Bettina Stark-Watzinger unterwegs in Bad Soden, wo ihr politischer Aufstieg als Stadtverbandsvorsitzende der FDP begann. Es gilt als nahezu sicher, dass die 53-Jährige wieder in den Bundestag einziehen wird.
+
Bettina Stark-Watzinger unterwegs in Bad Soden, wo ihr politischer Aufstieg als Stadtverbandsvorsitzende der FDP begann. Es gilt als nahezu sicher, dass die 53-Jährige wieder in den Bundestag einziehen wird.

Bundestagswahl

Main-Taunus: Die Liberale mit der steilen Karriere

  • VonBarbara Schmidt
    schließen

Drei Frauen und fünf Männer bewerben sich um das Direktmandat im Wahlkreis 181, zu dem neben dem Main-Taunus-Kreis noch die Hochtaunus-Kommunen Königstein, Kronberg und Steinbach zählen. Das Kreisblatt stellt sie vor. Heute die Kandidatin der FDP, Bettina Stark-Watzinger.

Main-Taunus. -Sie ist Hessische Landesvorsitzende der FDP und Parlamentarische Geschäftsführerin der Liberalen im Deutschen Bundestag. Daheim ist sie in Bad Soden - wo von Bettina Stark-Watzinger niemand groß Notiz nimmt, während sie in einem Café in der Fußgängerzone mit der Reporterin dieser Zeitung spricht. Sie sei froh, dass es ihr nicht gehe wie Christian Lindner. Sitze sie mal mit ihm irgendwo, spüre man die neugierigen Blicke rundum schon sehr deutlich, sagt die Bundestagsabgeordnete, die auch Mitglied des Bundesvorstands ihrer Partei ist.

Seit ihrer Wahl zur Sodener FDP-Vorsitzenden hat Bettina Stark-Watzinger eine Blitz-Karriere in der Politik hingelegt. 2008 war das schließlich erst. Seit 2017 gehört sie dem Deutschen Bundestag an - und wird das als hessische Spitzenkandidatin der Liberalen, deren Vorsitzende sie seit März dieses Jahres ist, allen Prognosen zufolge ganz sicher auch in der nächsten Legislaturperiode tun. Die Wähler im Wahlkreis 181 haben sie aber auch als Direktkandidatin auf dem Wahlzettel stehen.

Früh hat Bettina Stark-Watzinger begonnen, sich für Politik zu interessieren. "Sehr begeistert" habe sie CDU-Mann Walter Wallmann, auch weil er "zum ersten Mal einen relativ modernen Wahlkampf gemacht hat", erinnert sich die gebürtige Frankfurterin. Die junge Bettina Stark wurde damals sogar Mitglied der Jungen Union. Doch schon im Volkswirtschaftsstudium und erst recht in den zehn Jahren, die sie mit ihrer Familie in England lebte, hat sie gemerkt, dass ihr die "Freiheit als Leitbild" noch näher ist. Sie übersetzt es als "selbstbestimmt und verantwortlich leben, sich selbst in der Welt zurechtfinden und nicht der betreute Bürger sein." Seit 2004 ist Bettina Stark-Watzinger Mitglied der FDP und kam zunächst in Bad Soden und schnell auch im Main-Taunus in Führungsämter. "Wir sind ja eine kleine Partei, da kommt's auf jeden an", sagt sie bescheiden. Dass sie leistungsstark, hochengagiert und zielorientiert ist, fiel aber auch so einflussreichen Liberalen auf wie dem früheren Ersten Kreisbeigeordneten Wolfgang Knoll, der "grauen Eminenz" der FDP. Schon 2009 kandidierte Stark-Watzinger erstmals im Wahlkreis 181 für den Deutschen Bundestag - und schien eine Wahlnacht lang schon Abgeordnete, bevor mit dem amtlichen Endergebnis dann doch klar wurde, dass es für sie mit Listenplatz 9 in Hessen nicht ganz gereicht hatte. 2013 flog die FDP aus dem Parlament. "Da haben wir Aufbauleistung zu stemmen gehabt", erinnert sich die Sodenerin, die 2015 Generalsekretärin ihrer Partei in Hessen wurde. 2017 gelang ihr von Platz drei auf der Landesliste der Sprung in den Bundestag.

