Fasten

Mehr als der Verzicht auf Essen

  • VonBarbara Schmidt
    schließen

Essen, Alkohol oder auch digitales Fasten ohne Smartphone und Computer – die Möglichkeiten zum Verzicht auf Zeit sind vielfältig. Reichlich Lesestoff gibt’s auch dazu. Im Trend liegt etwa das „vegane Fasten“, aber auch das „Basen-Fasten“ ist in. Die Aktion „Du bist schön!“, ermutigt zum Verzicht aufs „Runtermachen“.

Fasten gilt derzeit als „Mega-Trend“. Klar, würden Christen sagen, ist ja Fastenzeit. Doch längst nicht jeder, der diesem Trend folgt, verbindet mit dem Fasten noch eine Übung mit religiösem Hintergrund. Dabei will Fasten im christlichen Sinn mehr sein als Verzicht auf Essen. „Eine Umkehr der Gewissen zu den Werten der Gerechtigkeit, der Gleichheit, der Genügsamkeit und des Teilens“, fordert Papst Franziskus und befindet sich damit ganz in der Tradition schon der alttestamentlichen Propheten. So verkündet Jesaja im Namen Gottes: „Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, (...) an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, (...) und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.“

Die Sodener Passion

In diesem Sinne eine Umkehr des eigenen Lebenswandels zu vollziehen, dem dienen letztlich alle Fastenübungen im christlichen Sinne, auch die leiblichen. Die Kirchengemeinden im Main-Taunus machen dazu ganz unterschiedliche Angebote. In Bad Soden steht die „Sodener Passion“ in den Wochen vor Ostern ganz im Zeichen des Fastens, (das Kreisblatt berichtete). Dabei wird ebenfalls der Blick über die rein körperliche Komponente hinaus geweitet. „Fasten und Lebensfreude haben ja auch etwas miteinander zu tun“, so Pfarrer Paul Schäfer mit Blick auf ein so betiteltes Gespräch mit Pater Helmut Schlegel am Mittwoch, 4. März, in der Kita Max Baginski.

Eine Meinung, die auch Inge Wertgen teilt, auch wenn das Angebot der professionellen Fastenbegleiterin aus Ruppertshain („FIT – Fasten im Taunus“) keinerlei religiösen Hintergrund hat. „Ein Mega-Trend ist Fasten auf jeden Fall“, bestätigt Wertgen. Dass das Frühjahr dafür eine „Hoch-Zeit“ im Jahr ist, entspricht auch ihrer Beobachtung. Für die Ruppertshainerin geht dabei der Trend weg von der sehr puristischen Fastenmethode, bei der (Stichwort: nach Buchinger) über einige Tage hinweg nur noch Wasser, Tee und Gemüsebrühe konsumiert werden. „Basen-Fasten“, so Wertgen, sei mittlerweile deutlich stärker gefragt, „denn es schließt die Komponente des Genusses ein“. Verzichtet wird hier nämlich nur auf alles, was den Körper „sauer“ macht. Vor allem „Best Ager“, also Menschen zwischen 40 und 55 Jahren, suchten im Fasten einen Weg, „ihre Gesundheit zu erhalten. Es geht ums Wohlfühlen“, sagt die Fachfrau. Zum einen treibe Fastenwillige der Gedanke: „Ich will was ändern“, zum anderen spiele der Aspekt, dies mit Bewegung und Entspannung zu verbinden und sich insgesamt etwas Gutes zu tun, eine Rolle. Für Wertgen ist klar: „Fasten muss nicht mit Verzicht gleichgesetzt werden.“ Die Teilnehmer ihrer Kurse erlebten „meistens, dass sie im Grunde etwas Neues dazugewonnen haben“.

Auch im Buchhandel ist der Fasten-Trend spürbar, wie Kristin Otto, Inhaberin der Hofheimer Buchhandlung Tolksdorf, bestätigt. „Großes Thema ist jetzt vegan fasten“, sagt die Buchhändlerin. Aber auch die Nachfrage nach Büchern zum Fasten mit einem christlichen oder zumindest einem ganzheitlichen Ansatz sei größer geworden. Vor allem Frauen sind es, die sich für den Extra-Büchertisch interessieren, der im Buchhandel zu dieser Jahreszeit einfach erwartet werde. „Die Frauenzeitschriften nehmen das Thema ja im Frühjahr auch regelmäßig auf“, sagt Otto.

„Du bist schön!“

Dass es noch ganz andere Ansätze gibt, die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern zu nutzen, zeigt seit vielen Jahren die Aktion „Sieben Wochen ohne“ der Evangelischen Kirche. „Du bist schön! Sieben Wochen ohne Runtermachen“, lautet das Motto 2015. Der Lorsbacher Arnd Brummer, Chefredakteur der evangelischen Zeitschrift „chrismon“ und Initiator dieser Fastenaktion betont, wovon Christen überzeugt sind: „So, wie wir sind, sind wir gewollt.“ Er ermutigt, das Unverwechselbare bei sich selbst und bei anderen zu entdecken und wertzuschätzen. Für die Eppsteinerin Beate Stieler „eine tolle Sache“. Das Kirchenvorstandsmitglied gehört zum Vorbereitungskreis der „Atempause“, in der immer mittwochs um 19.30 Uhr in der Eppsteiner Talkirche über das Thema der Fastenaktion nachgedacht wird. Fasten bedeute ja auch, etwas zu verändern, sagt Stieler, und ihr gefällt es gerade gut, dass hier die Haltung zu sich selbst und zu anderen ins Spiel gebracht wird.

Wer auch noch den Gedanken der Mitverantwortung für die Schöpfung – oder unreligiös der Umwelt – mit dem Fasten verbinden will, kann dazu ebenfalls Anregungen finden. So ruft das Nachbarbistum Mainz zum Auto-Fasten auf und der Verbraucherservice Bayern im Katholischen Frauenbund regt an, möglichst auf Plastiktüten zu verzichten. Ganz im Trend soll zudem noch das digitale Fasten sein, der Verzicht auf Handy oder Smartphone zumindest stundenweise, auch wenn wir dazu im Main-Taunus noch kein explizites Angebot ausgemacht haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare