschäft mit Privat- und Firmenkunden in der Niederlassung Bad Homburg leitet, zu der auch die sechs Filialen im Main-Taunus-Kreis gehören. In ihrem Gebiet, das 19 Filialen umfasst, gab es bislang mehr als 320 Kreditanfragen im Gesamtumfang von 37 Millionen Euro.

Corona-Infektionen im eigenen Personal kämen deshalb mehr als ungelegen. Aus diesem Grund, aber auch zum Schutz der Kunden, sind auch fünf der sechs Filialen im Kreisgebiet geschlossen; nur in Bad Soden werden die Kunden im direkten persönlichen Kontakt betreut. Die Filiale bleibt offen, weil dort die höchste Kundenfrequenz ist. Woche für Woche würden die geltenden Regelungen überprüft, sagt Dittmar. Bei der Öffnung anderer Zweigstellen werde man sehr behutsam vorgehen, kündigt sie an. Vorbereitungen zu den Sicherheitsmaßnahmen in den einzelnen Filialen werden bereits getroffen.

Mit vielen Kunden sind die Mitarbeiter zurzeit telefonisch in Kontakt. Firmen, bei denen die Lage wegen Corona kritisch sein könnten, ruft die Bank auch von sich aus an. Es gehe darum, die Expertise der Bank zur Verfügung zu stellen und alle Möglichkeiten auszuschöpfen, damit die Firmen durch die Krise kommen, sagt Birgit Wolf. Marktbereichsleiterin Privatkunden bei der Commerzbank Hofheim. Auch bei der Commerzbank stellt man fest, dass die Krise manchen Entwicklungen, die ohnehin stattfinden, zusätzlichen Schub verleiht. "Corona beschleunigt die Digitalisierung", sagt Anja Dittmar. Im Main-Taunus-Kreis erledigen 62 Prozent der Commerzbank-Kunden ihre Bankgeschäfte per Internet, der überwiegende Teil davon mit dem Smartphone. "das wird weiter rasant steigen", sagt Dittmar.

Verabschiedet sich die Commerzbank daher vom Filialgeschäft? In dieser Form wird die Frage mit Nein beantwortet. Die Commerzbank habe in den vergangenen Jahren ein schnelles Wachstum erlebt. Im Main-Taunus-Kreis alleine sei die Zahl der Kunden im Jahre 2019 um 1773 auf 44 882 angestiegen. Dieser Wachstumskurs soll fortgesetzt werden, und dazu braucht man nach Dittmars Überzeugung sowohl die Filialen als auch das Online-Geschäft.

Aber die Gesamtstrategie der Commerzbank sehe schon vor, die Zahl der Filialen von 1000 auf etwa 800 zu verringern. Zurzeit würden die Details geprüft. Dittmar lässt jedoch durchblicken, dass Schließungen eher das dichte Filialnetz in Großstädten betreffen werden. Die Bank habe ja in Filialen im Main-Taunus-Kreis investiert. Aber eine Bestandsgarantie für alle sechs Standorte ist das wiederum nicht. Manfred Becht

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