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Viele seiner gesammelten Werke hat Norbert Müller, der heute 85 Jahre alt wird, dem Heimatmuseum zur Verfügung gestellt. Einiges ist aber in seinem Arbeitszimmer noch zu sehen. Foto / Repro: Maik Reuß

Schon der Geburtstag war Ansporn

Norbert Müller wird 85, Schwanheim 1136 Jahre alt

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Ohne den mehrfach ausgezeichneten Heimatforscher, Buchautor und Vereinsgründer Norbert Müller wäre Schwanheim um einiges ärmer. Heute feiert der Jubilar, der sich auch im Sport und Karneval engagierte, seinen 85. Geburtstag. Derzeit arbeitet er an einem mittelalterlichen Roman über seinen Stadtteil.

Ausgraben, Sammeln, Erforschen und (Be)schreiben: Diese vier Leidenschaften begleiten Norbert Müller fast ein Leben lang. Hinzu kommt die Begeisterung für den Sport und die Liebe zur Musik, die den mit der Frankfurter Bürgermedaille und dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichneten Jubilar auch an seinem 85. Geburtstag dazu bringen wird, das ein oder andere Liedchen anzustimmen – vielleicht sogar mit der „Quetschkommod“, seiner kleinen Ziehharmonika, die er schon als Zwölfjähriger erlernte.

In der Vitrine seines Arbeitszimmers, das Müller liebevoll „Dichterklause“ nennt, zeigt er nur eine kleine Auswahl an Münzen und Schmuckstücken. Den Großteil seiner „gesammelten Werke“, die die antike und mittelalterliche Geschichte Schwanheims und der Wasserburg Goldstein dokumentieren, hat er längst dem Schwanheimer Heimatmuseum übergeben. Klar, auch an Müller ist das Alter nicht spurlos vorübergegangen: „Bei unserer Schwanheimer Waldlesung im Sommer und der ein oder anderen Lesung und Führung auf Anfrage bin ich im Heimatmuseum noch aktiv dabei, nehme aber den Rollator zur Hilfe“, erklärt der vierfache Groß- und zweifache Urgroßvater.

Dann wird er still und denkt an seine geliebte Frau, die vergangenes Jahr nach langer Krankheit verstarb: „Mit Betty hätte ich bald die Diamantene Hochzeit gefeiert. Sie hat mich immer unterstützt und mir den Rücken freigehalten, sonst hätte ich all die vielen Dinge gar nicht leisten können.“ Die „vielen Dinge“ haben sich zu einem Lebenswerk zusammengefügt, das mit aktivem Sport und langjähriger Trainingsarbeit als Boxer, Handballer und Leichtathlet bei Eintracht Frankfurt sowie TG und TuS Schwanheim begann und zur Gründung der Schwanheimer Ausgrabungsgruppe und des Heimatmuseums in den 1970er Jahren führte. Hinzu kamen Gesangs-, Wander- und Vatertagsgesellschaften und zahlreiche Auftritte als „Dr. Humoris causa“ mit Frau und Tochter in der Bütt des VdK und des Carnelvalsclubs St. Mauritius.

Schließlich kennt man „Molly“ als Autor der Schwanheimer Reihe „Sagen, Geschichten und Gereimtes“ und des historischen Romans „Schwedenfeind“. Seinen Spitznamen verdankt er übrigens seiner Zuneigung zum gleichnamigen Kater aus den Tagen seiner Kindheit. Und auch in der Vitrine seines Arbeitszimmers spielt ein Tier eine besondere Rolle und inspiriert ihn zu seinem neuen Roman.

Die Rede ist von einem Pferdekopf aus der Burg Falkenstein, der Müller an seine ersten Streifzüge als junger Mann mit dem Klappspaten erinnert und das Titelblatt seines neuen Romans „Das Dorf der Unfreien“ ziert. „In diesem Buch über das Schwanheimer Altdorf auf dem heutigen Friedhofsgelände geht es um die schwierige Freundschaft eines Herrensohns und eines Leibeigenen, die in den Irrungen und Wirrungen der mittelalterlichen Gesellschaft harten Bewährungsproben ausgesetzt ist“, sagt Müller.

„Schwanheim unterstand damals den Burgherren von Eppstein. In diesen historischen Hintergrund will ich meine Figuren einbetten“, erklärt er. Dass sein Geburtstag am 17. November zufällig mit dem Tag der ersten urkundlichen Erwähnung des frühmittelalterlichen „Sueinheim“ im Jahr 880 zusammenfällt, war stets Ansporn, in der Freizeit die Geschichte seines Heimatstadtteils zu erforschen und zu dokumentieren. Ein besonderes Vorbild war ihm dabei der Arzt und Heimatforscher Wilhelm Kobelt (1840 – 1916), der die erste Chronik des Dorfes Schwanheim schrieb.

Der zunächst heimliche Ausgräber, der hauptberuflich als technischer Angestellter in einem Autohaus arbeitete, wandelte sich mit Hilfe des befreundeten Archäologen Ulrich Müller aus dem Historischen Museum vom „Saulus“ zum „Paulus“. Dadurch, dass er seine Ausgrabungen und Funde öffentlich zugänglich machte, legte er zusammen mit Gleichgesinnten wie Änne Vater, Wilhelm Schultheiß und Wilhelm Nieböck den Grundstock für das Schwanheimer Heimatmuseum, das 2008 modernisiert wurde. Und er widmete seinem Stadtteil die beiden Hymnen „Wer kennt dich nicht, mein Schwanheim“ und „Wo die Maineswellen schlagen an dem schönen Strand“. Geschrieben hat er diese zu den Melodien „Hoch auf dem gelben Wagen“ und „Wo die Nordseewellen schlagen an dem schönen Strand“. Wenn heute an seinem Ehrentag viele Verwandte und Freunde kommen, werden sie vielleicht angestimmt – die Quetschkommod liegt jedenfalls parat.

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