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Kennzeichnung einer öffentlichen Toilette, die von allen Menschen – unabhängig von ihrer geschlechtlichen Identität – benutzt werden kann.

Genderdebatte

Männlich, weiblich oder divers: So steht es um die geschlechtergerechte Sprache im Main-Taunus-Kreis

Studenten und Studentinnen, StudentInnen, Student*innen, Studierende. Sprachliche Gleichbehandlung gebiert manchmal umständliche Wortungetüme. Wir haben uns bei Behörden zwischen Main und Taunus umgehört, wie sie damit umgehen.

Main-Taunus - Dass sich ein Mann durch Frauenparkplätze diskriminiert fühlt, musste unlängst vor einem Münchner Gericht verhandelt werden. Ebenfalls in Bayern gab es Diskussionen, ob bereits bei Grundschultoiletten das „dritte Geschlecht“ eingeführt werden sollte. Daran wird deutlich, dass die Genderdebatte, die Diskussion über eine geschlechtergerechte Sprache, noch lange nicht abgeschlossen ist, sondern eher noch auf ihren Höhepunkt zusteuert.

 Eine Umfrage unter den Kommunen des Main-Taunus-Kreises zeigt, dass sich dort zumindest noch niemand über Frauenparkplätze – ob vorhanden oder nicht – beschwert hat. Eppstein hat vorauseilend eine besonders elegante Lösung gefunden: Statt der Bezeichnung „Frauenparkplätze“ sind diese nur einfach „für Familien reserviert“.

Am besten ungekürzt

Andere Aspekte der Debatte sind allerdings durchaus ein Thema, gerade das „generische Maskulinum“ ruft viele Gleichstellungsbeauftragte auf den Plan. So bemüht sich die hiesige Kreisverwaltung darum, die Geschlechter sprachlich in Veröffentlichungen gleich zu behandeln. Zwar kollidiere dies manchmal mit der Lesbarkeit oder dem Gebot sprachlicher Kürze, aber grundsätzlich sollen in Schriftstücken ungekürzte weibliche und männliche oder geschlechtsneutrale Formulierungen verwendet werden, also „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ – oder „Personal“ beziehungsweise „Personen“.

Stellenausschreibung der Stadt Eschborn: Das in Klammern gesetzte (m/w/d) steht für männlich, weiblich oder divers.

In Eppstein wird zudem gerne das „Gendersternchen“ benutzt: Bürger*innen oder Besucher*innen. Die Flörsheimer Stadtverwaltung wiederum ist bemüht, in ihrer schriftlichen Kommunikation stets beide Geschlechter zu berücksichtigen; das Binnen-I, „Gendersternchen“ oder ähnliches kommen in der Regel nicht zum Einsatz.

Einheitliche Sprachregelungen gibt es in Hochheim nicht, aber die „Kollegen und Kolleginnen“ verwenden die männliche, ergänzt um die weibliche Form; auch in Kelkheim und Liederbach wird die „Innen“-Erweiterung eingesetzt. Die Stadt Hofheim ist offen für „fantasievollere Lösungen als das Anhängen von ,Innen‘“ und lässt ihre Gleichstellungsbeauftragte auf Wunsch Vorschläge erarbeiten.

Kunstgriffe wie „Vertretung“ statt „Vertreter/Vertreterin“ lassen sich nicht immer geschmeidig und schlüssig anwenden, heißt es aus Sulzbach. Alternativen und umfassende Worte wie „Beschäftigte“ oder „Führungskräfte“ sind in Kriftel üblich, um möglichst gut lesbar und gleichzeitig geschlechtsneutral zu formulieren. „Teilnehmende“ oder „Helfende“ finden auch in Schwalbach Verwendung, gerade wenn es ansonsten zu sperrig wird oder zu viel Platz benötigt. „Grundsätzlich geht es darum, Diskriminierungen zu vermeiden“, ist aus dem dortigen Rathaus zu hören. Bei ständigen Wiederholungen wird allerdings auch mal auf die weibliche Form verzichtet. Während es in Eschborn keine offizielle Regelung zur Schreibweise gibt, achtet man in Bad Soden darauf, den Zusatz “-innen“ sinnvoll einzusetzen und eine inflationäre Nutzung zu vermeiden.

Vier Optionen

Seit vergangenem Jahr gibt es für den Eintrag im Geburtenregister vier Optionen: „männlich“, „weiblich“, „ohne Angaben“ – und das dritte Geschlecht „divers“. Letzteres findet sich bisher jedoch nur in Stellenanzeigen wieder. Die Kreisverwaltung formuliert diese seit Mitte 2018 mit dem Klammerzusatz „m/w/d“ für „männlich / weiblich / divers“. Inzwischen nutzen eigentlich alle hiesigen Kommunen diese Lösung, die auch vom Hessischen Städtetag empfohlen wurde, um alle Personen anzusprechen.

 In Kriftel sieht man diese Entwicklung durchaus kritisch. „Im Umkehrschluss steht nun eine männliche Berufsbezeichnung in der Stellenausschreibung und dahinter der genannte Klammerzusatz, was eigentlich ein Rückschritt ist, da die weibliche Bezeichnung nicht mehr ausdrücklich genannt wird.“

Inwieweit das dritte Geschlecht zudem in Anreden und Texten mit abgebildet werden soll, will Hattersheim entscheiden, sobald es allgemeingültige Regelungen gibt: „Es wird abzuwarten sein, wie sich die Diskussion weiterentwickelt, welche Maßnahmen praktikabel – und welche von den Betroffenen wirklich gewünscht sind!“ Generell gibt es bezüglich der Bezeichnung „divers“ im öffentlichen Raum keine konkreten Pläne, zumal bisher noch keinerlei entsprechende Anfragen, Forderungen oder Beschwerden geäußert wurden. Um Konflikten vorzubeugen, sind beispielsweise die Toiletten am Stadtbahnhof in Eppstein sowie Behindertentoiletten in Flörsheim geschlechtsneutral gestaltet.

Diskussion

Auch die Stadt Hofheim hält Unisextoiletten mit Einzelkabinen für eine gute Lösung, doch betont: „Wir wollen nicht an Menschen vorbei planen, daher bitten wir alle Betroffenen, die ihr Geschlecht geändert haben oder sich keinem Geschlecht zuordnen lassen und sich in diese Diskussion einbringen möchten, sich bei unserer Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Marion Stück, (0 61 92) 20 22 05, zu melden!“

von Stefanie Kreuzer

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