Benjamin Gimbert mit dem Fahrrad für seinen Sohn.
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Benjamin Gimbert mit dem Fahrrad für seinen Sohn.

400 000 Euro Schaden in Kelkheim

Parkhaus in Flammen

  • VonBarbara Schmidt
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Das war kein ruhiger Jahreswechsel für die Feuerwehren im Main-Taunus-Kreis. Neben dem Feuer in Kelkheim gab es noch eine ganze Reihe kleinerer Brände.

Kelkheim/ „Ehrenamt kennt keine Feiertage“ hat die Feuerwehr Flörsheim gerade erst gepostet. Wie wahr. Kaum hatten die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren in Kelkheim ihren Lieben Prosit Neujahr gewünscht, da piepten auch schon die Alarmgeräte. „Es hat gerade gereicht, um seine Frau mal in den Arm zu nehmen“, kommentiert Stephan Armagni trocken das Ende der Silvester-Feiern für ihn selbst und rund 100 Kollegen mit der Alarmierung um 0.17 Uhr.

Alle Kelkheimer Wehren waren gefordert, denn in der Breslauer Straße war in einer Parkgarage ein Feuer ausgebrochen. „Es hieß, da brennt ein Auto“, schildert Stadtbrandinspektor Alexander Kolata. „Das hat sich bestätigt“, sagt Kolata, allerdings habe das Feuer im ersten Stock des Parkhauses so schnell auf weitere Fahrzeuge übergegriffen, dass eine enorme Hitze- und Rauchentwicklung es zunächst unmöglich gemacht habe, zum eigentlichen Brandherd vorzudringen.

Fünf Stunden im Einsatz

Von der Feuerwehr Hofheim wurde ein Spezialfahrzeug angefordert, eine „rollende Atemschutzwerkstatt“, wie Armagni erläutert. Sonderlöschmittel kam ebenfalls aus der Kreisstadt, denn mit Wasser allein seien solche Brände schwerer zu löschen, sagt Kolata. Sieben Fahrzeuge – Autos und Motorräder –, die in den garagenähnlichen Boxen in dem Parkhaus untergestellt waren, wurden zerstört. Es brannten aber auch andere hier gelagerte Dinge wie Reifen in den Garagen, die zwar Tore, aber keine festen Zwischenwände haben, sondern nur durch Maschendraht voneinander getrennt sind.

Auch für die Anwohner sei es definitiv keine ruhige Nacht gewesen, sagt der Stadtbrandinspektor. Wegen der starken Rauchentwicklung und der hohen Schadstoffbelastung dieses Rauchs habe man das angrenzende Gebäude vorübergehend räumen müssen. Bis 5.30 Uhr hatten die Wehren zu tun, das Feuer selbst war früher gelöscht. Der Sachschaden soll nach Angaben der Polizei 400 000 Euro betragen. Gutachter werden in den nächsten Tagen exaktere Zahlen liefern.

Das stark in Mitleidenschaft gezogene dreigeschossige Parkhaus wurde der Kripo übergeben, die es für die weiteren Ermittlungen bis zum Dienstag geschlossen hat. Da das Parkhaus keine offenen Zugänge hat, geht die Polizei davon aus, dass ein fehlgeleiteter Feuerwerkskörper nicht die Brandursache sein kann. „Vielmehr kommen eine vorsätzliche Brandlegung oder ein technischer Defekt in Betracht“, heißt es im Polizeibericht.

Das Feuer bescherte gestern vielen, die im Parkhaus ein Fahrzeug stehen haben, einen unruhigen Neujahrstag. Nicht alle konnten so froh lächeln wie Sermet Kasar, der drei Garagen gemietet hat. Er habe Glück gehabt, der Teil, in dem seine Fahrzeuge stünden, sei nicht betroffen, hatte Kasar erfahren. Benjamin Gimbert erhielt von der Polizei grünes Licht, das Geburtstagsgeschenk für seinen Sohn, der heute drei Jahre alt wird, aus seiner Garage im zweiten Stock zu holen. Das neue Fahrrad zeigte zwar Ruß-Spuren, blieb aber ansonsten unversehrt.

Weil alle Kelkheimer Wehrleute im Einsatz waren, mussten in der frühen Neujahrsnacht Kollegen in Kriftel und Liederbach gebeten werden, für Kelkheim die Absicherung für den Fall weiterer Alarmierungen zu übernehmen. Auch Eschborns Wehr wurde um Unterstützung gebeten. Sie verfüge über Großlüfter, so Armagni. Bei starker Rauchentwicklung ein Hilfsmittel, um den Rauch in eine Richtung zu drängen oder Gebäude nach einem Feuer von Rauch zu befreien.

Wo es noch brannte

Ebenfalls im Einsatz waren in den ersten Stunden des Neuen Jahres die Flörsheimer, die Hofheimer, die Okrifteler und die Krifteler Feuerwehren. In Flörsheim wurde kurz nach Mitternacht in der Liebigstraße ein Haufen Altpapier vor einer Lagerhalle entzündet. Deren Eingangsbereich und die Fassade des Gebäudes wurden in Mitleidenschaft gezogen, so dass ein Schaden von rund 2000 Euro entstand.

In Hattersheim-Okriftel musste die Feuerwehr um 1.50 Uhr und noch einmal um 3.20 Uhr ausrücken. Zunächst brannte im Erlesring eine Mülltonne. Die dabei entstehende Hitze beschädigte einen neben der Tonne geparkten Wohnwagen. Sachschaden: 1500 Euro. Im zweiten Fall brannte ein Altkleidercontainer in der Rheinstraße.

In Hofheim stand ein Mülleimer in Flammen, vermutlich war ein Feuerwerkskörper die Ursache. Gegen 7.45 Uhr brannte dann ein Müllcontainer in Kriftel . Auch dieser Brand konnte von der Feuerwehr schnell gelöscht werden, der Schaden hier: Mehrere hundert Euro.

Die Kriminalpolizei nimmt zu allen Fällen sachdienliche Hinweise und Zeugenaussagen entgegen unter Telefon (0 61 92) 20 79-0.

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