Fahrräder, ob mit oder ohne Elektromotor, sollten sicher abgeschlossen werden, wenn man sie abstellt. Bei E-Bikes sollte der Akku mitgenommen werden, sonst kann er schnell "Beine kriegen" . . .
+
Fahrräder, ob mit oder ohne Elektromotor, sollten sicher abgeschlossen werden, wenn man sie abstellt. Bei E-Bikes sollte der Akku mitgenommen werden, sonst kann er schnell "Beine kriegen" . . .

Kriminalität

Main-Taunus: Fahrrad-Diebe lieben E-Bikes

  • VonBarbara Schmidt
    schließen

Die Zahl der Fälle steigt seit Jahren, und die Aufklärungsquote ist schlecht.

Main-Taunus -Radfahren ist in. Und die Räder werden immer hochwertiger. Das lockt leider auch Diebe, sich an den oft mehrere tausend Euro teuren E-Bike, Pedelecs oder E-Mountain-Bikes zu vergreifen.

Im Mai musste das Kreisblatt mehrfach über Fälle von dreistem Fahrraddiebstahl berichten. Zuletzt waren gleich mehrere Besitzer hochwertiger "Drahtesel" in Marxheim betroffen. Die Täter drangen in Garagen ein oder klauten die Räder im Gesamtwert von rund 20 000 Euro aus Carports. Und auch in Kelkheim wurden am vergangenen Wochenende über Nacht zwei abgeschlossene E-Bikes von einem Fahrradträger auf einem Autodach geklaut. Geschätzter Wert: 7000 Euro.

In Okriftel schlugen Fahrraddiebe im Mai zu. Aus einer Gartenhütte wurde ein Mountainbike im Wert von rund 900 Euro gestohlen, aus einer Garage wurden zwei Pedelecs im Gesamtwert von 6000 Euro entwendet. In Vockenhausen wurde ebenfalls im Mai ein rund 2000 Euro teures Elektrorad aus einer Garage entwendet.

Polizeisprecher Johannes Neumann sagt, dass besonders die gerade so angesagten Räder mit Elektro-Antrieb derzeit bei Dieben hoch im Kurs stehen, sei "flächendeckend in ganz Deutschland der Fall". Sie zu entwenden sei eben "lukrativ". So hatte ein 24-jähriger Darmstädter es 2020 geschafft, Räder im Wert von rund 160 000 Euro zu stehlen, bis ihm die Polizei das Handwerk legte.

Auch der Gesamtverband der Versicherungsbranche spricht von einem "seit Jahren anhaltenden Trend zu immer teureren Fahrrädern, die gestohlen werden." Sichtbar wird das an der steigenden durchschnittlichen Entschädigungssumme, die beim Diebstahl eines versicherten Rades gezahlt wird. Sie kletterte 2020 auf den neuen Höchststand von 730 Euro. Zehn Jahre zuvor lag sie bei 400 Euro.

Dass zumindest in Marxheim sicher mehrere Täter zu Werke gegangen sind und das Diebesgut vermutlich mit einem entsprechend großen Fahrzeug abtransportiert worden ist, liege nahe, meint Neumann. Doch dass die Diebe erwischt werden, ist leider nicht sehr wahrscheinlich, wie der Polizeisprecher mit einem Blick auf die Statistik auch einräumen muss. Von den 438 Fahrraddiebstählen im Jahr 2020 konnten gerade einmal 7,3 Prozent aufgeklärt werden. 2019 lag bei 403 gestohlen gemeldeten Rädern die Aufklärungsquote bei 8,7 Prozent. Spuren hinterließen die Täter zumeist so gut wie keine, sagt Neumann. Helfen könnten am ehesten gute Zeugenbeobachtungen, am besten, wenn sie zu einem Ertappen auf frischer Tat führten.

Im gerade zu Ende gegangenen Mai war immerhin ein Kelkheimer so glücklich, sein gestohlenes Mountainbike zurückzuerhalten. Zu verdanken hatte er es umfangreichen Fahndungsmaßnahmen der Kelkheimer Polizeistation. Das Rad wurde dabei auf dem Parkplatz eines Lebensmittelmarktes in Kelkheim entdeckt.

Es helfe, wenn ein Rad codiert werde oder zumindest die Gestellnummer bekannt sei, sagt Polizeisprecher Neumann. Immer mal wieder macht die Polizei darauf mit Aktionen aufmerksam. Vorbeugend raten die Freunde und Helfer zudem zu einem hochwertigen Fahrradschloss, das zudem immer zusätzlich mit einem festen Gegenstand verbunden werden sollte, wenn das Rad abgestellt wird. Wer sein Fahrrad daheim in die Garage stellt, sollte es zum einen auch dort abschließen, um es Dieben so schwer wie möglich zu machen.

Außerdem, so Neumann, solle nie der Akku am Rad oder direkt in dessen Nähe verbleiben. Besser ist es, Akku und Ladegerät getrennt vom Rad aufzubewahren. Weil sogar auch schon nur Akkus gestohlen werden, sollte selbst dann, wenn das Rad unterwegs abgestellt wird, das mobile Teil am besten mitgenommen werden. Der Wiederbeschaffungswert für den Stromspeicher liegt immerhin auch im hohen dreistelligen Bereich.

Fahrradwirtschaft auf Rekord-Niveau

Morgen ist "Europäischer Tag des Fahrrads". Und kein Verkehrsmittel boomt derzeit mehr als das vor mehr als 200 Jahren von Karl Drais mit seiner Erfindung eines Laufrads auf die Spur gebrachte Fahrrad. Der Klimawandel und daraus resultierend der Wunsch, ein umweltfreundlicheres Fortbewegungsmittel zu nutzen, spielt beim nicht enden wollenden Boom eine Rolle. In der Pandemie lernten viele zudem das Fahrrad als Sportgerät und Fortbewegungsmittel ohne Ansteckungsrisiko schätzen. Die Erfindung des zusätzlichen Elektroantriebs fürs Rad, der ein müheloseres Strampeln selbst in bergigem Gelände ermöglicht, hat auch im Vordertaunus, in dem früher Radfahren eher als etwas für durchtrainierte Sportler galt, viele zu E-Bike-Besitzern werden lassen. Korrekt heißen diese Zweiräder übrigens Pedelec, doch hat sich allgemein die eigentlich für Elektrofahrräder reservierte Bezeichnung E-Bike, Räder, die auch ohne eigenes Strampeln fahren können, durchgesetzt.

Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) hebt hervor, dass E-Bikes längst nicht mehr als Rentner-Räder gelten und nachgewiesen ist, dass sie zu einer stärkeren Nutzung des Fahrrads und zum Fahren auch längerer Strecken anregen. Im vergangenen Jahr wurden 2 Millionen E-Bikes in Deutschland verkauft. Laut Zweirad-Industrie-Verband stieg der Fahrrad-Absatz insgesamt in Deutschland im vergangenen Jahr auf den Rekordwert von 5,04 Millionen und lag damit 16,4 Prozent über dem Wert von 2019. babs

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare