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Mit neuster Technik im Takt

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Von: Stefanie Liedtke

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Dr. Thomas Massa (links) präsentiert das neue, 1,6  Millionen Euro teure Labor für Elekrophysikalische Untersuchungen.
Dr. Thomas Massa (links) präsentiert das neue, 1,6 Millionen Euro teure Labor für Elekrophysikalische Untersuchungen. © Leonhard Hamerski

1,6 Millionen Euro hat das städtische Krankenhaus investiert, um sein Labor für Elektrophysikalische Untersuchungen auf den neusten Stand zu bringen. Auf den Millimeter genau können die Mediziner nun im Herzen operieren, Rhythmusstörungen beheben und kaputte Herzklappen reparieren.

Das Herz ist bunt, lässt sich in alle Himmelsrichtungen drehen und immer wieder legt sich ein roter Film darüber, der genauso blitzartig verschwindet, wie er gekommen ist. „Das ist das Vorhofflimmern“, erklärt Dr. Thomas Massa, Leiter des Labors für Elektrophysikalische Untersuchungen (EPU) am Klinikum Höchst.

In Echtzeit

Dass er sich das Flimmern auf einem riesigen 65-Zoll-Bildschirm dreidimensional und in Echtzeit anschauen kann, während er mit winzigen Kathedern im Herzen seiner Patienten manövriert – modernste Technik macht es möglich. 1,6 Millionen Euro hat das städtische Krankenhaus investiert, um das nach Angaben des Klinikums modernste EPU-Labor Europas anzuschaffen.

„Wir freuen uns unglaublich über dieses Prachtstück“, sagte Prof. Dr. Ulrich Hink gestern bei der offiziellen Vorstellung des Labors. Das Besondere: Die neue Anlage verschmelzt die Informationen aus drei verschiedenen bildgebenden Verfahren miteinander: Aufnahmen der Röntgenröhre werden mit Computer-Tomographie-Bildern und den Informationen, die die Katheder direkt aus dem Herzen senden, verschmolzen. Zur Ausstattung gehören außerdem Hochleistungsrechner. Diese sind nötig, um die blitzschnell verlaufenden Herzrhythmusstörungen und die Vielzahl an Informationen abbilden zu können: Allein die Katheder liefern 1200 Mal pro Sekunde Daten.

Dank der neuen Technik können die Kardiologen präziser und schneller arbeiten, zudem ist die Strahlenbelastung für die Patienten geringer. „Wir können in diesem Raum jede Herzrhythmusstörung behandeln“, betont Massa. „Dabei ist es nicht unser Ziel, die Rhythmusstörung zu bremsen, sondern sie komplett zu beheben.“ Dazu veröden die Spezialisten punktgenau die Stelle des Herzmuskels, von der das Vorhofflimmern ausgeht. Thermoablation heißt das im Fachjargon. In Deutschland leiden zwischen einer und zwei Millionen Menschen an Herzrhythmusstörungen, Tendenz steigend. Weil die Symptome oftmals unspezifisch sind, wissen viele Betroffene gar nichts von ihrer Erkrankung. Doch Vorhofflimmern ist gefährlich: Bei einem von drei Patienten führt es zu einem Schlaganfall, bei jedem Fünften zu Herzinsuffizienz. Zudem erhöht es das Demenzrisiko um 50 Prozent. Unbehandelt verkürze die Erkrankung das Leben Betroffener im Schnitt um acht Jahre, erklärt Massa.

1000 Eingriffe pro Jahr

Im EPU-Labor werden jedoch längst nicht nur Herzrhythmusstörungen therapiert. Auch Notfallpatienten, die nach einem Herzinfarkt eine oder mehrere Gefäßstützen (Stents) benötigen, können dort behandelt werden. Zudem implantieren die Mediziner im EPU-Labor Herzschrittmacher, setzen neue Herzklappen ein oder reparieren defekte. Etwa 1000 Eingriffe pro Jahr nehmen die Höchster Kardiologen dort vor. Chefarzt Hink sieht seine Abteilung gut aufgestellt: „Wir haben für alle Bereiche in der Kardiologie echte Spezialisten und arbeiten auf einem hervorragenden Niveau.“

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