Immer wieder werden ältere Menschen von Ganoven angerufen, die ans Ersparte der Seniorinnen und Senioren kommen wollen. Die Zahl der Anrufe ist aus Sicht der Polizei besorgniserregend hoch. Foto: pedersen/dpa
+
Immer wieder werden ältere Menschen von Ganoven angerufen, die ans Ersparte der Seniorinnen und Senioren kommen wollen. Die Zahl der Anrufe ist aus Sicht der Polizei besorgniserregend hoch.

Polizei

Main-Taunus-Kreis: 2020 war ein recht sicheres Jahr

  • Dirk Müller-Kästner
    vonDirk Müller-Kästner
    schließen

In der Pandemie gab es weniger Straftaten und eine einmalig gute Aufklärungsquote.

Main-Taunus -Zwischen Frankfurt und Wiesbaden liegt die Insel der Glückseligen; zumindest wenn die Kriminalstatistik für das Jahr 2020 als Maßstab dient. Landrat Michael Cyriax (CDU) und Polizeidirektor Urban Egert stellten sie gestern sehr zufrieden vor. Zu ihrer beiderseitigen Zufriedenheit tragen die höchste jemals registrierte Aufklärungsquote im Kreis - 60,7 Prozent - sowie die niedrigste Kriminalitätsbelastung seit Jahrzehnten im MTK bei.

9625 Delikte registrierte die Polizei im vergangenen Jahr im Main-Taunus-Kreis, 4,1 Prozent weniger als 2019, als es mehr als 10 000 Straftaten gab.

Rein mathematisch ließen sich die Zahlen auf Rückgänge bei Wohnungs- und Büroeinbrüchen sowie Ladendiebstählen zurückführen; faktisch habe aber wohl auch die Pandemie dazu beigetragen, so Polizeidirektor Egert: "Viele Menschen blieben wegen der Kontaktverbote zu Hause, und Geschäfte waren wegen des Lockdowns lange geschlossen - da mangelte es einfach an Tatgelegenheiten für Kriminelle." Beim Wohnungseinbruchsdiebstahl sei der niedrigste Wert seit Jahrzehnten errechnet worden.

Gesunken ist im vergangenen Jahr folgerichtig auch die Häufigkeitszahl, die aussagt, wie viele Straftaten es pro 100 000 Einwohner gibt. Diese Zahl liegt auf den Kreis bezogen nun bei 4035. Sie ist seit 2016 kontinuierlich gesunken. Damals lag sie noch bei fast 5000. Damals wie heute sind die Zahlen in den einzelnen Kommunen aber sehr unterschiedliche (siehe Grafik unten). "Wer 2020 Opfer eines Verbrechens geworden ist, den werden diese Zahlen kaum beruhigen", sagt Landrat Cyriax. Im Großen und Ganzen lebe die Mehrheit im Main-Taunus-Kreis aber sicher. Und das Leben werde noch sicherer.

Soziale Kontrolle verhindert Gewalt

Wo Licht ist, gibt es aber auch Schatten. So gibt es einen, so Cyriax, "sprunghaften Anstieg" häuslicher Gewalt. 434 Fälle wurden registriert, 33 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Fast 75 Prozent der Fälle standen in Verbindung mit Körperverletzung. Drei Viertel der Taten gingen auf das Konto von Männern. Das einzig Gute an dieser Statistik: Alle 434 Taten - ausgeführt wurden sie von 327 Tatverdächtigen - wurden aufgeklärt. Meistens waren Menschen beteiligt, "die Defizite bei der Konfliktbewältigung mit Worten" haben, erklärt Urban Egert.

Schatten werfen auch Vermögens- und Fälschungsdelikte auf die Statistik. Ihre Zahl stieg 2020 von 1583 auf 1815. Das entspricht einem Anteil von knapp 19 Prozent an der Gesamtkriminalität im Main-Taunus-Kreis. Meistens geht es dabei um Betrug (1489 Straftaten).

Sechs ließen sich austricksen

Insbesondere Betrügereien zum Nachteil älterer Menschen bereiten der Polizei große Sorge. Vor allem Menschen, die älter als 70 sind, würden gezielt angerufen. Die Anrufer geben sich als Familienangehörige (Enkeltrick), Bankmitarbeiter oder Polizeibeamte aus, um so an das Vermögen der Seniorinnen und Senioren zu gelangen. Fast 500 Mal wurde das im vergangenen Jahr angezeigt - und die Dunkelziffer ist hoch, vermutet die Polizei.

Die älteren Bürger reagieren zwar meistens richtig, so Andreas Beese von der Regionalen Polizeiinspektion. Die Zahl der Trick-Anrufe sei aber nach wie vor "besorgniserregend hoch", und noch immer ließen sich ältere Menschen austricksen. Drei fielen im vergangenen Jahr auf den Enkeltrick rein - und sind nun insgesamt 200 000 Euro los. Drei andere überreichten falschen Polizeibeamten in der Summe 150 000 Euro.

Info: Fokus auf Prävention, Dank an Präventionsrat

"Jede vollendete Straftat, gerade zum Nachteil der älteren Generation, ist eine zu viel", sagt Polizeidirektor Urban Egert und freut sich, dass in seinem Haus immer mehr präventiv gearbeitet wird. Er will auch im laufenden Jahr "gemeinsam mit meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Fokus auf die Prävention setzen". Die Polizei profitiere von den Sicherheitsberatern für Seniorinnen und Senioren, die regelmäßig im Kreisgebiet unterwegs sind. Zudem dankt Egert dem Präventionsrat des Main-Taunus-Kreises, der eine große Unterstützung sei. Das betont auch Landrat Michael Cyriax: "Hier wird mit viel Herzblut für die Sicherheit im Kreis gearbeitet, etwa mit den vielen ehrenamtlichen Seniorenberatern." Als Beispiel nennt Cyriax die Aufklärungskampagne des Präventionsrats gegen Betrügereien im Fahrwasser der Corona-Pandemie. Dass viele Senioren nicht auf Enkeltrick und mehr hereinfielen, sei auch ein Erfolg der Aufklärungskampagnen, so Andreas Beese von der Regionalen Kriminalinspektion im MTK. dmk

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare