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Versorgungslücken

Familien sind größter Pflegedienst

Der Pflegestützpunkt des Main-Taunus-Kreises bietet seit vielen Jahren einen Anlaufpunkt für Pflegende und Pflegebedürftige. Elke Werner-Schmit und Markus Krugmeister sind seit Beginn für die Menschen da.

Main-Taunus. Rund 1100 Beratungen machen sie im Jahr. Sie sind zuständig für Pflegebedürftige „von 0 bis 100 Jahren“. Und sie geben alles, um jedem einzelnen Hilfesuchenden bestmöglich zu helfen. Die Rede ist von Elke Werner-Schmit und Markus Krugmeister. Sie bilden gemeinsam den Pflegestützpunkt des Main-Taunus-Kreises. Werner-Schmit ist von kommunaler, Krugmeister von Krankenkassen-Seite beauftragt.

Als Beratungsstelle für alle Themen, die rund um Pflege relevant sind, ob es um Senioren, Kinder, Jugendliche oder Erwachsene geht, haben sie einen besonders guten Überblick über die Lage in der Pflege im Kreis. „Wir sehen beispielsweise bei den Pflegediensten einen großen Nachholbedarf“, berichtet Sozialpädagogin Elke Werner-Schmit. Angesichts des immer größer werdenden Fachkräftemangels sei es im Main-Taunus-Kreis, wie auch in anderen Kreisen so, dass es immer schwieriger werde für Pflegebedürftige Menschen Dienste zu finden, die die benötigte Pflege leisten. „Hier im Kreis werden viele Menschen von ihren Angehörigen gepflegt“, weiß Pflegeberater Markus Krugmeister von der AOK. Laut dem Altenhilfeplan 2017 befinden sich knapp 1300 Menschen jeweils in stationärer und ambulanter Pflege, hinzu kommen rund 3300 Pflegegeldempfänger, die vermutlich von Angehörigen gepflegt werden. „Der größte Pflegedienst sind die Familien“, sagt Krugmeister schlicht.

„Menschen, die Pflegegeld bekommen, müssen je nach Pflegestufe zwei bis viermal im Jahr einen Beratungsbesuch eines Pflegedienstes nachweisen, damit die Leistungen nicht eingestellt werden. Selbst dafür wird es immer schwieriger, Pflegedienste zu finden, da sie hoffnungslos überlastet sind“, berichtet Werner-Schmit. Manche der 62 Pflegedienste im Kreis hätten sogar Aufnahmestopp.

Versorgungslücken

Da verwundere es nicht, dass die Pflegedienste, die eigentlich als einzige auch für hauswirtschaftliche Hilfe von der Kasse bezuschusst werden, die Nachfrage danach nicht stemmen können. „Hier gibt es definitiv Versorgungslücken, da es personell nicht machbar ist“, so Werner-Schmit. Ihr Kollege Markus Krugmeister stimmt nickend zu. Der Kreis sei dabei daran zu arbeiten, dass auch diese Lücke geschlossen werde, so Sascha Colak, Gruppenleiter Arbeit und Soziales. „Die neue Pflegeunterstützungsverordnung hat uns vor einige Fragen gestellt, so dass wir noch einiges zu klären haben.“ Ziel sei es aber, sie schnellstmöglich umzusetzen.

„In diesem Hin und Her in Sachen Pflege sehe ich uns als Lotsen“, erklärt Markus Krugmeister. „Wenn wir früher angerufen wurden, dass jemand einen Pflegeplatz benötigt, konnten wir problemlos drei bis fünf Stellen nennen, bei denen es Plätze gab, doch seit etwa einem Jahr ist es extrem schwierig.“ Jeden Montag werde die Pflegeplatzbörse des Kreises aktualisiert, doch es würden immer weniger Plätze frei. „Wir wissen leider nicht, ob wirklich keine Betten frei werden oder ob, wenn die Fachkräftequote eines Hauses nicht erfüllt würden, die freien Plätze nicht angegeben werden.“

in weiteres Problem sei, dass es im MTK keine Pflegeangebote für Jugendliche und Kinder gebe. „Nur wenige Dienste bieten Kinderpflege an und stationär gibt es gar keine“, weiß Werner-Schmit. Sie müssten Angehörige dann in andere Kreise verweisen. „Außerdem ist es ein Unterschied, ob jemand seit der Geburt pflegebedürftig ist oder ob er durch einen Unfall in die Situation kommt“, so Krugmeister. „Wenn beispielsweise eine Behinderung seit Geburt vorliegt, sind die Familien meist schon gut vernetzt, doch wenn es erst später dazu kommt, dann sind wir dafür da, um auf die unterschiedlichen Stellen wie Lebenshilfe oder den Landeswohlfahrtsverband hinzuweisen.“

„Wir können bei jeglichen Fragen rund um Pflege helfen. Man muss uns nur fragen“, sagt Werner-Schmit. Sie machen neben den Terminen in ihrem Büro im Kreishaus und den Telefonaten auch Hausbesuche. Rund 150 sind es jährlich. „Hier können wir uns gut die Wohnsituation der Leute anschauen und auch Hinweise geben, wie man beispielsweise behindertengerecht umbauen kann.“ Außerdem sei es sehr wichtig, mit den Angehörigen zu sprechen und ihnen klar zu machen, dass es wichtig ist, Hilfe anzunehmen. „Manchmal muss man sie lange überzeugen, sich auch Luft für sich selbst zu lassen“, sagt die Sozialpädagogin.

VON JOY GANTEVOORT

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