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Vor 51 Jahren wurde die Kirche St. Matthäus in Ruppertshain geweiht. Da die Bänke oft leer bleiben, könnte die Kita dorthin umziehen.

Umbauprojekt

Gut 3 Millionen für Kita in der Kirche

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Kirchengemeinde, Stadt und Bistum stehen dem Vorhaben offen gegenüber. Es gibt auch kritische Stimmen – nicht nur im Ort.

„Zieht der Kindergarten in die Kirche?“ Diese Frage hat das Kreisblatt vor fast genau einem Jahr gestellt. Inzwischen sind die Verantwortlichen und Planer hinter den Kulissen zwar ein Stück weitergekommen, doch die endgültige Antwort steht aus. Noch ist das Projekt in Ruppertshain nicht in trockenen Tüchern, dass der benachbarte Kindergarten „Sancta Maria“ mit drei Gruppen und 70 Kindern in die Kirche St. Matthäus zieht. Mehr als zwei Drittel der knapp 1100 Quadratmeter würde die Kita in dem markanten Bau, der 51 Jahre alt ist, einnehmen. Die restlichen fast 300 Quadratmeter würden bei der Kirche bleiben.

Geld im Stadt-Haushalt

Thomas Weck, im Verwaltungsrat der Kelkheimer Großgemeinde St. Franziskus für das Projekt mit zuständig, nennt jetzt erstmals eine Summe: 2,5 Millionen Euro – wobei darin auch ein Puffer wegen Preissteigerungen eingebaut sei. Ein Baubeginn könnte vielleicht 2020 sein. Weck vergleicht: Ein dreigruppiger Kita-Neubau auf der „grünen Wiese“ käme auf rund 1,8 Millionen – so gesehen sei das Sanierungs- und Umbau-Projekt in Ruppertshain „im Rahmen“. Die Kosten würden sich die Kirche und die Stadt teilen. Der wesentliche Teil des Kirchengeldes müsste aus dem Bistum Limburg kommen, das die Kosten sogar höher beziffert (siehe Text rechts). Die Kommune findet das Projekt grundsätzlich gut, Bürgermeister Albrecht Kündiger hat daher schon Gelder in den Haushalt eingestellt – 70 000 Euro für 2019, weitere 750 000 Euro als Verpflichtungsermächtigung.

„Der Ehrgeiz, eine Kirche zu erhalten, ist prinzipiell eine gute Sache“, betont Kündiger. Allerdings gebe es auch kritische Stimmen, weiß er. Im Ort wird darüber fleißig diskutiert. Ergibt die Sanierung eines mehr als 50 Jahre alten Gebäudes Sinn? Wie ist die Bausubstanz? Braucht Ruppertshain noch eine Kirche, wenn es doch Gotteshäuser in Eppenhain und Fischbach in der Nähe gibt? Diese und andere Fragen treiben die Menschen um. „Wir müssen eine klare Diskussion führen“, sagt deshalb Kündiger. Vor allem die Bausubstanz der Matthäuskirche wird als Kernfrage gesehen. Hier gibt es durchaus einige kritische Stimmen, nicht nur in Ruppertshain und auch in den politischen Gremien.

Der Hochheimer Architekt Helmut Mohr hat schon eine erste Planung erstellt, nun gehe es an wichtige Details. In welchem Zustand ist das riesige Dach, das dieses Gebäude prägt? Laut Weck sei es „weitgehend in Ordnung“. Das sieht auch Architekt Mohr so, der die Gebäudesubstanz als sehr gut bezeichnet. Damit er nun weiter planen kann, muss sich die Stadt an den Kosten beteiligen – und an diesem Punkt ist das Vorhaben gerade.

Wird der Kindergarten abgerissen, bietet sich dort laut Weck eine Möglichkeit, das Vorhaben mit zu finanzieren. Es könnte Wohnbebauung entstehen – ebenso wie auf einer Parkplatzfläche der Kirche. Das Mitglied des Verwaltungsrates hat vor allem positive Stimmen zur Idee vernommen. Einige Kirchgänger wären froh, wenn die deutlich verkleinerte Kirche im Winter wieder beheizt würde und sie nicht mehr im Kalten sitzen müssen. Das Bistum hatte die Zuschüsse längst heruntergefahren.

Platz genug für beide Nutzungen ist laut Mohr im Gebäude. Es könnte einen Kirchen- und einen ebenso großen Versammlungsraum geben, die über eine Trennwand kombinierbar wären. Im Kirchenschiff würden Kita-Gruppenräume unterkommen, auf einer neuen Hochebene aus Holz könnte es einen Turnraum und eine Toilette geben. Im Untergeschoss sind Funktionsräume vorgesehen. Ein Aufzug für die Barrierefreiheit ist angedacht.

„Markantes Gebäude“

Ganz gleich, wie es genau aussieht: „Es ist wichtig, dass das markante Gebäude bestehen bleibt. Es prägt den Ortsteil“, wirbt Weck für das Vorhaben und findet: „Von den eintönigen Häusern haben wir genug stehen.“ Bleibt die Frage, ob das Stadt und Politik nach Abwägung aller Risiken genauso sehen.

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