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Idyllisch ist was anderes . . . Der Grenzgang in Langenhain führte gestern zur Kläranlage.

Kläranlage Langenhain

Wie nasser Waldboden

Kläranlage und Frühstück: Der gestrige Langenhainer Grenzgang hatte ganz unterschiedliche Programmpunkte.

„Die Kläranlage hier ist auf 4900 Einwohner ausgelegt. Langenhain kann also noch ein bisschen wachsen“, betonte Frank Goebel angesichts der aktuell knapp 3500 Einwohner des Bergdorfs. Der Technische Geschäftsführer des Abwasserverbandes Main-Taunus übernahm am Maifeiertag höchstpersönlich die Besichtigungstour über die Abwasserreinigungsanlage im Rahmen des Langenhainer Grenzgangs.

Da zu der beliebten Maiwanderung des Akkordeon-Orchesters entlang der Gemarkungsgrenzen trotz des unbeständigen Wetters mehr als 80 Alteingesessene und Neubürger gekommen waren, führte Goebel die Grenzgang-Teilnehmer in zwei Gruppen über die Anlage. Während eine Gruppe Informationen bekam, konnten sich die anderen Wanderer zur Halbzeit des Grenzgangs an der benachbarten Frühstücksstation des Vereins zwischen den Streuobstwiesen und Pferdeweiden unter freiem Himmel stärken.

„Kommt hier unser Trinkwasser her?“, erkundigte sich eine Langenhainerin gleich zu Beginn der Kläranlagen-Führung. Das gab Goebel die Steilvorlage, erst einmal ganz allgemein über Sinn und Zweck von Kläranlagen zu referieren. Solche mechanisch-biologischen Anlagen reinigen die Abwässer so weit von Schadstoffen, dass sie am Ende in geklärter Form in die Bäche und Flüsse geleitet werden können, erklärte er. Der Kasernbach, der sich bis nach Flörsheim schlängelt und dort schließlich in den Main mündet, nehme in Langenhain das geklärte Wasser auf.

Der Technische Geschäftsführer führte die Grenzgang-Teilnehmer zunächst zum Zulauf, der vom Abwasserkanal gespeist wird und auf bis zu 30 Liter pro Sekunde ausgelegt ist. Bei starkem Regen werden die Abwässer erst einmal im Regenbecken „zwischengeparkt“ bevor sie zum sogenannten Rechen geleitet werden. In diesem Teil der Anlage bleiben die groben Inhaltsstoffe wie das Toilettenpapier hängen, die ausgewaschen, anschließend gepresst und dann in einen Container gefüllt werden. „Das ist der Bereich der Kläranlage, der am geruchsintensivsten ist“, erklärte Goebel. „Ansonsten darf eine Kläranlage nicht stinken“, betonte der Abwasserexperte.

Anschließend ging es zum Sandfang, der gut belüftet wird. Dort setzt sich das Fett vom Spülen und Kochen ab. In der danach folgenden Vorklärung werden weitere Verschmutzungen aus dem Wasser geholt, wie das, was in den Toiletten landet. Dort wird das erste Mal der Schlamm abgezogen, der sich unten im Becken absetzt. Er wird in den sogenannten Faulturm geführt. Im Belebungsbecken futtern anschließend Bakterien und andere Mikroorganismen weitere Schmutzstoffe aus dem Abwasser.

Das bis zu 4,50 Meter tiefe Nachklärbecken ist die letzte Station im Klärwerk. Das gereinigte Wasser wird dort von der Oberfläche des Beckens in den Kasernbach geleitet und damit zurück in den Wasserkreislauf. Der übrigbleibende Schlamm kommt in den Faulturm, wo er auf 35 bis 38 Grad erhitzt wird, um den Zersetzungsprozess in Gang zu bringen. Mit dem dabei entstehenden Gas wird die Heizung des Faulturms betrieben. „Das, was Sie hier in diesem Container sehen, riecht wie ein nasser Waldboden am frühen Morgen“, schwärmte Goebel zum Abschluss der Führung am Container mit dem dunklen Restprodukt der Kläranlage, das Ähnlichkeit mit Mulch hat. Es darf derzeit noch als Dünger in der Landwirtschaft verwertet werden.

(lux)

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