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Im Kelkheimer Privatgymnasium Dr. Richter sind die mobilen Luftreinigungsgeräte bereits im Einsatz. In den Schulen des Main-Taunus-Kreises könnten sie nun - nach dem Beschluss des Kreistages - ebenfalls angeschafft werden. Die Kreisverwaltung stand solchen Geräten bisher allerdings sehr skeptisch gegenüber.

Corona

Main-Taunus: Nun doch Luftreiniger für Schulklassen

  • vonBarbara Schmidt
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Koalition im Kreistag stellt bis zu drei Millionen Euro für die Geräte bereit. Die Linke beklagt Ideen-Klau.

Main-Taunus -Über eine gute Luftfilteranlage soll die Stadthalle in Flörsheim ja verfügen. Ein Grund, warum sie am Montag bereits zum zweiten Mal vom Kreistag als Sitzungsort genutzt wurde. Dicke Luft, gegen die alle Technik nichts hilft, gab es allerdings zum Ende der dreistündigen Sitzung doch noch. Und das ausgerechnet, als es um drei Eilanträge ging, die alle ein Thema hatten: Der Kreisausschuss soll Sorge tragen, dass die Raumluft in Gebäuden des MTK, vor allem in den Schulen, so frisch ist, dass das Coronavirus keine Chance auf Ausbreitung hat.

Die ersten, die mit dieser Forderung auf den Plan traten, waren am 23. Oktober die Linken. Sie beantragten, alle Schulräume, die nicht ausreichend gelüftet werden können, mit Luftreinigern zu bestücken und dafür das entsprechende Landesförderprogramm zu nutzen. Die SPD legte am 29. Oktober nach. Sie wollte da technische Abhilfe, wo das empfohlene Intervall-Lüften unmöglich ist, Räume ohne Fenster sollten nicht genutzt werden. Weitere Möglichkeiten sollten zudem untersucht, falls sinnvoll umgesetzt und darüber dem zuständigen Ausschuss berichtet werden.

Am Montag toppte das alles die Koalition: Zum Eilantrag der Linken brachten sie einen Änderungsantrag ein, der im Bürgerinformationssystem des Kreises als Ausgabedatum den gestrigen 3. November trägt. CDU, FDP und Grüne gingen noch einen Schritt weiter. In allen Gebäuden des MTK soll geschaut werden, ob die "luftraumtechnischen Anlagen" um und aufgerüstet werden müssen, um das Infektionsrisiko "wirksam zu senken." Wo in den Schulen Räume nicht ausreichend belüftet werden sollen, sollen mit Landesmitteln mobile Luftreinigungsgeräte angeschafft werden. Damit auch in "weiteren Räumen an Schulen" solche Geräte zum Einsatz kommen können, sollte der Kreistag zudem bis zu 3 Millionen Euro außerplanmäßige Ausgaben noch für das laufende Haushaltsjahr genehmigen.

Im Grunde hätten die Linken zufrieden sein können, dass ihr Antrag auch bei der Koalition offenbar so gut ankam, dass sie ihn sich zu eigen machte und erweiterte. "Wir haben ihn so gestaltet, dass der Antrag der Linken darin vollständig aufgeht", so CDU-Fraktionschef Frank Blasch. Für die Linken-Vertreterinnen Barbara Grassel und Beate Ullrich-Graf nicht gerade die feine politische Art. "Sie haben die wichtigsten Punkte übernommen, und das wird dann in der Öffentlichkeit groß raus geblasen", sah Grassel der eigenen Fraktion die Butter vom Brot genommen. Denn da der Antrag der Koalition der weitergehende ist, wurde nur noch über diesen und den SPD-Antrag abgestimmt. Kreistagsvorsitzender Wolfgang Männer (CDU) kommentierte das Kopfschütteln von Barbara Grassel darüber mit dem Hinweis, so sei nun einmal das parlamentarische Verfahren. Beide Anträge erhielten klare Mehrheiten.

"Die Empörung der Linken-Fraktion verstehe ich, gab Thomas Kandziorowsky für die FWG zu Protokoll, sie habe sich viel Mühe gemacht, die nun "in einem anderen Werk aufgeht". AfD-Mann Thomas Kaus sprach ebenfalls von verständlichem Ärger.

Landrat Michael Cyriax (CDU) hatte übrigens vorab mit der Vorstellung einiger "Sachinformationen" schon deutlich gemacht, dass er wenig Handlungsbedarf sieht. Das Umweltbundesamt empfehle nach wie vor den generellen Einsatz von Luftreinigungsgeräten nicht. Ein Lüften alle 20 Minuten, wie es das Robert-Koch-Institut empfehle, reiche aus. Alle 1208 Klassenräume in den Schulen des MTK seien belüftbar. Wo es Lüftungsanlagen gebe, seien diese von Umluft- auf Frischluftbetrieb umgestellt worden. Die Mehrheit des Kreistags hält es dennoch für sinnvoll, in Luftreinigungsgeräte zu investieren. Barbara Schmidt

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