Es geht auch anders: Die private Hofheimer Elisabethenschule hat ihre Klassen mit Luftreinigungsgeräten ausgestattet.
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Es geht auch anders: Die private Hofheimer Elisabethenschule hat ihre Klassen mit Luftreinigungsgeräten ausgestattet.

Schule

Main-Taunus: Keine Luftfilter für alle Klassen

  • VonBarbara Schmidt
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Kreistags-Koalition ist gegen die Anschaffung weiterer Geräte. Petitions-Aktivistin ist entsetzt.

Hofheim -Luftfilter für alle Klassenräume wird es im Main-Taunus-Kreis nicht geben. Das machte Landrat Michael Cyriax (CDU) trotz der entsprechenden Forderung einiger Eltern jetzt noch einmal vor dem Kreistag deutlich. Die Linken hatten einen Eilantrag eingebracht, der forderte, Luftfilter während der Sommerferien in allen Klassenräumen aufzustellen, um uneingeschränkten Präsenzunterricht im kommenden Schuljahr zu gewährleisten.

Das Umweltbundesamt habe seine Einschätzung über die Geräte geändert, führte Beate Ullrich-Graf für die Linke aus. Zudem gebe es zusätzliche Fördermittel des Landes. Die drei Millionen Euro, die der Kreistag zur Verfügung gestellt habe, seien aber auch noch nicht komplett abgerufen. Jetzt gelte es, "alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um Kinder und Jugendliche vor Ansteckung bestmöglich zu schützen." Ihnen und den Eltern könne ein Schuljahr wie das jetzt zu Ende gehende nicht noch einmal zugemutet werden.

Landrat Cyriax betonte, die Zahl der Infektionen im Klassenraum sei bislang "sehr, sehr überschaubar" dank des umsichtigen Handelns der Schulen und ihres Trägers. 200 Luftfiltergeräte hatte der Kreis angeschafft, um auch in Räumen, in denen das als besonders wirksam geltende Lüften nicht gut oder kaum möglich ist, die gefährlichen Aerosole aus der Raumluft zu bekommen. "Sicherheit steht für uns obenan", so der Landrat, und dafür tue auch das Land schon einiges.

Cyriax versprach aber: "Sollten wir weitere Räume identifizieren, wo ein Lüften nicht ausreichend möglich ist, werden wir weitere Geräte aufstellen." Illusorisch sei aber die Forderung, in den Sommerferien alle Klassenräume auszurüsten, und dabei gehe es gar nicht ums dafür nötige Geld. Die Geräte seien einfach so schnell gar nicht am Markt erhältlich. Hinzu komme, dass einige Schulen sie gar nicht wollten, weil sie die Geräuschbelästigung ablehnten.

Eine Sicherheit, dass mit den Lüftern Präsenzunterricht stattfinden könne, gebe es zudem nicht. Auch die zum Teil komplett mit solchen Geräten ausgestatteten Privatschulen hätten diesen im Lockdown nicht aufrechterhalten dürfen. Lüften sei zudem nach wie vor die erste Empfehlung des Umweltbundesamtes, daran habe die bessere Einstufung der Luftfiltergeräte nichts geändert.

Der Antrag wurde gegen die Stimmen von Linken, SPD; FWG und Die Partei abgelehnt.

Entsetzt reagierte die Eppsteinerin Kerstin Lünenbürger, die eine Petition pro Luftreinigungsgeräte in Schulklassen initiiert und eine Liste mit 304 Unterschriften aus dem Main-Taunus-Kreis an Landrat Cyriax überreicht hatte. Obwohl die ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus unterwegs sei, und obwohl die Gelder zur Verfügung stehen würden, wollten die regierenden Parteien von CDU, FDP und Grünen nicht weiter in den Infektionsschutz in den Schulen investieren. Lünenbürger: "Man will anscheinend die Schulen wieder bewusst vor den Wand fahren, und es ist egal, ob die Kinder im Winter frieren müssen oder nicht. Eltern und Kinder haben bei den regierenden Parteien keine Lobby."

Die aktuellen Inzidenzen in den jüngeren Altersgruppen, so Lünenbürger, würden auf eine hohes Infektionsgeschehen im Main-Taunus-Kreis hinweisen. In der Altersgruppe bis vier Jahre habe die Inzidenz im MTK Anfang der Woche bei 50,29, bei Kindern bis 14 Jahre bei 37,22 und in der Gruppe von 15 bis 34 Jahre bei 44,95 gelegen. babs

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