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Eine Rebhuhn-Henne mit zwei ihrer Küken - früher kamen Rebhühner auch im Main-Taunus-Kreis fast flächendeckend vor. Die Tiere ernähren sich vor allem von Sämereien, Wildkräutern und Getreidekörnern.

Natur und Umwelt

Main-Taunus: Rebhühner sind wie vom Erdboden verschluckt

  • vonStephanie Kreuzer
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Auch im Main-Taunus-Kreis ist die Zahl der Tiere drastisch zurückgegangen. Die Gründe sind vielfältig. Der NABU

Main-Taunus. -"Vor 20 Jahren haben wir die noch bejagt", erinnert sich Gerold Winkler, Jagdpächter im Hegering 2, also den südlichen Gemeinden, des Main-Taunus-Kreises, "aber inzwischen sind die Bestände des Rebhuhns so deutlich zurückgegangen, dass wir uns seit einigen Jahren die Entwicklung genauer anschauen." Wurden nach Angaben des Naturschutzbund Deutschland (NABU) in den 70er-Jahren jährlich bis zu 100 000 dieser typischen Feldvögel erlegt, gibt es derzeit insgesamt nur noch etwa 4000 Reviere. Im MTK befinden sich die letzten Vorkommen in den noch stärker ackerbaulich geprägten Teilen im Süden und Osten. Eine Untersuchung der Unteren Naturschutzbehörde in einem 1400 Hektar großen Gebiet in Hochheim und Flörsheim im Jahr 2019 hat nur noch sehr geringe Dichten auf den eigentlich optimal geeigneten Äckern ergeben. Es konnten dort nur noch 14 Reviere nachgewiesen werden, 1 Revier pro 100 Hektar.

Leichte Beute für Raubtiere

"In diesem Frühjahr hatten wir 41 Brutpaare, aber bei unserer Herbstzählung Ende September waren es nur noch 31 Ketten, also Familienverbände", so Winkler. "Zehn davon müssen also aus ihrem Nest heraus gefressen worden sein." Er macht in erster Linie Raubtiere wie Fuchs, Marder oder Iltis dafür verantwortlich, aber - "ganz gravierend" - auch Hauskatzen. Da die Rebhühner als Bodenbrüter 30 Tage lang an ihr Nest gebunden sind und auf den Feldern sitzen, bis ihre Jungen mitlaufen können, geben sie leichte Beute ab. Doch selbst Storch und Graureiher sind an den stark rückläufigen Zahlen nicht unschuldig: "Die holen sich viele Küken. Dadurch, dass viele Fleischfresser wie Wolf, Luchs, Greifvögel oder auch Uhu und Storch geschützt wurden, sinkt automatisch die Zahl der Beutetiere." Letztlich sei das Rebhuhn eben auch Futter für andere Tierarten. Während früher ein Brutpaar 15 bis 20 Küken aufgezogen bekam, liegt diese "Kettenstärke" aktuell bei maximal fünf bis zehn Küken. "Wenn ein Paar aber mal wieder 20 Junge durchkriegen würde, von denen 15 durch den Winter kommen, dann dürfte auch der Uhu einige fressen und trotzdem würde die Population nicht abnehmen."

Nach Einschätzung des NABU müsste es für einen guten Erhaltungszustand in Hessen wieder mindestens fünf bis zehn Brutpaare je 100 Hektar geben. Allerdings würden die Schutzmaßnahmen des Landes nicht ausreichen, um die Art zu retten; die Schuld geben die Naturschützer der Agrarpolitik. Nach ihrer Ansicht verstoßen Bund und Länder gegen die in der EU-Vogelschutzrichtlinie festgeschriebene Anforderung, einen guten Erhaltungszustand aller wildlebenden Vogelarten zu erreichen.

"Fehlgesteuerte Landwirtschaft"

Das Schicksal des Rebhuhns, das seit 1980 deutschlandweit um 91 Prozent zurückgegangen sei, sieht der NABU als ein eindrückliches Beispiel für eine miserable Umsetzung dieser EU-Verpflichtungen in Deutschland: "Wie bei vielen anderen Feldvogelarten und bei den Insekten raubt die durch Subventionen fehlgesteuerte Landwirtschaft der Art Lebensraum und Nahrung." Daher sollten mindestens zehn Prozent der hessischen Agrarlandschaft als Lebensraum für das Rebhuhn und die ländliche Artenvielfalt reserviert werden. Denn wichtig für das Überleben von Rebhühnern seien insektenreiche Blühflächen sowie ungemähte und ungespritzte Flächen, in denen die Weibchen gut versteckt brüten können.

Laut Unterer Naturschutzbehörde würden jedoch beim Rebhuhn klassische Natur- und Artenmaßnahmen, wie sie etwa in Naturschutzgebieten durchgeführt werden, nicht greifen. "Es existieren allerdings einige erfolgreiche Initiativen von Hegegemeinschaften der Jäger, die den Rückgang der Vögel teilweise aufgehalten oder zumindest gebremst haben", ist aus Hofheimer dem Landratsamt zu hören. Beispielhaft seien gerade die Maßnahmen von Gerold Winkler, der in Flörsheim viele Hektar Ackerfläche für Bodenbrüter und Niederwild bearbeitet. "Es wurden Felder angelegt, wo sich die Rebhühner zurückziehen können. Gemeinsam mit Landwirten haben wir an speziellen Stellen eine besondere Saatgutmischung mit 50 Pflanzen, die diese Vögel im Winter fressen können, ausgebracht", erläutert der Jagdpächter. "Außerdem wurden am Rand Sonnenblumen gepflanzt, und wir haben Schilder aufgestellt, damit Spaziergänger nicht in diese Felder reinlaufen. Denn mittlerweile können nur noch einzelne Flächen den Rebhühnern Deckung geben, und im Herbst ist es besonders schlimm, wenn zum Beispiel kein Mais mehr steht." Allgemein hätten die Probleme für bodengebundene Tiere stark zugenommen, weiß der Experte. Stephanie Kreuzer

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