Die neue Stromtrasse wirft noch viele Fragen auf

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Der Ortsbeirat beharrt darauf: Wird die Hochspannungsleitung zur Gleichstromtrasse Ultranet ausgebaut, soll sie verlegt werden. Die bisherigen Messungen haben nicht viel zu bedeuten.

Nach den Messungen, die an den Hochspannungsleitungen in Bremthal und Niederjosbach 2016 vorgenommen wurden, brauchen sich die Anwohner über mögliche schädliche Auswirkungen keine Sorgen zu machen – die Grenzwerte werden längst nicht erreicht. Das heißt natürlich nicht, dass nicht irgendwann neue wissenschaftliche Erkenntnisse dazu führen können, dass neue Grenzwerte festgelegt werden müssen. Und das heißt erst recht nicht, dass sich die Messwerte nicht verändern, wenn unter dem Namen Ultranet die neue Starkstromtrasse vom Rheinland nach Süddeutschland in Betrieb genommen wird.

Der Ortsbeirat Bremthal hat daher jetzt seine längst gefasste Stellungnahme noch einmal bestätigt: Der Ausbau der Leitung wird abgelehnt, gesucht werden soll eine Trasse, die nicht so nahe an Wohngebieten vorbei führt. Die Stadt hat den betroffenen Bürgern jetzt noch einmal zugesagt, dass sie sich im Genehmigungsverfahren für eine veränderte Trassenführung einsetzen wird. Dabei weist der Magistrat auf eines der Probleme hin – die Betreibergesellschaft Amprion hat es bislang kategorisch abgelehnt, über veränderte Trassenführungen zu diskutieren. Dabei könne die Energiewende nur gelingen, wenn sie von der Bevölkerung akzeptiert werde, argumentiert die Stadt. Dass diese Akzeptanz schwindet, wenn die Akteure sich jeder Diskussion verweigern, liegt auf der Hand.

Die Stadt hat als zweiten Fehler kritisiert, dass die Belastungen nicht verteilt, sondern addiert werden – wo die vorhandene Hochspannungsleitung schon verläuft, kommen nun noch zusätzliche Drähte hinzu. „Aus Sicht von Amprion eine elegante Lösung“, bewertet dies dagegen der Betreiber auf seiner Internetseite. Die Eppsteiner Stadtteile haben dabei das besondere Pech, dass die Leitungen hier für eine als innovativ geltende Technologie genutzt werden sollen – erstmals werden Gleich- und Wechselstromleitungen über die selben Masten laufen. Damit gilt für die Burgstadt nicht das Prinzip, dass die Erdverkabelung Vorrang haben soll.

Mit wenig Recherche lässt sich herausfinden, dass die angestellten Messungen nicht geeignet sind, mögliche Bedenken über gesundheitliche Gefährdungen zu zerstreuen. Das magnetische Feld, das solche Leitungen erzeugen, wird in Mikrotesla gemessen. In Niederjosbach und Bremthal liegen die Werte zwischen 0,24 und 2,64. Da die Leitungen aber nicht voll ausgelastet waren, wurde hochgerechnet, 9,9 Mikrotesla lautete der höchste Wert. Der Vorsorgewert, gesetzlich festgelegt, liegt mit 100 Mikrotesla weit darüber. So weit so gut, wäre da nicht der Ausbau geplant. Das Magnetfeld der neuen Gleichstromleitung kann mit 100 Mikrotesla diesen Wert erreichen. Das läge weit unter den Grenzwerten, argumentiert Amprion – die 100 Mikrotesla sind nur der Vorsorgewert, der Grenzwert beträgt 500 Mikrotesla. Die Schweiz etwa hat ihren Grenzwert auf 1 Mikrotesla festgelegt. Es gibt Studien, die ein erhöhtes Aufkommen von Leukämie bei Kindern schon ab 0,4 Mikrotesla Dauerbelastung feststellen. Umgekehrt fehlt aber der Nachweis eines Ursache-Wirkungs-Zusammenhanges.

(bt)

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