Die Finanz- und Haushaltspolitikerin, die bis zu ihrer Wahl zur Parlamentarischen Geschäftsführerin für den Bereich Personal dem Finanzausschuss vorsaß, nennt als wichtigsten politischen Erfolg der zu Ende gehenden Wahlperiode, an dem sie beteiligt war, "dass die Grundsteuer nicht gekommen ist, wie Olaf Scholz sie geplant hatte." Auch in der Innovationsförderung sei es gelungen, Impulse zu setzen, die von der Regierung aufgenommen worden seien.

Wer die Bundesregierung nach dem 26. September stellt, "das entscheiden die Bürgerinnen und Bürger", sagt Stark-Watzinger natürlich, verhehlt aber nicht, dass ihre Partei "mitgestalten will", zumal grundlegende Entscheidungen anstünden. "Die große Herausforderung wird sein, dass wir in Digitalisierung und Klimawandel in unserem Land investieren", meint die 53-Jährige. Wichtigstes Thema für die kommenden vier Jahre ist für sie daher, "dass wir wirtschaftliche Stärke bekommen." Ohne ausreichende Gewinne fehlten auch die nötigen Steuereinnahmen, "darunter leiden dann die sozial Schwachen am Stärksten" und eine starke Wirtschaft könne am ehesten Klimaschutz-Aufgaben bestreiten, denn ihr falle der Löwenanteil daran zu.

Im eigenen Fachgebiet will die verheiratete Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Töchtern, die im Haushaltsausschuss über den Bildungs- und Forschungsetat mitberät, eine Modernisierung der Kultusministerkonferenz, die der eigene Einstimmigkeitsgrundsatz eher lähme. Im Bereich Finanzen will sie mehr für Startups getan sehen, außerdem will Stark-Watzinger Anreize, die den eigenen Vermögensaufbau nicht zuletzt für die Alterssicherung befördern.

All das komme natürlich auch den Menschen im eigenen Wahlkreis zugute, meint die Liberale. Der direkte Austausch mit Parteifreunden in der Kommunalpolitik und viele Bürgeranfragen, die ihr Büro registriert, sind für sie auch eine Art Seismograph. Was im Wahlkreis bewege, nehme sie schon auf und dann mit in die Diskussion, sagt Stark-Watzinger. Trotz des auch zeitlich hohen Engagements in der Politik ist ihr die eigene Familie "sehr, sehr wichtig". Schwach wird sie gern mal bei Ananas-Gummibärchen, die sie auch da mal als Gastgeschenk erhält, wo Parteifreunde um diese Vorliebe wissen. In Ruhe mal ein Glas Wein und ein frisches Essen mit Freunden zu genießen, macht für sie gutes Leben aus, "und dabei nicht auf die Uhr zu gucken", ergänzt sie mit einem Lächeln, bevor der nächste Termin ruft.

Extra: So will Bettina Stark-Watzinger Wahlkampf machen

"80 Prozent der alten Formate gehen schon wieder", hofft Bettina Stark-Watzinger auf einen fast normalen Bundestagswahlkampf. "Wir planen noch ein Highlight draußen, zu dem Christian Lindner in den Wahlkreis kommt", verrät sie. Unternehmens-Besuche stehen im Terminkalender der Liberalen. Außerdem seien auch die gewohnten Info-Stände in den Kommunen wieder möglich. Dabei setzt die Direktkandidatin auf ein "gutes Wahlkampfteam", das sie "hochmotiviert" unterstützen werde. "Den Knopf auf Empfangen stellen", also zuhören, will Stark-Watzinger, die den Begriff "Berufspolitikerin" nicht gern mag. Politik mache sie jedenfalls nicht wegen der Diäten, "da muss schon Herzblut dabei sein", findet die Freidemokratin, die schon lange für mehr Digitalisierung eintritt und selbst auch digital Wähler gewinnen will. "Vieles muss man aber auch einfach mal persönlich rüberbringen, auch innerhalb der Partei", begründet die Sodenerin, warum Präsenz-Termine für sie weiter unverzichtbar sind. babs

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare