Wickerin Mona Schnabel ist jetzt Winzermeisterin.
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Wickerin Mona Schnabel ist jetzt Winzermeisterin.

Liebe zum Wein

Mona Schnabel ist die einzige neue Winzermeisterin aus dem Rheingau in diesem Jahr

  • vonSascha Kröner
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Schon als kleines Kind genau zu wissen, was man werden möchte, das ist nicht jedem vergönnt. Mona Schnabel wusste schon damals, was sie sein will: Winzerin.

Mancher Schulabgänger grübelt nach dem Abschluss über seine berufliche Zukunft. Nicht jedoch Mona Schnabel: Für die 25 Jahre alte Wickerin stand die Berufswahl schon in jungen Jahren fest. Der Weinbau hat es ihr seit der Kindheit angetan. Nach dem Fachabitur setzte die junge Frau alles daran, den Winzerberuf zu erlernen, der immer noch eine Männerdomäne darstellt. Mona Schnabel schloss nicht nur ihre Lehre erfolgreich ab. Am 31. August nahm sie in Alzey auch den Meisterbrief entgegen. In ihrem Jahrgang ist sie die einzige neue Winzermeisterin aus dem Rheingau.

Mit einem Fachabitur hätte Mona Schnabel auch studieren können, doch das wollte die Wickerin nicht. „Nein.“ Die 25-Jährige schüttelt den Kopf. „Lieber arbeiten“, betont Mona Schnabel. Im Weingut mitzuhelfen, ist die junge Winzerin nämlich gewohnt. Sie wuchs mit dem Betrieb ihrer Eltern auf, die seit 1996 ein Weingut mit Gutsausschank führen. Während andere Kinder im Garten spielten, fuhr Mona Schnabel mit ihrem Vater auf dem Traktor durch den Weinberg bis ihr die Augen zufielen. Der Rebensaft war immer allgegenwärtig. Wenn sie der Verwandtschaft einen Wein bringen solle, habe sie manchmal etwas genippt, gesteht Mona Schnabel lachend. Heute zählen Riesling und Grauburgunder zu ihren persönlichen Vorlieben.

Ungewöhnlicher Beruf

Unter den 40 Teilnehmern ihrer Meisterklasse seien sechs Frauen gewesen, von denen drei den Abschluss schafften, berichtet Mona Schnabel. In Wicker gibt es zwar noch zwei weitere junge Winzerinnen – Katharina Flick und Juliana Venino. In ihrem Freundeskreis sei der Beruf aber eher ungewöhnlich, sagt die 25-Jährige. Ihre Freundinnen seien alle in anderen Berufen beschäftigt – selbst ihre ältere Schwester entschied sich für einen Bürojob. „Ich hab nur mit Jungs zu tun“, erzählt Mona Schnabel. Dass sich weniger Frauen für den Weinbau interessieren, hat sicherlich auch mit der teilweise körperlich anstrengenden Tätigkeit zu tun. „Da fehlt mir manchmal die Kraft“, sagt die junge Meisterin. Als sie bei der Zwischenprüfung ihrer Lehre den Reifen eines Traktors wechseln sollte, habe sie erklärt, dass sie das nicht könne. Als der Prüfer wissen wollte, wie sie das im heimischen Weinberg löse, gestand Mona Schnabel: „Da rufe ich den Papa an.“

Ihr Vater kennt sich mit der Reparatur schwerer Fahrzeuge bestens aus: Frank Schnabel ist gelernter Autoschlosser. Ihre Mutter Yvonne Schnabel arbeitete vor dem Einstieg im Weinbau als Krankenschwester. Beide übernahmen den Familienbetrieb im Jahr 1996 vom Onkel des Vaters. Mittlerweile kann Frank Schnabel aber auch einiges von seiner Tochter lernen. Mona Schnabel brachte das Verfahren der Flotation in den Betrieb, mit dem sich die Rückstände der Trauben einfach vom Most trennen lassen. Die neue Methode gehe viel schneller als die frühere Praxis der Sedimentation, erklärt Mona Schnabel, die momentan im elterlichen Betrieb angestellt ist. Ihre Vorschläge werden dort bereitwillig angenommen. „Wir finden das toll“, sagt Mutter Yvonne Schnabel. Ihr Mann sei offen für neue Ideen.

Eigene Sorten

Irgendwann soll Mona Schnabel den elterlichen Betrieb übernehmen. Momentan begnügt sie sich aber noch mit einem kleinen Teil der Anbaufläche von insgesamt fünf Hektar. Etwa ein Viertel Hektar nutzt die Jungwinzerin für eigene Rebsorten. Im Jahr 2012 hat Mona Schnabel erstmals Weinberge gepachtet. 2013 ging ihr erster Wein in den Verkauf. Zu den Sorten, die derzeit unter ihrem Namen erscheinen, gehören ein Spätburgunder Weißherbst halbtrocken, ein trockener Riesling und ein trockener Spätburgunder Rotwein. Für das kommende Jahr plant Mona Schnabel, neue Reben der Weißweinsorte Chardonnay anzubauen. Sie ist erleichtert, dass sie sich nicht mehr gleichzeitig auf die Meisterprüfung und den Betrieb konzentrieren muss. „Das ist total entspannt“, freut sich Mona Schnabel.

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