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. . .und vor Jahren als "Tatort"-Ermittler (links).

Michael Fitz im Interview

„Nur was mich berührt, kann andere berühren“

Michael Fitz ist vor allem bekannt von der Mattscheibe, etwa als ehemaliger Tatort-Kommissar Carlo Menzinger (von 1992 bis 2007) oder als Chiemsee-Ermittler Hattinger 2013. Doch der 56-Jährige macht mit Leidenschaft Musik, hat schon 14 CDs veröffentlicht. In dieser Rolle kommt er am Samstag nach Kelkheim (siehe Verlosung rechts). Für ein Telefoninterview durfte ihn Frank Weiner mal einen Moment von der Büroarbeit abhalten.

Schon mal hessisch gebabbelt, Apfelwein getrunken, Handkäs’ gegessen?

MICHAEL FITZ: Nein, davon habe ich keine Ahnung. Ich habe zwar mal längere Zeit in Frankfurt gedreht, das ist aber gut 15 Jahre her. Ich kenne die ganze Ecke vom Spielen. Es ist nicht so, dass ich Neuland betreten würde. Aber ich freue mich in Kelkheim, dass so viele Leute kommen, dass der Veranstaltungsort gewechselt werden muss.

Und was verbindet ein Ur-Bayer dann mit unserer Region?

FITZ: Vor allem den Dialekt. Die Kollegen von „Badesalz“ fallen einem zuerst ein, dann die Alte Oper und der Finanzplatz Frankfurt.

Wie verbringen Sie die Zeit rund um Ihre Auftritte – gerade morgen?

FITZ: Möglicherweise fahre ich morgen Abend nach Hause, wenn dort viel Arbeit wartet. Ansonsten bin ich rund um die Auftritte nicht unterwegs. Das geht gar nicht, bei über 70 Terminen im Jahr. Im nächsten Jahr sind es sogar über 90. Wenn ich übernachte, dann bin ich hoffentlich ausgeschlafen, frühstücke gemütlich und fahre zum nächsten Termin. Das Ganze ist ein „One-Man-Job“ bei mir.

Und dann stehen Sie ja auch noch „nebenbei“ vor der Fernsehkamera . . .

FITZ: Ja, manchmal sehnt man sich schon nach einer Pause. Das eine ist oft Erholung vom anderen. Zum Theaterspielen bleibt mir schon gar keine Zeit. Letztes Jahr waren es weniger Drehs und mehr Konzerte, heuer ist es wieder andersherum.

Im neuen Programm „Erfolg“ texten Sie in Mundart und Hochdeutsch. Wie schwer fällt eine solche Umstellung?

FITZ: Die hochdeutschen Texte sind ja quasi nur Spurenelemente. Von 20 Titeln gibt es im Programm „Erfolg“ drei Hochdeutsche. Ich gehe das nicht dogmatisch an. Das ergibt sich so oder auch nicht. Da fallen mir manchmal Sachen ein, die einfach besser ins Hochdeutsche passen. Dabei geht es dann eher um das jeweilige Thema.

Will man denn den Ur-Bayern in Nordfriesland hören?

FITZ: Offensichtlich schon. Ich habe im nächsten Jahr 70 Prozent der Auftritte nördlich von Frankfurt. Das will ja was heißen. Vielleicht denken die Leute: „Da ist ein Exot, den hören wir uns mal an.“

Bitte in einem Satz in moderater Länge: Was macht für Sie Erfolg aus?

FITZ: Für mich persönlich ist es ein Erfolg, dass ich beschenkt wurde vom Leben und zwei Berufe haben darf, in denen ich kreativ sein kann. Ich interpretiere den Titel aber ganz anders: Ich habe mich nicht mit der prächtigen, schillernden Seite von Erfolg befasst, sondern mit der Kehrseite. Ich gucke mir eher die Dinge durch den Hintereingang an. Das ist zwar nicht Jedermanns Sache, kam aber bisher sehr gut an. Denn da können die Leute mal über sich selbst lachen.

Was ist Ihr größter Erfolg?

FITZ: Ich bin kein Chartbreaker. Ich habe lange den Ehrgeiz gehabt, es sein zu wollen. Aber als ich dann an diesem Punkt war, habe ich festgestellt, dass mir das gar keinen Spaß macht. Dann habe ich mir den Spaß an der Musik wiedergeholt. Denn wenn ich mich nicht selbst damit berühren kann, dann berührt’s die anderen auch nicht.

Wie finden Sie denn Ihre Themen?

FITZ: Die kriegen Sie aus dem Leben, Stichworte sind Beziehung, Herkunft, Wünsche, Vorstellungen, Träume. Mir gehen die Themen nicht aus, ganz im Gegenteil.

Eine Frage muss sein: Kein Sehnsucht mehr nach dem „Tatort“?

FITZ: Die 17 Jahre sind vor 7 Jahren zu Ende gegangen. Dass die ARD die Sendungen todesmutig noch immer wiederholt, liegt garantiert nicht an mir. Ich bekomme dafür nur ein Wiederholungshonorar, das es damals noch gab. Aber die Leute denken tatsächlich: „Der Fitz ist noch beim ,Tatort’.“ Ich will nicht undankbar sein, das war schon eine größere Sache, hat mir viel Öffentlichkeit gebracht.

Welche Kommissare favorisieren Sie?

FITZ: Ich gucke gar kein Fernsehen, dafür fehlt mir die Zeit. Ich muss sagen, der „Tatort“ hat sich als Marke nicht sehr vorteilhaft entwickelt. Zu viel, zu oft, geradezu inflationär. Ich habe das Gefühl, es gibt im Fernsehen derzeit so etwas wie eine Krimischwemme.

Von welchem Projekt träumen Sie?

FITZ: Träume sind das zum Glück nicht mehr. Ich bin 2016 im Neuen Theater Höchst, bei der Lach- und Schießgesellschaft München und den „Stachelschweinen“ in Berlin. Das sind vielleicht kleine, aber für mich ganz große Schritte. Es zeigt mir: Das was ich mache, hat seine Nische gefunden.

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