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Der Winterdienst war in den letzten Tagen häufig im Einsatz und streute kräftig Salz, damit auf den glatten Straßen niemand ins Schleudern kam.

Verkehrssicherungspflicht

Ohne Streusalz geht’s im Main-Taunus-Kreis nicht voran

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Zwar ist es schädlich, aber die Kommunen im Kreis verwenden für den Winterdienst reichlich Salz. Restriktive Vorschriften gibt es vor allem für Privatleute.

Main-Taunus-Kreis - Man kann einen ganzen Katalog schädlicher Auswirkungen von Streusalz zusammenstellen: Autos rosten schneller, Hundepfoten entzünden sich. An Bäumen und anderen Pflanzen wird die Wasseraufnahme gestört. Das Salz schädigt Schuhe und Betonpflaster und kann nicht zuletzt ins Grundwasser gelangen. All das ist bekannt.

Trotzdem verwenden die Kommunen im Kreis Streusalz. Wie viel, das hängt davon ab, wie streng der Winter ist. In der letzten Saison waren es in Eppstein 350, in Kelkheim 370 Tonnen, Bad Soden kommt auf durchschnittlich 240, Hattersheim auf 50 Tonnen – dort gibt es auch keine Steilstrecken, und die Stadtteile liegen dicht beieinander. Hofheim hat im vergangenen Jahr 225 Tonnen verbraucht, dazu 50 000 Liter Magnesiumchloridlauge.

Natürlich weiß man auch in den Rathäusern um die Probleme. Es gebe aber keine andere Möglichkeit, der Verkehrssicherungspflicht zu entsprechen, sagt Kelkheims Bürgermeister Albrecht Kündiger. Mit anderen Worten: Passiert ein Unfall wegen Glätte und die Stadt hat nicht gestreut, ist zu befürchten, dass die Stadt für die Schäden haftbar gemacht wird. Richtig dramatisch ist das natürlich, wenn es Personenschäden gibt.

Der Verbrauch werde an den Fahrzeugen elektronisch gesteuert und so gering wie möglich gehalten, erklärt Bad Sodens Pressesprecher Wolfgang Heidecke. Aus den anderen Rathäusern wird ganz ähnlich berichtet, dass sehr vorsichtig mit dem Material umgegangen werde. „Wir verwenden weniger als früher.“, sagt auch Kündiger.

Split als Alternative spielt aber kaum eine Rolle, in Kelkheim sind es mit 28 Tonnen weniger als fünf Prozent des gesamten Streumaterials. Die Stadt Hofheim weist darauf hin, dass auch Splitt einige Nachteile hat. Das Streuen dauert länger, der Splitt kann die Kanalisation verstopfen, er wirkt nicht so lange und verursacht Lackschäden, wenn er aufgeschleudert wird.

Dessen ungeachtet empfehlen alle Kommunen ihren Bürgern, auf die Verwendung von Salz so weit wie möglich zu verzichten. Salz dürfe „nur in geringer Menge zur Beseitigung festgetretener Eis- und Schneerückstände verwendet werden“, heißt es etwa in der Hattersheimer Straßenreinigungssatzung. In den anderen Kommunen gibt es identische oder ähnliche Formulierungen. Nach aller Sprachlogik schließt dies andere Verwendungen aus.

Kelkheims Rathauschef Kündiger will aber von einem Verbot nicht sprechen. „Wenn wir Salz verbieten und jemand kommt auf einem Bürgersteig zu Schaden, haben wir wieder das Problem mit der Verkehrssicherungspflicht. Aus allen Rathäusern heißt es daher, der Verzicht auf Salz sei eine Empfehlung und Bußgelder würden bei Zuwiderhandlungen nicht verhängt.

Ein wenig ist dies schon ein Unterschied zwischen formuliertem und durchgesetztem Recht. Keine Überraschung ist es daher, wenn gerade wieder in vielen Facebook-Foren heftig darüber gestritten wird. „Jeder, der einen Hund hat, wünscht sich weniger Salz“, schreibt ein Nutzer in der Gruppe „Rund um Kelkheim.“ Und eifrig wird darüber spekuliert, ob man beispielsweise auch nachts streuen muss, oder ob man schon am Vorabend streuen darf, wenn für den Morgen Schnee vorausgesagt wird. Eine gesicherte Informationslage sieht anders aus . . .

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