Ein Absperrband auch vor dem beliebten Schaukel-Drachen im Freizeitpark.
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Ein Absperrband auch vor dem beliebten Schaukel-Drachen im Freizeitpark.

Park in Kriftel

Park in Kriftel: Die Ruhe nach dem Rummel

Im Park in Kriftel sind Skaterbahn und Bolzplatz zum Schutz vor dem Coronavirus gesperrt. Das Ordnungsamt kontrolliert.

Kriftel -Wer am Dienstag durch den Freizeitpark schlenderte, der konnte den Eindruck gewinnen, Deutschland befindet sich in den vorgezogenen Osterferien und nicht im Kampf gegen eine Virusepidemie. Die Gemeinde erklärte einen Tag später, man sei "schockiert" gewesen über den hohen Zulauf im Park. Große Gruppen Jugendlicher haben sich auf der Skaterbahn und auf dem Bolzplatz die Zeit vertrieben, stellt Franz Jirasek in dem Brief fest. Das, so der Erste Beigeordnete weiter, sei zwar angesichts von geschlossenen Schulen und tollem Wetter verständlich, gleichzeitig aber vollkommen kontraproduktiv. Die Parks der Obstbaugemeinde blieben weiter geöffnet, Spielplätze sowie Skaterbahn und Bolzplatz seien aber gesperrt. Flatterbänder und Schilder weisen jeweils an Ort und Stelle darauf hin.

Positiv ist festzuhalten, dass die Botschaft schon am Mittwoch bei den meisten Leuten angekommen ist. Bei einem Besuch gegen 12 Uhr ist rund um das Parkbad herum nichts los. Zwei Senioren haben sich auf zwei Parkbänke verteilt, ab und zu durchquert ein Hundehalter den Freizeitpark. Bei der zweiten Visite gegen 15.30 Uhr ergibt sich ein ähnliches Bild. Zwei Jungs ziehen einsame Kreise auf ihren Mountainbikes, eine Handvoll Spaziergänger vertritt sich in kleinen Gruppen von maximal drei Personen die Beine, verweilt dabei aber nicht länger als zehn Minuten am beliebten Naherholungsort.

Coronavirus in Kriftel: Menschen sollen zu Hause bleiben

"Ich bin verwundert. Das ist gar kein Vergleich zu gestern, da waren hier Hunderte unterwegs. Teilweise wurde sogar gegrillt", verrät Ewald Koster. Der Mitarbeiter der Ordnungsbehörde war gestern von Bürgern alarmiert worden, da sich zwei Männer auf der Boule-Bahn befanden. Wie sich herausstellte, waren die beiden jedoch nicht zum Spielen, sondern zur Bahnpflege vorbeigekommen.

Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus habe man nicht, feixt einer der beiden Senioren, schließlich sei man ja noch fit und jung im Geiste. Koster geht auf den Scherz ein, ermahnt das Duo aber anschließend freundlich und doch bestimmt, dass jetzt gerade nicht die Zeit für Rechenarbeiten auf der Bahn sei. Es seien eben nicht nur die Jugendlichen, die den Ernst der Lage noch nicht ganz begriffen haben, sagt der Ortspolizist. "Im Gespräch zeigen sich die allermeisten aber einsichtig", betont Koster. Genau darum ginge es ihm: Statt Verbote unter Androhung von Strafen durchzudrücken, will er momentan regelmäßig in den Parks Präsenz zeigen und ins Gespräch kommen, falls nötig. Rund um die Uhr könne man die öffentlichen Anlagen ohnehin nicht kontrollieren, sagt er, Eigenverantwortung seitens der Bürger sei unerlässlich.

Coronavirus in Kriftel: Ordnungsamt kontrolliert Soerrung von Bolzplatz und Skaterbahn

Koster ist seit 1985 bei der Ordnungsbehörde. Ein Jahr nach seinem Dienstantritt erlebte er einen Ausnahmezustand, der dem heutigen sehr ähnlich und doch vollkommen anders war: Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. "Damals waren die Leute verunsichert", erinnert er sich, "sind deswegen auch ohne Verbote zu Hause geblieben. Es war das einzige Mal, dass ich komplett alleine im Freizeitpark war. Gespenstisch." So weit soll es jetzt nicht kommen. Trotzdem müsse jeder Einzelne sein Handeln überdenken, Verbote achten und Abstriche in der Freizeitgestaltung machen. Man müsse sich im Klaren darüber sein, dass die aktuellen Maßnahmen noch für eine geraume Zeit Bestand haben können, dürfe aber nicht vergessen, dass der aktuelle Zustand eben kein Dauerzustand sei. In Kriftel scheint die Botschaft angekommen zu sein.

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