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Gute Laune und volle Konzentration: Thomas Michna (40) ist einer der Mitarbeiter, die im Krifteler Parkbad den Überblick haben und für Ordnung sorgen - und im Notfall Leben retten können.

Müssen Freibäder geschlossen werden?

Beunruhigende Entwicklung: In der Region fehlen Rettungsschwimmer

Sommer, Sonne, volle Freibäder - aber wie sieht's aus mit dem Aufsichtspersonal? Etwa 400 qualifizierte Rettungsschwimmer sollen in Hessen fehlen. Die Schwimmbäder im Main-Taunus-Kreis haben ihren Weg gefunden, damit umzugehen.

Main-Taunus - In den Freibädern im Kreis ist Hochsaison. Damit Tausende von Badegästen ihre Abkühlung finden können, muss am Beckenrand jemand nach dem Rechten schauen. Doch Rettungsschwimmer fehlen in Hessen. Rund 400 von ihnen gebe es zu wenig im Land. Die Zahl nannte die Deutsche Presse Agentur zuletzt.

Dass Freibäder aus Personalmangel geschlossen werden müssten, ist nicht zu befürchten. "Akut ist das Problem nicht", sagt Tobias Guldner. Er kümmert sich in Kriftel um das Parkbad. Er sagt auch: "Fachkräfte zu finden wird schwieriger." Mit Fachkräften meint Guldner Fachangestellte für Bäderbetriebe. Die sind nicht nur Rettungsschwimmer, haben also das Schwimmabzeichen in Silber und sind mindestens 18 Jahre alt.

Die Fachkräfte sind ausgebildet, um etwa die Chlorgas-Anlage bedienen zu dürfen. Eine von zwei Fachkräften ist immer da. Dazu arbeiten 15 Saisonkräfte als Rettungsschwimmer und ehrenamtliche Helfer von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). "Da ist die Zusammenarbeit absolut zuverlässig. Ohne die DLRG ginge es nicht", so Guldner.

Main-Taunus: Rettungsschwimmer vom DLRG bestens ausgebildet

In Kelkheim übernimmt die DLRG am Wochenende den Aufsichtsdienst. "Wir sind sehr froh, dass wir aus dem Kreise der DLRG bestens ausgebildete Rettungsschwimmer als Badeaufsicht beschäftigen können. Sie leisten mit dem Team des Freibades hervorragende Arbeit", so Bürgermeister Albrecht Kündiger. Es gibt fünf ansonsten fest angestellte Mitarbeiter, darunter zwei Schwimmmeister. Zudem verfügt die Stadt über einen Pool von 16 Aushilfen, davon 11 Rettungsschwimmer für Aufsicht. Bei Bedarf werden hieraus weitere Kräfte kurzfristig engagiert.

In Hattersheim sei der Mangel an Rettungsschwimmern zwar spürbar. Sonderlich gestresst klingt Silke Schwemm aber nicht, wenn sie sagt: "Ein paar mehr Aufsichten könnten wir gebrauchen." Wenn der Andrang hoch sei, könne sich das Freibad zusätzliche Schwimmmeister bei einer Vermittlungs-Agentur "buchen". Auch die Krifteler Kollegen nutzen diesen Dienst. Warum sich Rettungsschwimmer rar machen, habe sich Schwemm schon gefragt. Am Geld könne es eigentlich nicht liegen. 

Hattersheim: 12,50 Euro für die Bade-Aufsicht

Die Hattersheimer zahlten ihren Bade-Aufsichten 12,50 Euro in der Stunde. Allerdings sei das ein Nebenjob, und der müsse mit dem Hauptberuf vereinbar sein. Ähnliches vermutet Guldner. Wenn andere im Sommer in den Urlaub fahren, müsse das Freibad-Personal Überstunden leisten, die fest angestellte Mitarbeiter im Winter abfeiern. "Das ist kein Modell für jeden." 

Petra Fink, Schwimmmeisterin in Hattersheim, hat eine eigene Theorie: Die Anforderungen an das Personal seien ziemlich anspruchsvoll. So seien selbst all die Sportstudenten, die es gebe, nicht automatisch für den Job qualifiziert. Die Ausbildung zum Rettungsschwimmer kostet laut Norbert Dietrich, Vorsitzender des DLRG Hofheim, etwa 40 Euro und dauert meist drei bis vier Wochen.

In den Hallenbädern ist die Situation im Sommer eine andere. Auch die Rhein-Main-Therme in Hofheim sucht Personal. "Aber wir haben Nebensaison", sagt Jens Tröger vom Management. "Und wir gehen davon aus, dass wir ein paar Rettungsschwimmer abgreifen können, wenn in den Freibädern wieder weniger los ist." 

(msr)

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