Den Treffpunkt mit unserer Reporterin und unserem Fotografen hatte sie sich ausgesucht: Kordula Schulz-Asche im Skulpturenpark Niederhöchstadt. Dort gefällt es ihr einfach gut.
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Den Treffpunkt mit unserer Reporterin und unserem Fotografen hatte sie sich ausgesucht: Kordula Schulz-Asche im Skulpturenpark Niederhöchstadt. Dort gefällt es ihr einfach gut.

Bundestagswahl

Main-Taunus: Eine Grüne der ersten Stunde

  • VonBarbara Schmidt
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Drei Frauen und fünf Männer bewerben sich um das Direktmandat im Wahlkreis 181, zu dem neben dem Main-Taunus-Kreis noch die Hochtaunus-Kommunen Königstein, Kronberg und Steinbach zählen. Das Kreisblatt stellt sie vor. Heute: Die Kandidatin der Grünen, Kordula Schulz-Asche.

Main-Taunus -Der Blick für das Ganze ist Kordula Schulz-Asche wichtig. "Ich sehe nicht nur den Einzelnen, sondern auch den Rahmen", sagt die Bundestagsabegeordnete, die bereits zum dritten Mal als Grünen-Direktkandidatin im Wahlkreis 181 antritt. Die Liste hat sie 2013 und 2017 ins Parlament gebracht und auch diesmal hat die Öko-Partei ihre gesundheitspolitische Sprecherin entsprechend gut abgesichert, so dass sie das Wahlkreis-Mandat nicht gewinnen muss, um ihre Arbeit in Berlin auch in der nächsten Legislaturperiode fortsetzen zu können. "Am liebsten in Regierungsverantwortung", sagt Schulz-Asche offen. Denn sie wolle endlich umgesetzt sehen, wofür sie schon länger kämpft: "Ich will die Pflege in berufsständische Strukturen bringen".

Analog zur Bundesärztekammer soll eine Bundespflegekammer möglich werden und Schulz-Asche freut sich, dass auch die CDU dies in ihr Wahlprogramm aufgenommen hat. Dass eine Institution dann für die ganze Berufsgruppe sprechen kann, davon verspricht sie sich eine deutliche Verbesserung der Verhandlungsposition, etwa wenn es um die Verteilung der Gelder im Gesundheitssystem geht.

Dass Kordula Schulz-Asche weiß, wovon sie spricht, liegt längst nicht allein daran, dass die gebürtige Berlinerin nach dem Abitur eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht hat. "Ich wollte eigentlich Medizin studieren", erläutert die 64-Jährige. Doch schon in der Pflegeausbildung hat sie entdeckt, dass der Bereich Prävention, Aufklärung und Gesundheitsförderung so interessiert, dass sie lieber lernen wollte, wie Menschen mit diesen Themen wirklich erreicht werden können. So hat sie Kommunikationswissenschaften studiert. "Die Entscheidung meines Lebens", sagt die Eschbornerin, die in guter Gesellschaft gern ein Glas Rotwein trinkt.

Für die heutige Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und den Deutschen Entwicklungsdienst war sie im Einsatz, um genau diese Prävention zur Gesundheitsvorsorge in verschiedenen afrikanischen Ländern stark zu machen. Auch ihr Mann arbeitete lange für die GIZ, so ist das Paar, das eine mittlerweile erwachsene Tochter hat, in Eschborn heimisch geworden. Schulz-Asche studierte nach der Rückkehr aus dem Auslandsdienst noch einmal, diesmal "Angewandte Gesundheitswissenschaften". "Ich hatte vor, in diesem Bereich zu arbeiten", erinnert sie sich. Doch dann kam die Landtagswahl 2003, bei der sie "nach meinem Gefühl irgendwo hinten auf der Liste" von Bündnis 90/Die Grünen kandidiert hatte. Das gute Abschneiden ihrer Partei brachte ihr ein Mandat. Keine Frage, dass auch in der völlig neuen Aufgabe Gesundheit ihr Fachgebiet blieb.

Sich politisch zu engagieren, das sei ihr, die "aus einem sehr politisch interessierten Haushalt" in Spandau stamme, schon früh selbstverständlich gewesen, sagt Schulz-Asche. Das habe schon mit dem Schülersprecher-Amt in der Grundschule begonnen. "Eine K-Gruppen-Phase", sagt sie mit leisem Lächeln, habe sie auch mal gehabt, doch der Kommunismus war dann doch nicht ihr Ding. Willy Brandt habe sie fasziniert. So wurde sie zunächst SPD-Mitglied. In der Pflegeausbildung begann sie sich gesundheitspolitisch zu engagieren. Daraus rührte 1978 auch eine neue politische Ausrichtung. "Ich bin Gründungsmitglied der Alternativen Liste Berlin mit Mitgliedsnummer 4", sagt Schulz-Asche mit hörbarem Stolz, eine Grüne der ersten Stunde also - und 1983 wurde sie im Berliner Abgeordnetenhaus sogar die jüngste Fraktionsvorsitzende in der deutschen Parteiengeschichte.

In Hessen war Schulz-Asche nicht nur Landtagsmitglied, sondern von 2005 bis 2013 auch Co-Landesvorsitzende der Grünen. Gesundheitspolitik auf Landesebene zu machen, hat sie aber nicht zufriedengestellt. Entscheidendes passiere im Bund - oder direkt vor Ort, lautet ihre Einschätzung. Daher hat sie gern die Chance ergriffen, 2013 über die Landesliste in den Deutschen Bundestag einzuziehen. Als "sehr problemorientiert und sachlich" kennzeichnet sie ihre Arbeit dort. "Ich bin nicht so die mit den großen schnellen Sprüchen." Die Frau, für die zu einem guten Leben Familie unbedingt dazu gehört, will, dass mehr zu deren Entlastung auch in der Pflege von Angehörigen, egal ob es alte Eltern oder behinderte Kinder sind, getan wird.

Das Angebot an Tagespflege-Plätzen sollte wachsen, findet Schulz-Asche. Geworben hat sie in den zu Ende gehenden Legislatur unter anderem für eine Absicherung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum durch sogenannte Community health nurses, das sind Pflegekräfte, die auch Dinge wie Wundversorgung oder Blutdruck-Messung eigenständig übernehmen dürfen und bei leichten Erkrankungen wie Erkältungen konsultiert werden können. Als Oppositions-Politikerin kann sie für ihr wichtige Neuerungen aber immer nur mit Argumenten werben.

Neben der Klima-Krise sind für Schulz-Asche der demographische Wandel und die Gefahr weiterer vom Tier auf den Menschen übergehenden Virus-Erkrankungen, Zoonosen, die größten Herausforderungen, auf die die Politik in den nächsten Jahren unbedingt reagieren müsse. Für die Grüne ist dabei klar: "Für Sicherheit sorgt nur Veränderung". Eine "zielorientierte Veränderungsbereitschaft" hält sie für unabdingbar.

Extra: So will Kordula Schulz-Asche Wahlkampf machen

Kordula Schulz-Asche will eine Neuerung aus Lockdown-Zeiten auch in ihrem Wahlkampf einsetzen: Digitale Bürgersprechstunden und Videokonferenz-Formate sollen in den kommenden Wochen auf jeden Fall mit dazu beitragen, möglichst viele Wähler zu erreichen. Dass diese "nicht immer so genau wissen, wie sie Bundestagsabgeordnete mit eigenen Anliegen ansprechen können, ist Schulz-Asches Erfahrung. "Da sind wir alle zu hochschwellig", glaubt die Eschbornerin. Außerdem hat sie festgestellt, dass sie so längst nicht nur Menschen aus dem eigenen Wahlkreis erreicht. Die sollen natürlich auch Gelegenheit erhalten, die Direkt-Kandidatin der Grünen unmittelbar zu erleben und befragen zu können. Das geht zum Beispiel bei der Promi-Radtour der Kreis-Grünen am Sonntag, 29. August (Start 12 Uhr am Untertor in Hofheim), die nach Eppstein und Oberjosbach führt. Mit dabei ist übrigens auch Anna Lührmann, Direktkandidatin der Grünen im Rheingau-Taunus-Kreis. Schulz-Asche wird auch an den Info-Ständen im Wahlkreis vorbeischauen. Mehr Infos und Termine gibt's auf den Internetseiten gruene-mtk.de und schulz-asche.de babs

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