Sie fuchteln mit den Händen herum und unterhalten sich vor der Sitzung anregend (von links): Eschborns Bürgermeister Mathias Geiger (FDP), Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) und Ausschuss-Vorsitzender Dietrich Buß (FWE).
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Sie fuchteln mit den Händen herum und unterhalten sich vor der Sitzung anregend (von links): Eschborns Bürgermeister Mathias Geiger (FDP), Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) und Ausschuss-Vorsitzender Dietrich Buß (FWE).

Protest hält an

Neuer Stadtteil: Angst vor dem Verkehrsinfarkt

  • vonAndreas Schick
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Die Mainmetropole will bezahlbaren Wohnraum schaffen. Sie ist auf die Idee verfallen, auf einem 550 Hektar großen Gelände entlang der Autobahn einen Stadtteil zu errichten. Der Protest aus dem Umland hält an. Da helfen die schönsten Vorträge nichts.

Alles lief schiedlich, friedlich. Aber Einvernehmen herrschte am Ende nicht. Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) rührte am Mittwochabend die Werbetrommel für das Neubaugebiet, das seine Stadt westlich und östlich der A 5 innerhalb der nächsten rund 20 Jahre planen, entwickeln und errichten will. Doch seine Gastgeber waren und blieben skeptisch bis ablehnend gegenüber dem Projekt. Da konnte Mike Josef noch so sachlich vortragen und noch so ruhig alle Fragen parieren. Fast zwei Stunden standen er und sein Stab im Eschborner Bau- und Planungsausschuss Rede und Antwort.

Wo kann die Stadt Frankfurt neuen Wohnraum errichten? Sie habe rund 200 Flächen geprüft, sagte der Planungsdezernent. Das zusammen 550 Hektar große Gelände dies- und jenseits der A 5 ist einer der Favoriten für eine Bebauung. Josef und seine Mitarbeiter gehen von 8000 bis 10 000 Wohneinheiten für mehrere 10 000 Menschen aus. Ein gutes Drittel der Fläche sei zur Bebauung vorgesehen, inklusive Infrastruktur, das heißt: Straßen, Gehwege und so weiter. Frankfurts Fahrplan („Wir sind erst am Anfang“) sieht wie folgt aus:

  Die Stadt beraumt rund zwei Jahre an, um das Mammutprojekt vorzubereiten. Sie erstellt Gutachten, zum Beispiel zum Lärm- und Artenschutz. Die ersten Untersuchungen seien in Auftrag gegeben.

  Frankfurt will die Nachbarkommunen, aus denen es massive Proteste gibt, in die Planungen einbeziehen (Eschborn, Oberursel, Steinbach). Das Gremium, dem diese Aufgabe zufällt, trägt den gestelzten Namen „Consilium“.

  Wann soll gebaut werden? Frühestens 2020 dürfte es losgehen, wenn überhaupt. Frankfurt will „Abschnitt für Abschnitt“ bauen. Die Durchführung zieht sich über „15 bis 20 Jahre“.

Mike Josef zauberte unzählige Zahlen hervor, die belegen sollen: Frankfurt und die Region brauchen neuen Wohnraum. Er favorisiert dafür die Flächen entlang der A 5, weil bereits 40 Prozent des Geländes der Stadt Frankfurt oder stadteigenen Stiftungen gehörten. Eine gute Verkehrserschließung sei dort möglich. Der SPD-Politiker verwies auf die vorhandene S-Bahn-Trasse westlich der Autobahn. Er erwähnte die Planungen der künftigen Regionaltangente West (RTW), die Autobahn und die U 6, deren Verlängerung in den Taunus seit Jahren ein Thema ist.

Mike Josef schlug vor, die sogenannte Süd-Umgehung zur Entlastung von Steinbach und Oberursel nicht in Eschborns Süden an die Autobahn anzubinden, sondern „weiter nördlich“. So wie das Straßenbauvorhaben einmal angedacht war, „wird es nicht funktionieren“. Frankfurt wolle im neuen Stadtteil erst die Infrastruktur samt Verkehrs- und ÖPNV-Anbindungen anlegen, „dann die Wohnungen bauen“. All das beruhigte die Eschborner nicht. Sie haben schon jetzt viel „hausgemachten“ Verkehr, da montags bis freitags rund 30 000 Menschen in die Stadt pendeln.

„Wir haben sehr große Sorgen, gerade verkehrlich“, sagte Christian Oberlis (CDU). „Das gibt ordentlich Verkehr und eine wahnsinnige Belastung“, bestätigte Dietmar Jerger (Bürgerliche). Thomas Matthes (Linke) bewertete die Frankfurter Planungen als „problematisch“. Matthes weiter: „Der Widerstand in Eschborn, Steinbach und Oberursel wird auch nach dem heutigen Abend nicht kleiner werden.“ Selbst Josefs Eschborner Parteikollege Bernhard Veeck räumte ein, „sehr skeptisch“ zu sein. Christoph Ackermann (FDP) hat am Mittwoch „nichts gehört, was mich beruhigen würde“. Der Stadtverordnete bekräftigte, dass seine Fraktion, die CDU und Dietmar Jerger „das Neubaugebiet ablehnen“.

Josef sagte zu, die Eschborner fortlaufend über die Planung zu informieren. Für den 3. Mai ist in Eschborn eine

Bürgerversammlung

geplant, bei der auch die Besucher Fragen stellen können. Am Mittwochabend durften die Bürger das Wort nicht ergreifen. Das war den Eschborner Stadtverordneten vorbehalten.

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