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Metzgerei Rausch: Hier kommt die Wurst nicht in die Plastiktüte

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Alle reden darüber, wie man Plastikmüll verhindern kann. Die Metzgerei Rausch handelt - und das kommt bei den Kunden bestens an.

„Von der Dreierlei sechs Scheiben und von der Blutwurst sechs Scheiben. Die kannst du in eine Dose tun.“ Joachim Fischer stellt die Plastikbox auf das Silbertablett, Friedrich Rausch nimmt es entgegen, packt die Wurst wie gewünscht rein. „Die Pastete kann dann in die graue Box. Und in die Rote bitte 180 Gramm Tartar.“ Fischer weiß genau, wie er seinen Einkauf gerne verpackt hätte. Wobei „verpackt“ die falsche Bezeichnung wäre: Denn der Fischbacher kommt in der Metzgerei Rausch inzwischen komplett ohne Plastikmüll aus.

Was der 1911 gegründete Traditionsbetrieb da seit einer Woche in seinem Geschäft an der Langstraße anbietet, ist wohl ein Novum im Main-Taunus-Kreis – zumindest bei den kleinen Einzelhändlern: Denn hier ist ein Einkauf ohne Verpackungen möglich. Der Kunde bringt seine Boxen von zu Hause mit – oder kann direkt im Laden Behälter zum Selbstkostenpreis kaufen. „An den Boxen wollen wir nichts verdienen, sondern mit unseren Produkten“, sagt Manuela Siegmund, die ihren Lebensgefährten Friedrich Rausch in der Metzgerei unterstützt. Ziel sei es vielmehr, ein Umdenken einzuleiten.

„Lange haben wir darüber nachgedacht und überlegt, wie wir der Flut an Plastikmüll entgehen können“, schrieb Manuel Siegmund Ende vergangener Woche bei Facebook. Die Reaktionen seien überwältigend gewesen, viele Menschen hätten den Beitrag geteilt und zumeist positive Kommentare abgegeben. „Der Hype ist groß“, ist die Mitarbeiterin selbst verwundert über die Resonanz. Schon am Tag nach der Bekanntgabe seien die ersten Kunden mit Tupperware gekommen. „Heute habe ich noch nicht eine Plastiktüte heraus gegeben“, sagt sie am Mittwochnachmittag beim Kreisblatt-Besuch.

Und Punkt 15 Uhr betreten die ersten beiden Kunden mit Boxen den Laden. Joachim Fischer lobt die Aktion: „Das ist wunderbar. Wenn ich irgendwie der Umwelt etwas Gutes tun kann, dann tue ich das.“ Er sei heute das erste Mal mit den Behältern hier, das sei für ihn in Ordnung. Das viele Plastik überall sei „ganz furchtbar“. Es zu vermeiden, sei schon sein Ziel. Und dann habe er auch kein Problem damit, mal zwei, drei Wurstsorten in einer Box zu stapeln. Ingo Bömelburg sieht es ähnlich. „Man spart Müll, das ist wunderbar“, freut sich der Fischbacher, der den dritten Tag in Folge mit seiner Box in der Metzgerei aufschlägt. Diese Aktion könnte ganz viele Nachahmer finden, hofft Bömelburg.

Da allerdings gibt es noch jede Menge Potenzial. Just am Mittwochmorgen war ein Mitarbeiter des Kreis-Veterinäramtes hier gewesen und hat das Vorgehen der Metzgerei unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: keine Beanstandungen. Im Gegenteil: „Die finden diesen Schritt sehr gut“, sagt Manuela Siegmund. Und hätten den Fischbachern bestätigt, dass sie die ersten mit dieser Methode unter den kleineren Läden im Kreis seien.

Manuela Siegmund, die bis 2014 zwölf Jahre ihren Schreib- und Bastelladen mit Poststelle gleich in der Nachbarschaft führte, hatte ihre Initialzündung vor gut zwei Wochen. Mit einem solchen Gedanken gespielt hatte sie schon vorher. Dann sah sie einen Fernsehbeitrag, in dem der Versuch mit Mehrwegdosen bei Edeka vorgestellt wurde. Sie sagt sich: „Was die Großen dürfen, das dürfen sie uns Kleinen ja nicht verbieten.“ Doch es gab eine Hürde: die Hygienevorschrift. Um Keimbildung hinter der Wursttheke zu vermeiden, dürfen die drei Mitarbeiter der Metzgerei daher die Box nicht anfassen. Denn darauf könnten die Kunden ja Erreger von zu Hause mitbringen. Deshalb stellt der Käufer den offenen Behälter auf ein Tablett, das wiederum der Verkäufer nehmen darf. Die zweite Variante: Der Kunde kauft im Laden eine Box, die er dann immer wieder gegen eine neue austauschen kann. Aber das Tablett ist bei jedem Vorgang Pflicht – und es muss nach einigen Käufen gegen ein frisches ausgetauscht werden. An der heißen Theke bietet die Metzgerei nun auch Mehrweg-Suppendosen mit Deckel an. Wer das alles nicht möchte, kann wie bisher bestellen. Allerdings kosten die Plastik- und Papiertüten sowie das Vakuumieren jetzt etwas Geld.

„Es schwang erst die Angst mit: Machst du es richtig?“, sagt Manuela Siegmund. Nun ist sie von den ersten Tagen begeistert – und hofft, dass die Disziplin der Kunden anhält. So lasse sich viel Plastik sparen, was der Firmenchef sehr gut findet. „In den letzten Jahren hat das Verpackungsmaterial immer mehr zugenommen“, weiß Rausch, den hier im Ortskern vor allem die Parkplatz-Engpässe und die nur einseitig befahrbare Langstraße stören. Mit dem Müll kommt er auch privat immer wieder in Kontakt: Im Urlaub beim Tauchen „da sieht man das Plastik im Meer hautnah“.

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