Auch auf den Feldern zwischen Hofheim und Kelkheim wurde teilweise schon geerntet - vor allem Raps. Als Nächstes ist der Winterweizen an der Reihe - allerdings soll die Sonne ihn noch etwas trocknen, bevor die Mähdrescher mit ihrem Stoppelschnitt beginnen.
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Auch auf den Feldern zwischen Hofheim und Kelkheim wurde teilweise schon geerntet - vor allem Raps. Als Nächstes ist der Winterweizen an der Reihe - allerdings soll die Sonne ihn noch etwas trocknen, bevor die Mähdrescher mit ihrem Stoppelschnitt beginnen.

Landwirtschaft

Main-Taunus: Es sieht nach einer guten Ernte aus

  • VonManfred Becht
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Wintergerste und Raps sind bereits eingefahren. Die Bauern wünschen sich noch ein bisschen mehr Sonne.

Main-Taunus. Es ist nur einige Jahre her, dass Kreislandwirt Karlheinz Gritsch in einem seiner Eschborner Getreidefelder stand, eine Ähre nahm und auf schwärzliche Stellen zeigte. Es war so nass, dass das Korn auf dem Acker unbrauchbar zu werden drohte. Dann folgten drei Jahre Dürre. Es gab keine Fäulnis und keine anderen Feuchtigkeitsschäden, aber das Getreide wurde vorzeitig reif, konnte gar keine Körner in normaler Größe ausbilden.

Da könnte das Jahr 2021 für die Landwirte zum angenehmen Kontrastprogramm werden. Es gab ausreichend Regen, damit die Pflanzen sich ordentlich entwickeln konnten. Jetzt allerdings ist der Zeitpunkt erreicht, an dem es genug ist - ein Wetterwechsel muss her. Noch ist Gritsch gelassen. "Wir sind früh im Jahr", sagt er; Feuchtigkeitsschäden zeichnen sich noch nicht ab.

Der Weltmarkt diktiert die Preise

Aber noch stehen die Mähdrescher still. Das Getreide ist vom Regen so nass, dass die Maschinen damit nicht zurechtkommen. Vor allem aber wäre die Feuchtigkeit im geernteten Getreide viel zu hoch - es müsste getrocknet werden, und das ist teuer. Vor Donnerstagabend, so Gritsch gestern, werde auf den Äckern nichts passieren. Und das auch nur, so Gritsch, wenn es bis dahin noch ordentlich Sonnenschein gibt.

Mit der bisherigen Ernte ist Gritsch ganz zufrieden. Die Wintergerste ist eingefahren, der Raps ebenso. Je nach Lage konnten 3,5 bis 5 Tonnen Raps pro Hektar geerntet werden. 5 Tonnen, das ist schon ein sehr zufriedenstellender Wert. Zum größten Teil werde der Raps zu Speiseöl verarbeitet. Die Reste, die beim Auspressen entstehen, werden als Tierfutter verwendet. Wie gut die Ernte ist, das hängt für den Landwirt natürlich auch von den Preisen ab, die man erzielen kann. Viel sagen lässt sich dazu derzeit nicht - außer dass die Preise nicht von regionalen Gegebenheiten abhängen, sondern vom Weltmarkt bestimmt werden. "Mit dem, was aktuell gezahlt wird, können wir leben", sagt Gritsch.

Es ist vor allem der Winterweizen, der jetzt möglichst bald geerntet werden sollte. Lässt dies noch länger auf sich warten, spielen sich im Innern der Körner Veränderungen ab, die die Qualität und damit den finanziellen Ertrag beeinträchtigen. Der Weizen wird vor allem zu Speisemehl verarbeitet, genauso wie der Roggen, der allerdings auf eine viel kleinere Nachfrage stößt. Außer in Deutschland und Frankreich werde dieses Getreide kaum genutzt, sagt Gritsch. Aber ob Roggen oder Weizen - bleibt das Getreide zu lange auf dem Halm, ist es ebenfalls nur noch als Futter zu verwenden.

Immer mehr Leute in der Feldgemarkung

Wenn das Getreide geerntet ist, dann richtet sich die Aufmerksamkeit auf Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben. "Der Mais ist in die Höhe geschossen", bestätigt Gritsch, was auch dem Laien beim Gang durch die Felder auffällt. Ein wenig mehr Sonne in den kommenden Wochen wäre nun aber schon ganz nützlich - bei den Zuckerrüben zum Beispiel hängt davon der Zuckergehalt ganz wesentlich ab.

Regenwetter im weiteren Verlauf der Ernte hat auch den Nachteil, dass die schweren Traktoren allerlei Matsch auf den Wirtschaftswegen hinterlassen, sehr zum Ärger der Fußgänger und Radfahrer. Gritsch mahnt allerdings Verständnis an - die Wege würden später zwar wieder glatt gezogen, aber der Landwirt könne auch nicht nach jeder Fahrt mit dem Traktor durch die Felder laufen.

Überhaupt haben er und seine Berufskollegen festgestellt, dass die Zahl der Spaziergänger, Jogger und Radfahrer in der Feldgemarkung zugenommen hat. Und nicht nur das; die Menschen haben auch weniger Verständnis dafür, dass die Wirtschaftswege vor allem für die Landwirtschaft angelegt wurden, dass Verschmutzungen gelegentlich unvermeidlich sind und dass es eben der Radfahrer ist, der ausweichen muss, wenn der Landwirt mit einer überbreiten Maschine unterwegs ist.

"Das wird alles immer schwieriger", so Gritsch. Ihn ärgern auch die Hundehalter, die ihre Vierbeiner bedenkenlos im Getreide herumlaufen lassen. Er hat in seiner Eigenschaft als Kreislandwirt die Bürgermeister im Main-Taunus-Kreis angeschrieben. Aus Sicht der Bauern wird es Zeit, dass das Thema kreisweit besprochen wird.

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