Für leer bleibende Betten auch im Hofheimer Krankenhaus gibt's bei einer Inzidenz unter 70 keine Ausgleichszahlungen mehr.
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Für leer bleibende Betten auch im Hofheimer Krankenhaus gibt's bei einer Inzidenz unter 70 keine Ausgleichszahlungen mehr.

Gesundheit

Main-Taunus: Kliniken fordern Verlängerung staatlicher Hilfen

  • vonBarbara Schmidt
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Die Erlösrückgänge von rund 20 Prozent beim Krankenhausverbund Frankfurt/Main-Taunus machen auch Geschäftsführer Martin Menger Sorgen.

Main-Taunus. -Die finanzielle Situation der rund 1200 Krankenhäuser in Deutschland ist aktuell aufgrund der Pandemie-Folgen so angespannt, dass die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) am Montag Alarm geschlagen hat. Im Januar seien die monatlichen Erlöse gegenüber dem Dezember um 1,8 Milliarden (20 Prozent) zurückgegangen, fasst die DKG das Ergebnis einer Umfrage zusammen, an der sich rund 1000 Kliniken beteiligt hatten. Die Kliniken Frankfurt-Main-Taunus (FMT) bilden da keine Ausnahme, wie Geschäftsführer Martin Menger auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt. Die von der DKG genannte Größenordnung von 20 Prozent geringeren Umsatzerlösen, "das will ich voll unterstreichen", sagt Menger.

Wie die DKG sieht auch der Geschäftsführer der FMT-Kliniken kritisch, dass nach aktueller Rechtslage die Ausgleichszahlungen der Länder bei Unterschreitung eines Inzidenzwertes von 70 nicht mehr gezahlt werden. Für den Januar habe man noch Geld erhalten, wie es für den Februar und die Folgemonate aussehe, wisse er noch nicht, sagt Menger. Liquiditätsprobleme, von denen die DKG vor allem aus kleineren Häusern gehört hat, habe der Verbund aus Main-Taunus-Kliniken und Krankenhaus Frankfurt Höchst aber keine. "So weit sind wir hier nicht," kann Menger sagen.

Die Fixkosten der Krankenhäuser laufen weiter, sie haben sogar aufgrund der Pandemie noch erhöhte Kosten für Hygiene-Maßnahmen zu tragen und dürfen gleichzeitig einen Teil ihrer Betten nicht belegen. Denn zulässig sind nur noch Zweibettzimmer. Die Folge: Dreibettzimmer können nicht mehr voll genutzt werden. Für die FMT-Kliniken heißt das: In Höchst sind aufgrund der Regelung 130 Betten nicht belegbar, in den beiden Häusern im Main-Taunus sind es rund 30.

Schon seit Beginn der Pandemie kämpfen alle Krankenhäuser zudem damit, dass Patienten sich scheuen, sich gerade in dieser Zeit auf eine Klinikbehandlung einzulassen. Menger spricht von einer "gewissen Reserviertheit". Das trifft vor allem sogenannte "elektive" Eingriffe, die geplant werden können, also nicht aufgrund akuter gesundheitlicher Probleme erfolgen.

Wurden im vergangenen Jahr noch für alle Fachbereiche Ausgleichszahlungen geleistet, ist mittlerweile die Psychiatrie von dieser Regel ausgenommen. Dabei gibt es abseits des geschlossenen Bereichs auch hier bei den Krankenhäusern eine nach ihrer Einschätzung ebenfalls coronabedingte Minderbelegung.

"Die Politik muss sich etwas einfallen lassen", sagt Menger. "Sollten die Hilfsmaßnahmen bei Unterschreitung der 7-Tage-Inzidenz von 70 nicht mehr gezahlt werden", werde es "auch in den Kliniken Frankfurt Main-Taunus in 2021 zu erheblichen wirtschaftlichen Einbußen kommen." Einstehen müssten dafür dann die Gesellschafter, der Main-Taunus-Kreis und die Stadt Frankfurt - also im Grunde wieder der Steuerzahler, nur dass dann kommunale Haushalte betroffen wären. Froh ist Menger, dass es immerhin so aussehe, dass die FMT-Kliniken für 2020 aufgrund der Ausgleichzahlungen finanziell "die Kurve gekriegt" haben. Bei diesen Zahlungen müsse es bleiben, "mindestens bis Mitte des Jahres." Und das auch wieder für die Psychiatrie, findet Menger. "Alles andere ist indiskutabel." babs

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